17.06.2013, 14:12 Uhr | 0 |

Digitaler Zahnabdruck In Jena lernen schon Studenten den Umgang mit der neuen Technik

Patienten, die Zahnersatz benötigen, könnte bald der lästige Zahnabdruck mit der Abdruckmasse erspart bleiben. An der Universitätsklinik Jena lernen bereits Zahnmedizin-Studenten die neue Technik des digitalen Zahnabdrucks kennen. 

Digitaler Zahnabdruck.
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Der Zahnarzt führt den den Kamerakopf in kleinem Abstand in einer flüssigen Bewegung über die Zähne seiner Patientin.

Foto: Sirona

Für die Herstellung von Kronen, Inlays und Brücken benötigt der Zahnarzt einen Abdruck vom Gebiss seines Patienten. Dieses Verfahren ist für den Patienten sehr unangenehm, da er in eine klebrige Masse beißen muss, was oftmals einen Würgereiz hervorruft.

Diese konventionelle Technik könnte künftig durch den digitalen Zahnabdruck mit einer Minikamera ersetzt werden. An der Universitätsklinik Jena ist man sich offenbar sicher, dass sich die neue Methode durchsetzen wird. Sie ist eine der ersten Uni-Standorte, an der angehende Zahnmediziner den Umgang mit der hochmodernen neuen Aufnahmetechnik beigebracht bekommen.

Aus vielen Einzelaufnahmen entsteht das 3D-Bild 

"Die Mundhöhle ist, wie der Name schon sagt, ein dunkler, geschlossener Raum und daher optisch schlecht darzustellen", erklärt Professor Harald Küpper, in Jena Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde. Das gesamte Gebiss mit einer einzigen Aufnahme in allen drei Dimensionen zu erfassen, sei nicht möglich. Der Zahnarzt muss den Kamerakopf in geringem Abstand in einer flüssigen Bewegung über die Zähne seines Patienten führen. Dabei entstehen viele verschiedene einzelne Bilder. Diese bauen sich sukzessive zu einem 3D-Modell auf. Die Aufnahmen haben eine sehr hohe Schärfentiefe. Auch misst die Kamera äußerst präzise und macht zudem Aufnahmen von den Gegenzähnen. Dies ist für einen physiologischen Biss nötig. Funktioniert die Verzahnung beim Patienten nicht richtig, kann dieser am Kiefergelenk erkranken. Folglich können Kopfschmerzen bis zur starken Migräne entstehen.

Der Aufnahmeprozess kann jederzeit unterbrochen und wieder fortgesetzt werden. „Die Kamera- und auch die Rechnerleistungen sind heute so gut, dass das Bild nahezu simultan und in natürlichen Farben auf dem Bildschirm erscheint", so Küpper

Spezielle Software

Das digitale 3D-Bild des Gebisses erscheint sofort auf dem Bildschirm des Zahnarztes. Mit einer speziellen Software können umgehend gewünschte Designvorschläge der Krone oder der Brücke erstellt werden. Der Zahnarzt wählt gemeinsam mit dem Patienten aus und schickt diese Daten per Funk in das Dentallabor. Dort wird mit einer speziellen Schleifmaschine die Krone aus einem Keramikblock geschliffen. Das Dentallabor erhält eine genaue Arbeitsgrundlage mit der digitalen Abformung des Gebisses und der 1:1-Übertragung sämtlicher Daten. Es gibt keine Fehlerrisiken mehr, wie sie durch den konventionellen Abdruck und die Modellherstellung möglich sind.

Nur ein einziger Termin für die Zahnrestauration

Ein großer Vorteil für den Patienten ist der schnelle Ablauf des Verfahrens. Er muss nicht mehr wie bisher mehrere Wochen lang mit einem Provisorium herumlaufen, bis das Ersatzstück fertiggestellt ist. Der gesamte Prozess läuft schnell ab. „Für die Patienten bedeutet dies, dass sie lediglich zu einem Termin kommen müssen“, sagt Christian Schwarze, Produktmanager der Firma Sirona, die der Uniklinik in Jena die Kamera zunächst als Leihgabe für ein Studienprojekt zur Verfügung gestellt hat. Mehrwöchiges Warten auf das passende Stück entfällt für Patienten ebenso wie der Einsatz von Provisorien, da die Zahnrestauration sofort eingefügt werden kann.

Professor Küpper jedenfalls ist vollends überzeugt: „Eine Ausbildung ohne diese innovative Technik ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“

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Von Petra Funk
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