06.02.2014, 14:08 Uhr | 0 |

Bei Nierenerkrankungen Ultraschallgerät soll Kinder von schmerzhaften Biopsien erlösen

Es soll vor allem kranke Kinder von schmerzhaften Biopsien oder anstrengenden Computertomographien befreien: ein neues Ultraschallgerät, das Ärzte gerade an der Heidelberger Universitätsklinik testen. Es misst, mit welcher Geschwindigkeit sich Schwingungen im Gewebe ausbreiten und lässt Rückschlüsse auf dessen Gesundheitszustand zu. 

Das Ultraschallgerät Helx Evolution von Siemens
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Tumoren und Bindegewebewucherungen lassen sich mit dem neuen Ultraschallgerät von Siemens frühzeitig erkennen. Krankes Gewebe verfügt über eine veränderte Elastizität und reagiert anders auf Schwingungen des Geräts. Die Untersuchungsdauer beträgt lediglich zehn Minuten. 

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Das Gerät Helx Evolution liefert zum einen genauere Bilder als herkömmliche Geräte. Gleichzeitig gibt es den Ärzten auch Informationen über Veränderungen des Gewebes beispielsweise von Leber und Nieren. In einem speziellen Verfahren misst das Gerät, mit welcher Geschwindigkeit sich Schwingungen im Gewebe ausbreiten. Da gesundes Gewebe elastischer ist als krankes, bieten die Messwerte einen Hinweis darauf, ob ein Tumor oder beispielsweise eine Bindegewebewucherung vorliegt. 

Die Messungen mit Helx könnten dazu beitragen, auf Gewebeentnahmen und Operationen zu verzichten. In einem Forschungsprojekt wird nun überprüft, ob dieses Verfahren in Zukunft chronisch nierenkranken Kindern schmerzhafte Biopsien ersparen könnte. In Heidelberg gibt es derzeit zwei dieser Geräte: eins im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. Ein weiteres Exemplar wird in der chirurgischen Klinik eingesetzt und soll die Diagnostik vor und nach Bauchoperationen maßgeblich verbessern.

Computertomographie führt zu hoher Strahlenbelastung

„Die hohe Auflösung des neuen Geräts erleichtert die Diagnostik deutlich und kann eventuell in Zukunft einige stärker belastende Untersuchungen wie Computer- oder Magnetresonanztomographie ersetzen“, erklärt Jens-Peter Schenk, Chefarzt der Sektion Kinderradiologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg. Vor allem die hochauflösende Computertomographie setzen die Ärzte wegen der hohen Strahlenbelastung bei Kindern so selten wie möglich ein. Für die kleinen Patienten ist darüber hinaus aber auch die Dauer der Untersuchung ein Problem: Kernspin-Untersuchungen dauern mindestens 30 Minuten. Um sie erfolgreich durchzuführen, müssen den Kindern dazu häufig Beruhigungsmittel gegeben werden, gelegentlich müssen sie sogar betäubt werden. Eine Ultraschall-Untersuchung dagegen dauert nur zehn Minuten.

Lieferant für Zusatzinformationen 

Für die Planung der Langzeittherapie muss besonders bei Nierenerkrankungen der Zustand der Nieren regelmäßig kontrolliert werden. Üblich war dafür bislang die Biopsie, bei der Gewebe mit einer Nadel entnommen wird. Schenk und sein Team prüfen jetzt bei Kindern mit Nierenerkrankungen, ob die neue Technik von Helix zusammen mit der üblichen Ultraschalldiagnostik und Laborwerten Zusatzinformationen liefert und tatsächlich auf aufwendige weitere Diagnostik verzichtet werden kann. „Wenn wir dank dieser Diagnosetechnik auf einige Biopsien verzichten könnten, wäre das ein Gewinn für die Kinder“, so der Kinderradiologe. Das gilt auch für die Nachsorge nach einer Transplantation: Hier könnte die neue Diagnosemethode schnell und unkompliziert Auskunft darüber geben, ob chronische Umbauprozesse in Gang sind. 

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Von Andrea Ziech
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