15.01.2014, 14:00 Uhr | 0 |

UV-Licht härtet Material aus Klebstoff schließt Löcher in Kinderherzen

Die Natur war Vorbild bei der Entwicklung eines Materials, das Nähte bei Operationen überflüssig macht. In zwei bis drei Jahren soll es einsatzbereit sein.

Operationen: Kleben statt nähen
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Ein internationales Forscherteam hat einen Kleber entwickelt, der vor allem bei Herzoperationen an Kleinkindern eingesetzt werden soll. Damit entfiele die kniffeligste Arbeit bei einem solchen Eingriff: Das Vernähen von Schnitten mit dem Skalpell und von Flecken, die Löcher im Herzen schließen.

Foto: dpa/Jan-Peter Kasper

Ein kleiner Schnitt mit dem Skalpell in einer Ader lässt sich sekundenschnell mit einem neuartigen Klebstoff verschließen. Ein Klecks genügt. Ultraviolettes Licht härtet das Material aus. Bei größeren Löchern werden Flicken aufgeklebt, ähnlich wie die, mit denen man Löcher  in Fahrradreifen verschließt. Das Material, das auch auf feuchtem Untergrund klebt – entscheidende Voraussetzung für den Einsatz im menschlichen Körper – hat eine internationale Forschergruppe entwickelt, darunter Nora Lang, Assistenzärztin für Pädiatrie (Kinderheilkunde) und Kinderkardiologie.

Eingesetzt werden soll der Kleber vor allem bei Herzoperationen an Kleinkindern. Damit entfiele die kniffeligste Arbeit bei einem solchen Eingriff: Das Vernähen von Schnitten mit dem Skalpell und von Flecken, die Löcher im Herzen schließen. Ein – ungenanntes – französisches Start-Up-Unternehmen hat die Lizenz erworben und möchte den Klebstoff in zwei bis drei Jahren auf den Markt bringen.

„Dieser neuartige Klebstoff hat das Potenzial, die Operationszeit und die Komplexität der herzchirurgischen Eingriffe zu verkürzen“, sagt Professor Brigitte Stiller, Ärztliche Direktorin der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg in Bad Krozingen.

Bisher gibt es lediglich Kleber, die toxisch sind und aus diesem Grund nicht genutzt werden können. Andere hatten nicht genügend Klebekraft oder verloren diese in feuchter Umgebung. Das neue Material dagegen ist gewebeverträglich. Die Geschwindigkeit, mit der er aushärtet, erlaubt einen Einsatz im schlagenden Herzen. Der Körper baut den Kleber auf mittlere Sicht ab. In dieser Zeit können die Schnittflächen heilen und die Flicken, biodegradierbare Patches genannt, mit dem Herzgewebe verwachsen. Die Geschwindigkeit, mit der er aushärtet, erlaubt einen Einsatz im schlagenden Herzen.

Erste Erfolge bei Tierversuchen

Die Wissenschaftler haben Anleihen bei der Natur gemacht, etwa bei Insekten, die zähflüssige Sekrete absondern, die wasserabweisend sind und deshalb auf feuchtem Untergrund haften. Genau diese Eigenschaften hat auch der Hydrophobic Light-Activated Adhesive (HLAA) genannte medizinische Klebstoff.

„Die kleberbeschichteten Patches konnten bei Tierversuchen bereits Defekte in der linken Herzkammer ohne zusätzliche Nähte verschließen und hielten dem hohen Druck stand, mit dem Blut durch Herz und Blutgefäße gepumpt wird“, sagt Maria Nunes Pereira vom Department of Medicine des Brigham and Women’s Hospitals in Boston/ Massachusetts, die an der Entwicklung beteiligt war.

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Von Wolfgang Kempkens
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