28.09.2015, 10:13 Uhr | 0 |

Kunstprojekt „Camera Restricta“ Diese Kamera fotografiert nur, wenn sie will

„Mit mir nicht!“: So lautet das Credo der Camera Restricta, wenn beispielsweise der Eiffelturm fotografiert werden soll. Gibt es bereits zu viele Fotos eines Motivs oder Standortes im Internet auf Portalen wie Flickr oder Panoramino, verweigert der eigenwillige Apparat automatisch den Auslöser. Was das soll? 

Camera Restricta
Á

Offenbar kein allzu prominenter Standort für ein Foto: Der Auslöser bleibt bedienbar, die Camera Restricta erlaubt eine Aufnahme. 

Foto: Philipp Schmitt

Erfinder dieser bockigen Kamera ist Philipp Schmitt, 22 Jahre alt und Student der Interaktionsgestaltung. Er stellte sich eines Tages die Frage, wie viele Bilder es wohl von bestimmten Orten schon geben mag. Und erfand die Camera Restricta.

Schmitt möchte die Menschen dazu bringen, wieder darüber nachzudenken, warum sie etwas fotografieren. Sie sollen sich mit dem Thema Zensur auseinandersetzen. Schmitt warnt: Mit den heutigen technischen Möglichkeiten sei es ein Leichtes zu zensieren.

In Kameragehäuse steckt Smartphone 

Die Kamera sucht ständig online nach Fotos von den Orten, an denen sie sich gerade befindet. Dafür steckt ein Smartphone mit aktivem GPS-Modul im Gehäuse. Mit einer speziellen App, die Schmitt selbst entwickelt hat, wird ständig analysiert, wie viele Bilder bereits existieren. Auf diese Weise arbeitet auch das Geotagging. Das Gehäuse der Kamera stammt übrigens aus dem 3D-Drucker.

Videoquelle: Philipp Schmitt

Je mehr Fotos die Kamera von einem Motiv findet, um so lauter tickt und knistert sie. Wie ein Geigenzähler soll sie den Fotograf darauf aufmerksam machen, dass eine bestimmt Zahl von Fotos bereits veröffentlicht wurde. Wenn es zu viele sind, blockiert der Auslöser und kann nicht mehr betätigt werden. Das Display sagt dem Fotografen dann unter Allow Photos: „Nein.“

Videoquelle: Philipp Schmitt

Die Camera Restricta ist ein Beispiel dafür, wie Standortdaten für eine Restriktion verwendet werden können. Eine andere Idee hatte im Frühjahr diesen Jahres die schwedische Folk Bank John Moose. Sie veröffentlichte ihr Album als kostenlose App. Jedoch konnte die Musik nur in Waldgebieten gehört werden. Die Standortdaten wurden übers Smartphone abgefragt. Ziel der Musiker war es, auf diese Weise die Menschen anzuregen, über die Natur nachzudenken. 

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Von Petra Funk
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