20.01.2014, 13:41 Uhr | 0 |

Google-Erfindung für Diabetiker Smarte Kontaktlinsen messen Blutzuckerspiegel in der Tränenflüssigkeit

Googles Forschungslabor arbeitet derzeit an smarten Kontaktlinsen, die den Blutzuckerspiegel von Diabetikern automatisch messen können und den Träger bei Schwankungen rechtzeitig warnen. Noch befindet sich die digitale Linse in einem frühen Entwicklungsstadium. Doch Google sucht bereits Partner, um die Kontaktlinsen marktfähig zu machen. 

Googles smarte Kontaktlinse
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Die elektronische Kontaktlinse von Google soll Blutzucker-Werte von Diabetikern messen und die Träger bei Schwankungen warnen. 

Foto: Google/Otis, Parviz

Mit den digitalen Kontaktlinsen müssten Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel dann nicht mehr mit dem herkömmlichen Piksen in den Finger kontrollieren. Statt übers Blut messen die Kontaktlinsen den Glukosewert anhand der Tränenflüssigkeit. „Wir erproben winzige LEDs, die bei Überschreiten oder Unterschreiten bestimmter Werte warnen”, schreiben die Miterfinder Brian Otis und Babak Parviz. „Eines Tages könnte es den Menschen so leichter fallen, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.” In seinem offiziellen Blog gab Google am Donnstag bekannt, dass der Prototyp der Kontaktlinsen bereits getestet wird.

Sekündliche Messung des Blutzuckerspiegels

Die intelligenten Kontaktlinsen haben eine spezielle Technik eingebaut bekommen: Zwischen zwei herkömmliche weiche Kontaktlinsen wurden ein Sensor und ein Funkchip in der Größe von Mini-Glitzer-Partikeln gelegt. Die Funk-Antenne ist dabei noch dünner als ein Menschenhaar. So ausgestattet kann die Kontaktlinse den Glukosewert in der Tränenflüssigkeit sekündlich messen. Die Messdaten werden an eine Smartphone-App weitergeleitet und dort ausgewertet. Bei schlechten Werten soll der Linsenträger sogar gewarnt werden können. Dafür sollen Mikro-LEDs direkt in die Linse eingearbeitet werden.

Mediziner wissen schon seit längerer Zeit, dass sich der Blutzuckerspiegel auch in der Tränenflüssigkeit messen lässt. Wissenschaftler der University of Michigan konnten schon im September 2011 eine entsprechende Messmethode entwickeln, die einen nadelförmigen Chip für das Auge vorsieht. Erste Tests an Hasen haben die Zuverlässigkeit Methode bestätigt.

Erst Google-Glass, jetzt Google-Lens

Die smarten Kontaktlinsen erinnern wegen ihrer Funktionen an die Google-Glasses. Das kommt nicht von ungefähr: Die Forscher Babak Parviz und Brian Otis, ehemalige Mitarbeiter der University of Washington in Seattle, waren auch schon an der Google-Glass-Erfindung beteiligt. Heute sind sie bei Google angestellt und haben an der Entwicklung der Google-Kontaktlinsen mitgewirkt.

So ganz neu ist die Idee der smarten Linsen von Google nicht. Schon 2009 kamen erste Ideen auf, Glukosewerte in Tränenflüssigkeiten zu messen. Parviz zeigte damals, wie Kontaktlinsen mit LEDSs versehen werden können. Microsoft arbeitete im Jahr 2011 gemeinsam mit Forschern der University of Michigan und dem deutschen Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme an einem Projekt dieser Art. Minisensor und Funkchip sollten damals schon die Messung der der Glukosewerte in Tränenflüssigkeiten übernehmen.

Sechs Millionen Diabetiker in Deutschland

Auf jeden Fall ist die Deutsche Diabetes Gesellschaft begeistert von der Idee Googles. „Es ist eine sehr interessante Idee. Google mit seinem technologischen Know-how ist sehr willkommen als ein Unternehmen, das die Entwicklung in diesem Bereich vorantreiben kann", begrüßt Lutz Heinemann als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie den Plan Googles. Er ist bereit, Google in seiner Arbeit zu unterstützen. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa sechs Millionen Menschen mit Diabetes.

Erste klinische Studien mit den smarten Kontaktlinsen wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Nun ist Google auf der Suche nach geeigneten Partnern, um die Kontaktlinsen auf den Markt zu bringen. Dafür müssten auch entsprechende Apps entwickelt werden. Weiterhin muss noch die Frage geklärt werden, ob auch akute Unterzuckerungen über die Tränenflüssigkeit gemessen werden können. 

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Von Petra Funk
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