16.12.2013, 13:16 Uhr | 0 |

Stimulation fürs Gehirn Laserstrahl für Patienten im Wachkoma

Patienten im Wachkoma können fast nur noch reflexhaft auf ihre Umwelt reagieren. Nun zeigt eine Studie, dass die Stimulierung des Gehirns mit einem Nah-Infrarot-Laser zur Förderung des Bewusstseins beiträgt. Eine Heilung des Zustandes ist aber dadurch nicht möglich.

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Mit Laserstrahlen wollen Berliner Mediziner den Bewusstseinszustand von Patienten im Wachkoma verbessern. 

Foto: Screenshot ingenieur.de

Mit Laserstrahlen wollen Berliner Mediziner den Bewusstseinszustand von Patienten im Wachkoma verbessern. Im Medical Park in Berlin, einem Zentrum für Rehabilitation und Prävention, hat ein Ärzteteam um Professor Stefan Hesse, dem Leiter der Neurologischen Abteilung, dazu eine Studie durchgeführt. Sie wurde jetzt auf der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation vorgestellt. Die Laserbehandlung sei ein Hoffnungsschimmer und könne den Zustand des Patienten verbessern, sagte Hesse. Heilen könne sie aber nicht, betonte der Mediziner.

Laserstrahl regt die Energieproduktion der Nervenzellen im Stirnhirn an

Schwerste Schädigungen des Gehirns, etwa durch Sauerstoff-Mangel oder Schädel-Hirn-Trauma, können dazu führen, dass das Bewusstsein des Menschen gänzlich oder nahezu verschwindet. In diesem Wachkoma-Zustand ist der Patient auf die grundlegenden Lebensfunktionen wie Atmung  und Verdauung reduziert. Durch die intakten Hirnstamm-Reflexe haben die Patienten die Augen geöffnet und einen Schlaf- und Wachrhythmus. In den Wachphasen können manche außerdem einfachen Anweisungen folgen und zum Beispiel die Hand oder die Augen bewegen. Zwar können sich die Gehirnfunktionen bei Wachkomapatienten allmählich regenerieren und das Bewusstsein kann eventuell wiederhergestellt werden. Aber bei der überwiegenden Mehrheit gibt es wenig Aussicht auf Erfolg, insbesondere wenn der vegetative Zustand länger als ein Jahr dauert.

In den letzten zehn Jahren haben Studien bereits darauf hingewiesen, dass es bei manchen Wachkomapatienten durchaus Stadien von Bewusstsein geben kann. Nun bringt die aktuelle Untersuchung, die Professor Hesse sowohl in der Klinik als auch auf der Wachkomastation des Haus Havelblick Berlin durchführte, neue Hoffnung. Sie zeigt, dass die Behandlung der Patienten mit einer sogenannten transkraniellen Nah-Infrarotlaserstimulation zur Förderung des Bewusstseins beiträgt. Das gebündelte Licht dringt dabei durch die Hirnschale und dringt etwa zwei bis drei Zentimeter tief in das Hirngewebe ein. Dort regt es die Energieproduktion der Nervenzellen im Stirnhirn an, dass für die Bewusstseinsbildung wichtig ist.

Wachheit und Bewusstsein der Patienten veränderte sich nach der Lasertherapie

Über vier bis sechs Wochen lang wurde die Stirn der chronischen Wachkomapatienten von außen jeden Werktag für zehn Minuten stimuliert. Die Wachheit und das Bewusstsein wurden regelmäßig überprüft und die Mediziner baten auch die Angehörigen um ihre Einschätzung. Sowohl die Angehörigen als auch die eingesetzten Skalen zeigten bei fast allen Patienten, dass sie am Tage länger wach waren und dass sich ihr Bewusstsein dahingehend verbesserte, dass sie mit den Augen sicherer Kontakt aufnahmen, einem vor den Augen bewegten Spiegel mit ihren Augen folgen konnten, oder auf einfache Aufforderungen wie „Schließen Sie bitte die Augen!“ adäquat reagierten. Für die Angehörigen war die größere emotionale Reaktion zwar wichtig, an der maximalen Pflegebedürftigkeit der Patienten änderte sich jedoch nichts.

Die Idee der transkraniellen Lasertherapie will Stefan Hesse weiterverfolgen. In einer Folgestudie soll zunächst überprüft werden, ob der Therapieeffekt tatsächlich existiert. Weder die Angehörigen noch die Ärzte werden dann vorher wissen, ob der Laser tatsächlich angestellt wurde oder ob die Behandlung nur scheinbar erfolgte. Irgendwann, so hofft Professor Hesse, könne das Verfahren vielleicht auch für die Früh-Reha eingesetzt werden. Je früher das Gehirn der Komapatienten stimuliert wird, desto höher sind die Aussichten auf eine Genesung.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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