16.01.2014, 14:30 Uhr | 0 |

Millionenschweres Crowdfunding Ballkamera Panono schießt 360-Grad-Fotos im Flug

Wirft man die faustgroße Wurfkamera Panono in die Luft, schießt sie am höchsten Punkt ein Panoramabild der Umgebung. Im kleinen Plastikball sind 36 Kameras installiert, die insgesamt eine Bildauflösung von 108 Megapixeln ermöglichen. Finanziert wurde die Entwicklung Berliner Studenten in einem millionenschweren Crowdfunding-Projekt.  

Jonas Pfeil
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Der Erfinder der Wurf-Kamera Panono, Jonas Pfeil, stellt auf der Elektronikmesse CES 2014 in Las Vegas seine Erfindung vor. Jetzt haben die Unternehmensgründer 1,25 Millionen Dollar eingesammelt, um die Kamera in Serie zu produzieren.

Foto: dpa/Britta Pedersen

Dass eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo derart die Erwartungen übertrifft, kommt nicht alle Tage vor. In den letzten zwei Monaten haben die Erfinder der kleinen kugeligen Kamera Panono insgesamt 1,25 Millionen US-Dollar von 2608 Unterstützern eingeworben. Das angestrebte Ziel lag bei 900.000 Dollar. Damit liegen sie auf Platz sechs der am höchsten finanzierten Indiegogo-Kampagnen und sind die einzigen deutschen Vertreter in der Rangliste.

Erste Kameras sollen im September ausgeliefert werden

Jonas Pfeil, Erfinder der Kamera, freut sich, denn mit dem eingeworbenen Geld kann die Entwicklung abgeschlossen werden. „Dann können wir in die Produktion gehen und die ersten Kameras im September 2014 ausliefern.“ Die Panono kostet als Deluxe Mega Deal für deutsche Kunden 671 US-Dollar. Für die erste Serie ist eine Auflage von 1500 Stück geplant, Vorbestellungen sind ab sofort möglich.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte an der TU Berlin, wo Pfeil für seine Diplomarbeit an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik den ersten Prototypen der Kamera baute. Dieser war damals noch so groß wie ein Handball und dick gepolstert. Mit 30.000 Euro Prämie aus einem Gründerpreis und mit seinen Kommilitonen Björn Bollensdorff und Qian Qin gründete Pfeil die Panono GmbH.

Rund anderthalb Jahre arbeitete das Team an der Kamera, unterstützt von einem Gründerstipendium vom Centre for Entrepreneurship der TU Berlin, Förderprogrammen und Investoren. „Auch eine Reise ins Silicon Valley war eine große Hilfe bei der Akquise von internationalen Kontakten“, sagt Pfeil.

Mit ihrer Wurfkamera haben die drei Berliner Studenten offenbar ins Schwarze getroffen und für Freizeit-Fotografen auch im wörtlichen Sinn eine neue Dimension eröffnet. Die Panono hat einen Durchmesser von elf Zentimetern und ist 300 Gramm schwer. In dem kleinen Plastikball sind 36 Kameras mit jeweils zwei Megapixeln und ein Beschleunigungssensor eingebaut. Wird die Kamera in die Luft geworfen, entsteht am Punkt der maximalen Wurfhöhe ein beeindruckendes Panorama der Umgebung.

„Das Foto ist quasi ein Google Street View, aber aus der Luft“

Es entstehen zunächst Rohbilder mit riesigen 72 Megapixeln, die von der Software zu einem Bild zusammengerechnet und sofort aufs Smartphone übertragen werden. Der Betrachter kann sich den entstandenen Rundumblick anschauen, indem er eine Wischbewegung auf dem Handy oder Tablet macht oder sich mit dem Gerät bewegt. „Es ist quasi ein Google Street View, aber aus der Luft“, sagt Jonas Pfeil. Das Foto ist ein echtes 360-Grad-Bild mit einer Auflösung von 108 Megapixeln.

Auch der Fotograf selbst ist auf einem Panoramabild zu sehen, meist mit ausgestreckten Armen, um die Kamera nach ihrem Flug aufzufangen. Für Innenraumaufnahmen liefern die Entwickler einen Stab mit, auf den man den Panono montieren kann. Bewegungsunschärfen durch schlechtere Lichtverhältnisse sollen so ausgeglichen werden. Hier gibt es allerdings noch einigen Raum für Verbesserungen, das gibt auch Jonas Pfeil zu. Die fehlerfreie Zusammenrechnung der Bilder habe sich zwar seit 2011 sehr verbessert, aber noch bräuchten sie manuelle Nachbearbeitung.

Für Anhänger der jüngst populär gewordenen Fotografiertechnik Camera tossing wird die Panono wahrscheinlich ebenfalls interessant sein. Dabei wird eine herkömmliche Kamera in die Luft geworfen. Das Bild entsteht entweder durch Selbstauslöser oder durch das manuelle Auslösen im letzten Moment vor dem Abwurf. Die Bilder entwickeln ihren Reiz durch die ungewöhnliche Perspektive, durch bunte Lichtbahnen bei Nachtaufnahmen oder durch Langzeit- und Mehrfachbelichtungen. Interessante Beispiele dieser vor allem für die Kamera gefährlichen Aufnahmetechnik sind auf der Fotoplattform flickr unter dem Stichwort Camera Toss zu sehen. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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