27.07.2015, 09:28 Uhr | 0 |

Früherkennung von Krebs Schluckbarer Zellschwamm ersetzt schmerzhafte Biopsie

Britische Mediziner haben eine effiziente Möglichkeit zur Früherkennung von Speiseröhrenkrebs entwickelt: einen schluckbaren Cyto-Schwamm, der sich durch die Speiseröhre ziehen lässt. Er sammelt verdächtige Zellen ein und liefert ein genaueres Ergebnis als eine herkömmliche, oft schmerzhafte Biopsie.

Cyto-Schwamm der Forscher der Cambridge University
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Cyto-Schwamm der Forscher der Cambridge University: Er ist in einer Kapsel zusammengpresst, die sich im Magen entfaltet. Mit einer Schnur zieht der Arzt den Schwamm durch die Speiseröhre.

Foto: Cambridge University

Professorin Rebecca Fitzgerald widmet sich an der britischen University of Cambridge der Erforschung des Speiseröhrenkrebses. Gemeinsam mit ihrem Team hat die Onkologin eine neue Möglichkeit gefunden, wie die schwer zu behandelnde Krankheit in einem sehr frühen Stadium besser entdeckt werden kann: Statt einer aufwendigen Biopsie, bei der Zellen nur lokal erfasst werden können und die deshalb ungenau ist, sammelt ein sogenannter Cyto-Schwamm Zellen von der Oberfläche der gesamten Speiseröhre.

Zellschwamm sammelt Zellen auf seinem Weg durch die Speiseröhre

Der Cyto-Schwamm sieht aus wie eine kleine Vitaminpille, an der ein langer Faden befestigt ist. Für die Untersuchung schluckt der Patient die Pille hinunter und wartet ungefähr fünf Minuten. Während dieser Zeit hat sich die Schutzhülle aufgelöst und die Pille ist zu einem schwammartigen Gebilde expandiert. Mit Hilfe des Fadens kann der Cyto-Schwamm nun durch die Speiseröhre nach oben gezogen werden. Dabei sammelt er an der Oberfläche der Speiseröhre rund eine halbe Million Zellen ein, die anschließend im Labor untersucht werden.

Beim Einsatz des Cyto-Schwamms richten Fitzgerald und ihr Team ihr Augenmerk besonders auf den sogenannten Barrett-Ösophagus. Die Krankheit, bei der sich die Speiseröhrenzellen durch zurücklaufenden Mageninhalt verändern, gilt als mögliche Vorstufe zum Speiseröhrenkrebs. Um ihn frühzeitig erkennen zu können, werden bei Patienten mit Barrett-Ösophagus regelmäßig Biopsien durchgeführt und es wird nach verdächtig veränderten Zellen gesucht.

Die aufwendigen und für den Patienten unangenehmen Biopsien können aber nie Zellveränderungen in der gesamten Speiseröhre erfassen, sondern sind immer lokal beschränkt. Es hängt also auch vom Zufall ab, ob der Arzt eine Stelle mit Krebszellen trifft oder nicht.

Genau studiert, wie sich aus einem Vorstadium der Krebs entwickelt

Bei 23 Patienten, die sowohl vom Barrett-Ösophagus als auch von Speiseröhrenkrebs betroffen waren, hat Fitzgerald mit dem Cyto-Schwamm Zellen gesammelt und dabei die Übergänge zwischen mutierten Zellen und Krebszellen genau studiert.

„Wir wissen sehr wenig darüber, wie sich der Krebs aus einem Vorstadium entwickelt und das gilt besonders für den Speiseröhrenkrebs“, sagt Fitzgeralds Kollegin Caryn Ross-Innes. „Barrett-Ösophagus und Krebs haben zum Teil dieselben Mutationen und wir können nun besser verstehen, an welchem Punkt die Krankheit zu Krebs wird und welche Veränderungen dafür verantwortlich sind.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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