25.09.2014, 13:49 Uhr | 0 |

Offshore-Windanlagen Werkzeug von Siemens montiert Riesenflügel automatisch

Windgeneratoren lassen sich jetzt sogar bei kräftigem Wind auf hoher See fertigstellen: Siemens hat ein Hebewerkzeug entwickelt, das 75 Meter lange Flügel automatisch packt und fixiert. Gefährliche Handarbeit wird dadurch überflüssig.

Installation einer Windenergieanlage auf See
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Installation einer Windenergieanlage auf See.

Foto: Siemens

Siemens, Hersteller und Installateur von Offshore-Windgeneratoren, errichtet die Giganten des Meeres mit dem neuen Gerät zudem kostengünstiger. Ein 78 Tonnen schweres Hebewerkzeug packt die Rotorblätter und fixiert sie an zwei Punkten mit Seilen. Derart gesichert schweben sie langsam in Richtung Nabe, die sich in mehr als 100 Metern Höhe befindet. In Millimeterarbeit werden die Flügel so positioniert, dass die Monteure sie mit riesigen Schrauben an der Nabe befestigen können.

Moderne Flügel sind 75 Meter lang und 25 Tonnen schwer. Sie zu installieren ist eine hohe Kunst, vor allem bei starkem Wind. Bisher müssen die Befestigungsseile von Hand festgezurrt werden. Ab einer Windgeschwindigkeit von zwölf Metern pro Sekunde – das entspricht  Windstärke sechs – ist diese Arbeit an Deck des Schiffes, das die Flügel zur Baustelle transportiert, zu gefährlich.

Mit dem neuen Automaten ist die Montage noch bei Windstärke sieben (19 Meter pro Sekunde) möglich. Was vor allem auf der Nordsee keine Seltenheit ist. Die teure Ausrüstung kann so besser ausgelastet werden. Das senkt die Kosten.

Premiere vor der britischen Küste

Seit einigen Wochen ist das Hebewerkzeug, das den Flügel beliebig drehen, kippen und schwenken kann, beim Bau des Windparks Westermost Rough vor der Ostküste Großbritanniens im Einsatz. Dort errichtet Siemens im Auftrag des dänischen Unternehmens Dong Energy 36 Windenergieanlagen mit 75 Meter langen Rotorblättern. Jede hat eine Leistung von sechs Megawatt.

Offshore-Mühlen früherer Generationen wurden anders montiert. Monteure verschraubten Nabe und Flügel an Land. Das sternförmige Gebilde schwamm dann, auf einem Ponton oder Schiff befestigt, zur Baustelle. Ein Schwimmkran hievte es empor zum vormontierten Maschinenhaus mit Getriebe und Generator. Dort waren wieder Monteure gefragt, um den Stern zu befestigten.

Einsatz auch beim Austausch defekter Flügel

Der komplette Rotor einer Sechs-Megawatt-Anlage hat einen Durchmesser von 154 Metern – zu viel für einen Transport per Schiff. Und selbst wenn er unfallfrei gelänge wäre die Montage auf hoher See ein echtes Abenteuer. Deshalb gehen Hersteller von Offshore-Mühlen dazu über, die Flügel erst auf hoher See zu montieren.

Das neue Hebewerkzeug lässt sich auch nutzen, um defekte Flügel abzunehmen und durch neue zu ersetzen. Damit auf dem Weg von der Nabe zurück zum Schiff – oder auch umgekehrt – nichts schiefgehen kann sind alle Funktionen doppelt gesichert, wie in Flugzeugen und Kernkraftwerken. Fällt beispielsweise eine Steuereinheit aus, springt die zweite – redundante – blitzschnell ein.

Doch Siemens ist nicht der Einzige, der eine Technik entwickelt, um Rotoren auf See sicher zu montieren. Ein Aufzugsystem namens Wind Lift Tower haben das Ingenieurbüro Berg-idl aus der Nähe von Hockenheim und das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) entwickelt. Da der mobile Aufzug  am Turm der Windkraftanlagen montiert ist, kann er die Rotorblätter sicher und unabhängig vom Wetter nach oben fahren.

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Von Wolfgang Kempkens
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