14.06.2015, 07:35 Uhr | 0 |

Plasmaderm aus Braunschweig Kaltes Plasma versorgt Schürfwunden von Kindern

Kommt ein Kind mit einer blutenden Wunde vom Spielplatz nach Hause, greift die Mutter zu einem taschenlampengroßen Stick namens Plasmaderm. Sie schaltet ihn ein und fährt kreisend über die Wunde. Kaltes Plasma desinfiziert dann die Wunde und regt die Wundheilung an.

Plasmaderm im Einsatz
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Plasmaderm im Einsatz: Das Gerät erzeugt kaltes Plasma direkt über der Haut. Das desinfiziert und regt die Wundheilung an.

Foto: Fraunhofer

Wolfgang Viöl hat eine Vision: Der Professor am Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) in Braunschweig entwickelt das taschenlampengroße Gerät Plasmaderm. Es bildet einen lilafarbenen Nebel zwischen Gerät und Wunde, tötet sämtliche Keime – ganz ohne beißende antiseptische Lösungen – und regt die Wundheilung an.

Ionen und Elektronen als Heilmittel

In einer klinischen Ausführung existierte ein solches Gerät bereits. Es ist für die mobile Nutzung allerdings zu groß. Viöl hat deswegen eine kleinere Version von Plasmaderm entwickelt – gemeinsam mit dem Plasmaspezialisten Cinogy aus Duderstadt und Medizinern aus Göttingen.

Damit ist es möglich, ein sogenanntes kaltes Plasma unmittelbar auf der Haut zu erzeugen. Ein Plasma ist ein gasartiges Gemisch aus Ionen, also elektrisch positiv geladenen Atomkernresten und Elektronen. Es entsteht in einem elektrischen Feld zwischen zwei Elektroden. Im Fall Plasmaderm bildet es sich zwischen Haut und Gerät. Ionisiert wird einfach die Umgebungsluft, also ein Gemisch vor allem aus Sauer- und Stickstoff sowie Kohlendioxid.

Leichtes Kribbeln auf der Haut

Der Patient spürt nur lediglich ein leichtes Kribbeln, wenn Plasmaderm aktiv ist und in kurzem Abstand über die Haut geführt wird. Hilfreich soll die Behandlung auch bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis sein – auch beim vor allem durch Krampfadern hervorgerufenen offenen Bein.

Die antiseptische Wirkung und eine verbesserte Wundheilung wies Professor Steffen Emmert von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen in einer Studie nach. Den größten Vorteil des Geräts sieht er darin, dass nicht-thermisches Plasma Mechanismen verschiedener Therapien vereint. Es gibt bereits UV-, Ozon- und Elektrotherapien. „Durch Plasma erreichen wir jedoch eine bessere Wirkung in kürzerer Zeit.“

Thermische Plasmen werden ansonsten zur Oberflächenbehandlung eingesetzt, etwa bei Kunststoffteilen, die lackiert werden sollen, oder auch in Fusionsreaktoren. Dort liegen die Temperaturen allerdings bei rund 100 Millionen °C.

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Von Wolfgang Kempkens
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