31.07.2013, 08:49 Uhr | 0 |

Nische gefunden Erst Elektroautos gebaut, dann zum Prüfprofi geworden

Die Brüder Julian und Nils Stentenbach hatten eine Idee, vor allem aber viel Mumm und Risikobereitschaft, als sie vor zwei Jahren ihr Unternehmen "Voltavision" gründeten. Das Bochumer Unternehmen prüft hochtechnologische Systeme der Elektromobilität und der erneuerbaren Energien. Zu ihren Auftraggebern gehören inzwischen nicht allein Mittelständler, sondern auch große Unternehmen.

BOCruiser der Hochschule Bochum in Australien
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Seine ersten Erfahrungen mit der Elektromobilität sammelte Julian Stentenbach an der Hochschule Bochum als Teamleiter bei der Entwicklung des BOCruisers. Das Auto nahm 2009 an der Weltmeisterschaft der solargetriebenen Rennwagen, der Global Green Challenge, in Australien teil und wurde in Adelaide für das beste Design aller Fahrzeuge mit dem Design Award ausgezeichnet.

Foto: Hochschule Bochum

Sie sind jung, dynamisch und engagiert: Die Brüder Julian (28) und Nils Stentenbach (30) haben nach ihrem Mechatronik-Studium an der Hochschule Bochum und einem kurzen Zwischenstopp in verschiedenen Industrieunternehmen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und 2011 ihr Unternehmen "Voltavision" im Bochumer Technologiequartier gegründet.

"Als hochmodernes Entwicklungs- und Testzentrum betreiben wir Prüfstände für Leistungselektronik und Energiespeicher für verschiedenste Anwendungen", erklärt Julian Stentenbach. "Wir unterstützen damit unsere Kunden bei der Prüfung und Absicherung ihrer Produkte", fügt Nils Stentenbach hinzu. Hierbei geht es insbesondere um die Funktionsabsicherung von Hochvoltbatterien für Elektrofahrzeuge – damit es später in der Anwendung keine Pannen gibt.

Innerhalb der vergangenen zwei Jahre haben die jungen Geschäftsführer eine Menge auf die Beine gestellt, Labore eingerichtet, Prüfstände und Kundenkontakte aufgebaut und gepflegt. Mittlerweile hat ihr Unternehmen acht Mitarbeiter und es sollen auch noch mehr werden, denn der Bedarf ist da.

Erste Erfahrungen beim preisgekrönten BOCruiser-Projekt der Hochschule Bochum

Während Nils Stentenbach 2009 sein Mechatronikstudium abschloss und in verschiedenen Forschungsprojekten an der Hochschule sowie bei einem großen Automobilhersteller tätig war, machte sein Bruder Julian ein Jahr später seinen Abschluss. "In dieser Zeit haben wir schon gemerkt, dass unser Fachwissen sehr gefragt ist. Hier ging es speziell um die Entwicklung und Prüfung von Batterien für den elektrischen Antriebsstrang", erinnert sich Nils Stentenbach.

"Es gibt kaum Firmen, die sich auf die Prüfung komplexer Hochvoltkomponenten spezialisiert haben. Mit dem Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien steigt der Bedarf an elektrischen Energiespeichern und -wandlern stark an und damit auch der Entwicklungs- und Prüfaufwand. So sind wir dann auf die Idee gekommen, uns mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen." Dabei konnten sie von ihrem Engagement während der Studienzeit profitieren: "Schon während meiner Arbeit an dem Solarcarprojekt der Hochschule Bochum habe ich mich intensiv mit den Batterien und deren Anforderungen und Leistungen beschäftigt", sagt Nils.

So hat er umfangreiche Benchmarks und Messungen für die Parametrisierung des Batteriesteuergerätes an verschiedenen Zellen durchgeführt. Mit den selbst entwickelten Batterien konnten auf einem Prüfstand ganze Streckenteile des Solarrennens nachgefahren werden. "Wir wollten herausfinden, wie sich später diese Batterien unter Dauerbelastung im Solarauto verhalten werden und welche Reichweiten unter realen Bedingungen erreicht werden können. Das ist heute unsere tägliche Arbeit", erklärt Nils Stentenbach.

"Voltavision" bietet Lebensdauer- und Performanceprüfungen für einzelne Zellen und große Batteriesysteme an. "Unsere Tests und Prüfungen sollen helfen, rechtzeitig Fehler zu entdecken, um ein frühzeitiges Systemversagen in der Applikation zu vermeiden", erläutert Nils Stentenbach, "wir unterstützen unsere Kunden bei der Umsetzung ihrer Anforderungen, entwickeln gemeinsam Strategien für das Prüfen von einzelnen Zellen bis zu komplexen Hochvolt-Systemen."

Bei Voltavision herrschen unter den jungen Geschäftsführern reibungslose Aufgabenverteilung: Während sich Nils Stentenbach um die Technik kümmert – hier insbesondere um die Prüfung der Batterien, um Kundenkontakte und um die Akquise –, ist sein Bruder Julian für die Finanzen und die Auftragsabwicklung zuständig. Zu ihren Auftraggebern gehören nicht nur große Unternehmen, sondern auch kleine und mittelständische Firmen, die diese Aufgaben nicht in den eigenen Räumen durchführen können.

Wir haben uns bewusst eine Nische der Elektromobilität gesucht

"Wir haben uns bewusst eine Nische zwischen der klassischen Umweltsimulation, den Sicherheits- und Abuse-Tests gesucht, um uns damit auf Lebensdauer- und Performanceprüfungen zu spezialisieren. Dafür stehen perfekt ausgestattete Prüfstände zur Verfügung", freut sich Nils Stentenbach über die positive Entwicklung. Doch das ist noch nicht alles: Um die Kunden umfassend bedienen zu können, arbeitet "Voltavision" mit ausgesuchten Partnern zusammen dazu gehört auch das Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum.

So werden in Kooperation Messungen von mechanischen Schwingungen bei gleichzeitiger elektrischer und klimatischer Belastung durchgeführt, um das Systemverhalten möglichst realistisch nachzubilden. Im wissenschaftlichen Bereich unterstützen die Stentenbachs Forschungsprojekte Master- und Bachelorarbeiten werden ebenfalls von ihnen mitbetreut.

Ein Ziel von "Voltavision" ist es, die Entwicklung sowie die schnelle Marktreife von Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu unterstützen. "Diese Technologie ist noch recht jung, deshalb herrscht auf dem Markt noch Unsicherheit. Das wird sich aber in nächster Zeit ändern", prognostiziert Nils Stentenbach, "denn in einigen Jahren kann sich sicherlich auf diesem Sektor durch Normung und Standarisierung vieles vereinfachen und reduzieren."

Obwohl der Anteil an Hybrid- und Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen noch gering ist, ist die Nachfrage für diese Prüfdienstleistungen schon jetzt sehr hoch. Denn der Energieträger der Zukunft, so Nils Stentenbach überzeugend, sei elektrisch.

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Von Sabine Neumann | Präsentiert von VDI Logo
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