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18.09.2013, 12:48 Uhr | 0 |

Sichere Schienennetze Mobiler Prüfstand für Weichenantriebe

Schienennetz-Betreiber weltweit kennen das Problem: Zur Prüfung müssen sie Weichenantriebe ausbauen und in ein Zentralwerk schicken. Ein neues mobiles Prüfsystem verspricht für die Zukunft erhebliche Zeitersparnis.

Mobiles Prüfsystem für Weichenantriebe
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Mit einem mobilen Prüfsystem können Techniker Weichenantriebe neuerdings direkt vor Ort testen. Die Container-Werkstatt ist modular aufgebaut und eignet sich für unterschiedlichste Schienennetze der ganzen Welt. Nach einem erfolgreichen Pilot-Projekt in Hongkong plant Siemens mittelfristig, den Service weltweit anzubieten. 

Foto: Siemens

Damit der Betrieb des Schienennetzes sicher ist, müssen Netzbetreiber Weichen regelmäßig warten. Und von diesen gibt es in jedem Großbahnhof durchschnittlich 100 Stück. Das Problem: Bislang sind sie meist darauf angewiesen, die Weichenantriebe auszubauen und in ein Zentralwerk mit einem hydraulischen Prüfsystem zu schicken. Und das macht die Wartung zeit- und kostenaufwändig.

Die globale Siemens Forschung Corporate Technology hat deshalb eine Alternative entwickelt: einen mobilen Prüfstand, in dem Techniker Weichen vor Ort kontrollieren und justieren können. Die Feuerprobe bestand die transportierbare Werkstatt bei einem Bahnbetreiber in Hongkong, nun ist sie in Taiwan im Einsatz. Mittelfristig plant Siemens, diesen Service weltweit anzubieten.

Erhebliche Zeitersparnis: Prüfdauer sinkt von 36 auf sieben Monate

Das mobile Prüfsystem, untergebracht in einem Standard-Seecontainer, basiert auf einem Siemens-Linearantrieb, der sich für mechanische und elektrische Kontrollen eignet. Die Prüflasten reichen dabei bis 15 000 Newton, umgerechnet 1,5 Tonnen. Da das System modular aufgebaut ist, können es nahezu alle Netzbetreiber für die unterschiedlichsten Weichenantriebssysteme nutzen. Und dabei viel Zeit sparen: Denn in der Container-Werkstatt lassen sich laut Siemens in einem Zeitraum von sieben Monaten bis zu 250 Weichenantriebe prüfen. Müsste man die Weichen vor der Prüfung ausbauen und verschicken, würde die Prüfdauer ganze 36 Monate betragen.

Siemens betreibt auch die weltweit größte Zulassungsstelle für Züge

Im Jahr 1997 hat Siemens in Wegberg-Wildenrath, nahe der holländischen Grenze, auf einem ehemaligen Militärgelände der Royal Air Force die weltweit größte und modernste Zulassungsstelle für Züge eröffnet. Hier testen Experten U-Bahnen, Lokomotiven sowie Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge: Sie drehen und kippen die tonnenschweren Fahrzeuge auf Plattformen und konfrontieren sie auf Teststrecken mit Stromausfällen und Netzüberlastungen. Schließlich entscheiden sie, ob sie hinsichtlich des Bremsverhaltens, des Neigewinkels, der Sicherheitsanlagen und elektronischen Systeme so ausgereift sind, dass sie auf den Markt dürfen. Bereits die halbe Zugwelt war im Prüf- und Validationcenter Wegberg-Wildenrath zu Gast: Neben Zügen aus Großbritannien, Bulgarien und Spanien erhielten hier auch U-Bahnen für München, Bangkok und Athen ihre Zulassung.

Doch so viele Zugtypen aus verschiedenen Ländern an einem Ort unter Realbedingungen zu testen, ist leichter gesagt als getan. So gibt es allein in Europa 25 unterschiedliche Signalsysteme und eine Vielzahl an Stromspannungen. Für das Prüfcenter sei dies aber kein Problem, erklärt Robert Grootings, Leiter des Testzentrums: „Mit mehreren Transformatoren und Umrichtern können wir Netzspannungen für alle Bahnsysteme dieser Welt generieren. Zusätzlich stehen uns auf den Teststrecken mehrere Signalsysteme Europas zur Verfügung.“

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Von Patrick Schroeder
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