16.03.2015, 08:51 Uhr | 0 |

Tests bei BMW 3D-Computersystem lässt Lackfehlern keine Chance

Der Autohersteller BMW testet derzeit ein 3D-Computersystem des Fraunhofer-Instituts: Berührt der Prüfer einen Lackfehler, erscheint er direkt in einem digitalen 3D-Abbild. Das System arbeitet mit kostengünstigen Kinect-Sensoren aus der Spielekonsole Xbox One. 

Testaufbau im Fraunhofer IOSB in Karlsruhe
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Testaufbau im Fraunhofer IOSB in Karlsruhe: Der Prüfer berührt einen Lackfehler, das System überträgt die Geste mit einem Kinect-Sensor auf ein digitales Abbild. Per Hand muss der Prüfer die Fehler nicht mehr dokumentieren. 

Foto: Fraunhofer IOSB

Auf reflektierenden Auto-Karosserieteilen lassen sich kleine Lackfehler oft schwer erkennen. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe hat deswegen ein gestenbasiertes Computersystem entwickelt, das die Qualitätsprüfung vereinfachen soll.

Eine Sensorbox erzeugt auf einem großen Display ein exaktes digitales Abbild des Bauteils in 3D. Die Forscher nutzen dafür handelsübliche Kinect-Sensoren von Microsoft, die auch Teil der Spielekonsole Xbox One sind. Das System kann somit relativ kostengünstig und einfach nahezu unbegrenzt erweitert werden.

Prüfer muss Lackfehler zur Dokumentation lediglich berühren 

Tippt der Prüfer nun auf die fehlerhafte Stelle auf dem realen Bauteil, speichert der Computer die Angabe im digitalen Pendant. Um schnell unterschiedliche Fehlerarten dokumentieren zu können, lassen sich verschiedene Handgesten festgelegen. Ist der lackierte Gegenstand – zum Beispiel eine Motorhaube – frei von Fehlern, wird das Bauteil beispielsweise mit einer Wischgeste von rechts nach links direkt zur Weiterverarbeitung freigegeben.

Erfolgreiche Tests bei BMW

Das sogenannte deflektometrische Prüfverfahren kann aber noch mehr als die vom menschlichen Mitarbeiter erkannten Fehler in ein Computersystem eintragen. Es hilft dem Prüfer auch dabei, selbst äußerst unscheinbare Mängel ausfindig zu machen. Dafür wird das Spiegelbild des untersuchten Gegenstands aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mithilfe mehrerer Kameras digital analysiert.

Auf einem Bildschirm wird die Oberflächenbeschaffenheit des Prüfgegenstands schließlich in einer grafischen Darstellung angezeigt, welche Fehlerdiagnosen im Mikro-Bereich ermöglicht. So können letztendlich auch Haarrisse oder die Qualität des verwendeten Lackes genau beurteilt werden.

In einem ersten Testeinsatz bei BMW zeigten sich die Mitarbeiter mit den Ergebnissen zufrieden. Im April präsentiert das IOSB das System auch im Live-Betrieb auf der Hannover Messe. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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