03.12.2014, 06:51 Uhr | 0 |

SCHUTZ VOR TERRORISTEN Mobilfunk-Signale spüren angreifende Piratenboote auf

Wenn Bonner Forscher ihre Überwachungstechnik aufbauen, haben es Piraten noch schwerer, eine Küste oder einen Hafen zu entern. Die Ingenieure haben ein ungewöhnliches System entwickelt, das Mobilfunksignale auswertet, um gefährdete Küstenabschnitte zu überwachen.

Deutsche Marine-Soldaten eines Sicherungsteams der Fregatte "Karlsruhe" in Dschibuti
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Deutsche Marine-Soldaten eines Sicherungsteams der Fregatte "Karlsruhe" in Dschibuti bei einem Einsatz gegen Piraten auf einem Schnellboot. Seit 2012 darf die Bundeswehr Piraten auch an Land verfolgen. Jetzt haben Fraunhofer-Forscher in Bonn eine neue Technik entwickelt, um sich nähernde Piraten auch nachts besser entdecken zu können.

Foto: Gero Breloer/dpa

Vier Kilometer vor Eckernförde rast ein wenige Meter langes Schnellboot durch die Kieler Bucht. Am Ufer steht ein unscheinbares Fahrzeug mit einem ebenso unscheinbaren Anhänger. Darauf befindet sich ein Gerät, das die Route des Bootes auf einen Monitor zaubert. Radarstrahlen sind nicht im Einsatz.

Die Wissenschaftler, die das Gerät bedienen, nutzen die Sendesignale der Mobilfunkstationen an der Küste, um das Geschehen auf dem Wasser in Küstennähe sichtbar zu machen. Es soll künftig eingesetzt werden, um das Meer vor Küsten zu überwachen, denen Angriffe von Terroristen drohen. Selbst kleine Speedboote, wie sie Piraten nutzen, um Sprengstoff an Land zu bringen, lassen sich mit dem System aufspüren.

Sendersignale werden ausgefiltert

Das System haben Forscher am Bonner Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) entwickelt. Es registriert Mobilfunksignale, die wie Radarstrahlen von Objekten jeder Art reflektiert werden. Was zunächst kein großes Kunststück zu sein scheint.

Doch anders als bei einer Radarstation, die Signale in exakt definierte Richtungen ausstrahlt, sodass die Echos leicht zuzuordnen sind, fangen die Antennen der Passive Coherent Location (PCL), wie die Wissenschaftler ihre Entwicklung nennen, eine Vielzahl von Signalen ein. Da sind zunächst die Signale unterschiedlicher Sendemasten, die besonders stark sind. Diese werden aus dem Wust an Signalen durch mathematische Algorithmen herausgefiltert.

Auch in Windparks einsetzbar

Es bleiben allerdings noch genügend andere Signale übrig. Denn Objekte auf dem Wasser reflektieren in den meisten Fällen die Signale mehrerer Mobilfunkstationen an Land. Die PCL-Antenne empfängt also einen chaotischen Echomix, aus dem die Signale herausgerechnet werden müssen, die interessierende Objekte wie Boote von Angreifern verursachen.

„Von Vorteil ist, dass verschiedene Mobilfunkmasten mit unterschiedlichen Frequenzen senden,“ so Projektleiter Reda Zemmari. Das erleichtere die Zuordnung der unterschiedlichen Signale und Echos. „Unser System überprüft dabei permanent, ob es die Signale richtig zuordnet und die Bewegung des Objekts richtig interpretiert“, sagt Zemmari.

PCL funktioniert natürlich nur an Küsten und in Häfen, an denen Mobilfunk-Basisstationen stehen. In Somalia etwa, einer Hochburg von Piraten, die Schiffe entführen, um sie gegen Lösegeld oft in Millionenhöhe wieder freizugeben, sind nur die Hauptstadt Mogadishu und einige andere Städte mit Mobilfunkstationen ausgestattet.

Das System könnte auch in Windparks eingesetzt werden, um anfligende Luftfahrzeuge zu erkennen. Die blinkende Befeuerung, die Kollisionen verhindern soll, könnte dann ausgeschaltet bleiben, so lange kein Flugzeug in der Nähe ist. Es gibt zwar Anlagen, die das schon können. PCL könnte aber als zusätzliche Sicherung eingebaut werden, meint Zemmari.

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Von Wolfgang Kempkens
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