08.06.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Analyseverfahren VirScan Ein einziger Blutstropfen erzählt Infektionsgeschichte eines Menschen

Bisher muss jeder Virus einzeln nachgewiesen werden. US-Forscher haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der sich Hunderte Viren gleichzeitig erkennen lassen. Das kann helfen, Krankheitsverläufe auf Grund der Vorgeschichte eines Patienten besser zu therapieren.

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Mit dem neuen Analyseverfahren VirScan lassen sich anhand eines Blutstropfens Hunderte von Viren nachweisen. 

Foto: Tim Brakemeier/dpa

Ein einziger Blutstropfen reicht, um die virale Vergangenheit eines Patienten kennenzulernen. Mit VirScan, einem Analyseverfahren, das Forscher um Stephen Elledge von der Harvard Medical School in Boston entwickelt haben, lässt sich die Infektionsgeschichte eines Menschen rekonstruieren, so weit Viren die Angreifer waren. Dabei muss der Untersuchte keineswegs erkrankt gewesen sein. Oft entwickelt der Körper genügend Antikörper, sodass der Angriff abgewehrt werden konnte.

Was zunächst eher akademisch klingt hat möglicherweise einen praktischen Nutzen. Frühere Erkrankungen oder Virenattacken können einen Einfluss auf den Verlauf von späteren Infektionen haben und diese positiv oder negativ beeinflussen. Solche Spätfolgen sind bereits für Humane Papillomviren, die meist gutartige Hauterkrankungen auslösen, und Gebärmutterhalskrebs sowie Epstein-Barr-Viren und sehr seltenen Tumoren in Lymphknoten bekannt.

Datenbank mit 1000 Viren

Bisher ist es nicht möglich, mehrere Viren in einem Schritt nachzuweisen. Zudem muss ein konkreter Verdacht bestehen, um einen bestimmten Virus nachzuweisen, und zwar einen einzigen. Denn der löst eine Reaktion des Körpers aus, die sich bestimmen lässt.

Die US-Forscher haben eine Bibliothek von Peptiden angelegt, das sind kleine Proteinstücke bekannter Viren. Die Datenbank umfasst 206 Peptide, die rund 1000 bekannte Viren repräsentieren. Mit ihrer Hilfe weisen die US-Forscher Antikörper nach, die nach einem Befall mit Viren von der körpereigenen Abwehr gebildet worden sind. Die Bildung von Antikörpern, die Angreifer ausschalten, ist eine der wichtigsten Waffen des menschlichen Körpers gegen den Befall mit krankmachenden Viren.

569 Menschen auf Viren getestet

„Der Test kann hilfreich sein für die epidemiologische Forschung, wenn man herausfinden möchte, welche Viren in einer Bevölkerung verbreitet sind“, sagt Hartmut Hengel, Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie von der Universität Freiburg. Für die klinische Diagnostik, also das Erkennen von akuten Erkrankungen, sei die Methode allerdings ungeeignet.

Die US-Forscher haben Blutproben von 569 Menschen aus den USA, aus Südafrika, Thailand und Peru untersucht. Im Schnitt fanden sie Spuren von zehn unterschiedlichen Viren. Ein Proband kam auf die Rekordzahl von 84. Bei Kindern fanden sie im Durchschnitt weniger Antikörper, weil diese auf Grund ihres kürzeren Lebens weniger Angriffen ausgesetzt sind.

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Von Wolfgang Kempkens
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