21.03.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Gesundheitscheck ohne Arzt Vorbild Star Trek: Medizinische Diagnose per Tricorder

Mit dem neuen Messgerät Vitaliti soll die Analyse des Gesundheitszustandes auch für Laien denkbar einfach werden. Vitaliti überwacht die wichtigsten Körperfunktionen und kann bis zu 15 unterschiedliche Krankheiten erkennen. Der Tricorder von Star-Trek-Doc „Pille“ war Vorbild.

Vitaliti
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Vitaliti: Hauptbestandteil des Systems ist eine Art Kragen, der vorne und hinten mit Sensoren bestückt ist. Zusätzlich können noch ein Ohrstöpsel und ein Armband getragen werden, die ebenfalls über Sensoren verfügen.

Foto: Cloud DX

Dr. Leonard Horatio McCoy hieß der leitende Schiffsarzt, der im Jahr 2266 seinen Dienst im Rang eines Lieutenant Commander auf der Enterprise antrat. Deutschen Star-Trek-Zuschauern ist er bestens als „Pille“ bekannt und auch sein Diagnose-Gerät „Tricorder“ ist Vielen ein Begriff. Der Tricorder, der in seinen Anfängen einem handelsüblichen Kassettenrekorder täuschend ähnlich sah, wird nun gewissermaßen aus der Zukunft heraus in unsere Gegenwart geholt und gebaut.

Preisgeld für neuen Tricorder beträgt sieben Millionen Dollar

Das kanadische Unternehmen Cloud DX aus Toronto hat jüngst den Prototyp für einen Tricorder vorgestellt und gehört damit zu den zehn Finalisten im Wettbewerb um den „Qualcomm Tricorder X-Prize“. Vor gut drei Jahren war dieser Wettbewerb von der 2010 gegründeten Qualcomm Foundation ausgeschrieben worden. Um sieben Millionen US-Dollar Preisgeld geht es für denjenigen, der ein benutzerfreundliches, präzises medizinisches Diagnosegerät entwickelt, das einiges können und absolut zuverlässig arbeiten muss.

Das mobile Gerät Vitaliti von Cloud DX, das dem Tricorder von Pille äußerlich überhaupt nicht ähnlich sieht, besteht aus mehreren Komponenten. Hauptbestandteil ist eine Art Kragen, den man sich auf die Schultern legt und dessen Sensoren locker auf dem Brustkorb aufliegen. Weitere Sensoren gibt es im Nackenbereich, sowie in einem Ohrstöpsel und einem Armband, die zusätzlich getragen werden können. Wettbewerbsvorgabe war, dass das Gesundheitsgerät nicht mehr als 1800 Gramm wiegen darf und in der Lage sein muss, die menschlichen Vitalparameter in einer Daueraufzeichnung 72 Stunden lang überwachen zu können.

Vitaliti verarbeitet Gesundheitsdaten in der Cloud

Das und noch einiges mehr kann Vitaliti von Cloud DX. Das Gerät misst nicht nur den aktiven und den Ruhe-Puls, den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung im Blut, es schreibt auch ein EKG, überwacht die Atmung und zeichnet die Körperkerntemperatur auf. Auch die Körperhaltung, die Anzahl der Schritte und die verbrauchten Kalorien gehören zur gesundheitlichen Überwachung. Die über den Tag gesammelten Daten werden über eine App mit dem Smartphone oder dem Tablet verbunden und in einer Cloud gesammelt.

Das ist aber noch nicht alles, denn Vitaliti kann auch eventuell vorliegende Krankheiten diagnostizieren. So können etwa Ohrinfektionen, Erkrankungen der Atemwege, eine Anämie oder eine Schlaganfall-Gefahr erkannt werden. Außerdem gibt es  eine eigene Diagnose-Kassette, die in der Lage sein wird, einen Tropfen Blut auf sieben verschiedene Werte hin zu überprüfen und ebenfalls eine Urinprobe zu testen. Die Ergebnisse werden dann in der Cloud verarbeitet und liefern medizinische Diagnosen, wie Tuberkulose, Blutarmut oder Harnwegsinfektion.

Praxistest mit Patienten startet im Juni

Für die Zukunft kann Robert Kaul, der Chef von Cloud DX, sich ein Gesundheitssystem vorstellen, in dem das Vitaliti-System mit der Arztpraxis zusammenarbeitet. Dann könnte etwa eine Harnwegsinfektion zu Hause vom Patienten getestet und die Ergebnisse an die Praxis geschickt werden. Der Arzt schickt bei bestätigter Diagnose das Rezept auf elektronischem Weg zurück.

Videoquelle: Cloud DX

Nun folgt für Vitaliti und die anderen Finalisten im Wettbewerb zunächst eine rigorose Testphase. Die findet in der University of California in San Diego ab Juni dieses Jahres statt. In 480 Testeinheiten müssen die neuen Tricorder ihr Können an Hunderten von Patienten beweisen und korrekte Diagnosen stellen. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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