26.12.2014, 22:08 Uhr | 0 |

Zehn Jahre später Frühwarnsystem schützt Bürger Indonesiens vor Tsunamis

Es war ein nasser wuchtiger Keulenschlag an Weihnachten vor zehn Jahren: Ein gewaltiger Tsunami überrollte die Küsten Indonesiens, Thailands und Sri Lankas. 250.000 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben. Heute, zehn Jahre später, steht in Jakarta dank deutscher Ingenieure eines der modernsten Tsunami-Frühwarnsysteme.

Strand in der Nähe der vom Tsunami 2004 zerstörten Stadt Banda Aceh
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Zehn Jahre nach der verheerenden Katastrophe baden Familien an einem beliebten Strand in der Nähe der vom Tsunami 2004 zerstörten Stadt Banda Aceh (Indonesien). Seit März 2011 hat das Frühwarnsystem 1709 Erdbeben registriert. Acht davon führten zu Tsunami-Warnungen.

Foto: Doreen Fiedler/dpa

Es waren wahrlich keine fröhliche Weihnachten: Am zweiten Weihnachtstag vor zehn Jahren ereignete sich vor der Nordwestspitze Sumatras um 07:58 Uhr Ortszeit das zweitstärkste bisher gemessene Erdbeben mit einer Magnitude von 9,3. An diesem Ort schiebt sich die indisch-australische Platte mit sechs bis acht Zentimetern pro Jahr unter die eurasische Platte. Das erzeugt immense Spannungen in der Erdkruste. Es war ein Subduktionsbeben mit einer Bruchkante von etwa 1200 Kilometern Länge mit verheerenden Folgen.

537 Deutsche kamen im Tsunami 2004 ums Leben 

Mehr als 250.000 Menschen verloren dabei ihr Leben, 1,8 Millionen Menschen wurden obdachlos. Indonesien traf es ganz hart: Über 170.000 Tote musste das Land durch das Seebeben beklagen. Ganze Regionen wurden von der Wasserwand vom Erdboden getilgt. Für Deutschland bedeutete dieses Beben mit 537 Toten den höchsten Verlust an Menschenleben nach dem Zweiten Weltkrieg bei einem Einzelereignis. Der Grund für diese beispiellose Zerstörung und die hohen Opferzahlen: Es gab keine organisatorische und strukturelle Möglichkeit der Frühwarnung im gesamten Indischen Ozean.

InsTEWS zählt zu den modernsten Tsunami-Frühwarnsystemen

Nie wieder sollte so etwas geschehen. Deshalb präsentierten Wissenschaftler vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam zwei Wochen danach dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin ein Tsunami-Frühwarnkonzept namens German Indonesian Tsunami Early Warning System (GITEWS).

GITEWS bildet heute die Kernstruktur des indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems InaTEWS, welches weltweit eines der modernsten Tsunami-Frühwarnsysteme ist. Das System ist blitzschnell und das muss es auch sein. Nach einem Beben erreichen die ersten Tsunamiwellen die Küsten Indonesiens nach 20 Minuten.

300 Messstationen im Meer liefern Daten 

Maximal fünf Minuten nach einem Beben warnt InaTEWS auf der Datenbasis von rund 300 Messstationen, die mit Seismometer, GPS-Empfänger und Küstenpegel-Messer ausgestattet sind. In Echtzeit werden diese Daten in den Kontrollraum des Warnzentrums in Jakarta übertragen. Dort übertragen modernste Auswertesysteme die einlaufenden Daten in ein Lagebild. Die realen Messungen werden dabei permanent mit vorberechneten Modellierungsergebnissen abgeglichen. 

So werden Wellenhöhen und Ankunftszeiten dieser Wellen prognostiziert und entsprechende Warnstufen für die betroffenen Küstenabschnitte ausgegeben. Insgesamt sorgen über 70 Menschen im Warnzentrum dafür, dass die Bevölkerung ruhig schlafen kann – an sieben Tagen in der Woche im 24-Stunden-Schichtbetrieb. Es gibt keine nicht überwachte Sekunde mehr in diesem Seegebiet.

Acht Ereignisse führten schon zu Warnungen

Es passiert auch viel: Seit der Übergabe an die indonesische Regierung im März 2011 wurden 1709 Erdbeben mit einer Magnitude von über fünf und 14 Beben mit einer Magnitude von sieben und größer registriert. Acht davon führten zu Tsunami-Warnungen an Entscheidungsträger und Öffentlichkeit.

Inzwischen hat InaTEWS die Rolle eines regionalen Tsunami Service Providers (RTSP) übernommen. Indonesien übernimmt damit die Verantwortung, 28 Staaten rund um den Indischen Ozean vor einem drohenden Tsunami zeitgerecht zu warnen.

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Von Detlef Stoller
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