15.07.2014, 09:40 Uhr | 0 |

Individuelle Therapie Neue Software reduziert die Fehlerquellen bei der Krebsdiagnose

Tumorzellen lassen sich auf Grund ihrer Form und typischer Proteine, die sich darauf bilden, eindeutig identifizieren. Jetzt haben Wiener Forscher eine Software entwickelt, die Krebszellen zweifelsfrei bestimmen kann. Damit können Mediziner gezielter Medikamente geben und Therapien auswählen.

Prostatazellen
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Schnitt durch eine Prostata: Die neue Software aus Wien kann über die Färbung der Zellen eine Krebserkrankung identifizieren.

Foto: Vetmed Uni Wien/Lukas Kenner

Zwei Pathologen sind sich in nur einem von drei Fällen einig, wenn es um die Diagnose von Tumorerkrankungen geht. Diese findet unter dem Mikroskop statt. Dort werden so genannte Gewebeschnitte analysiert, die aus potenziell erkrankten Organen gewonnen werden, etwa der Prostata. Österreichische Forscher haben nun eine Software entwickelt, die Tumorerkrankungen zweifelsfrei feststellt. Zellstrukturen und Eiweiße (Proteine), die sich auf befallenen Zellen bilden, liefern die Beweise. Die kombinierten Informationen sorgen für eine präzise Diagnose der Erkrankung.

Software hilft bei der Wahl der besten Therapie

Darauf aufbauend können die behandelnden Ärzte die bestmögliche Therapie einsetzen, denn Tumor ist noch lange nicht gleich Tumor. Je nachdem, welche Proteine nachgewiesen werden, müssen unterschiedliche Medikamente eingesetzt werden.

„Jeder Patient und jede Patientin soll die passendste Therapie erhalten. Nur das ist ethisch vertretbar und wirtschaftlich sinnvoll“, sagt der Pathologe Lukas Kenner, der die Forschergruppe der Vetmeduni Vienna, der MedUni Wien und des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung in Wien leitet. Außerdem war das Wiener Medizintechnikunternehmen TissueGnostics an den Arbeiten beteiligt. TissueGnostics hat sich auf die Entwicklung von Geräten zur Diagnose von Gewebeerkrankungen spezialisiert. Es kombiniert hochwertige Mikroskope von Zeiss, Leica und Nikon mit Hochleistungscomputern und hoch auflösenden Monitoren.

Software als Schiedsrichter für Pathologen

„Die neue Software wird auch dazu beitragen, besser abwägen zu können, wo eine teure Therapie gerechtfertigt ist, aber auch, in welchem Fall eine solche nicht nötig ist und dem Betroffenen erspart bleiben kann“, so Kenner. Das Forscherteam analysierte 30 Leberzellkarzinome und ordnete diese mit Hilfe der Software eindeutig in Kategorien zwischen „negativ“ und „hochgradig positiv“ ein. Dazu analysierten sie Proteine wie Stat5 und JunB, die bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle spielen.

Die neu entwickelte Software biete erstmals die Möglichkeit, die sogenannte „inter-observer-variabilität“, also die Unterschiede im Urteil der diagnostizierenden Pathologen, auszuschalten, erläutert Kenner. Sie fungiert also als eine Art Schiedsrichter. Und das ist gut, um die richtigen Medikamente und die richtige Therapie zu verabreichen und Krebspatienten so wenig leiden zu lassen wie möglich.

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Von Wolfgang Kempkens
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