12.02.2014, 14:57 Uhr | 1 |

Nachoperationen vermeiden Hightech-Brille macht Krebs sichtbar

Es ist sehr schwierig, Krebszellen mit bloßem Auge vom gesunden Gewebe zu unterscheiden. Amerikanische Forscher haben jetzt eine Hightech-Brille entwickelt, die zusammen mit dem Kontrastmittel Indocyanine Green und Licht passender Wellenlänge das Krebsgewebe blau leuchten lässt.  

Durch die Hightech-Brille betrachtet leuchten die Krebszellen blau.
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Durch die Hightech-Brille betrachtet leuchten die Krebszellen blau.

Foto: Washington University St.Louis

Wenn Krebsgewebe in einer Operation entfernt werden muss, ist es für den Chirurgen nicht einfach, die Krebszellen optisch vom gesunden Gewebe zu unterscheiden. Und der Erfolg einer solchen Operation steht und fällt mit der Frage, ob auch alle Krebszellen im Umfeld des Tumors entfernt wurden.

Gerade diese Zellen sind vom operierenden Arzt kaum vom gesunden Gewebe zu unterscheiden, und er muss sicherheitshalber nach eigenem Ermessen auch gesundes Gewebe mit wegnehmen. Die Stunde der Wahrheit kommt dann erst, wenn ein pathologisches Labor eine histologische Untersuchung von Proben des Randgewebes mit einem Mikroskop gemacht hat.

Sollte diese Untersuchung ergeben, dass dort noch Krebszellen vorhanden sind, geht es erneut unters Messer, der Zyklus von Resektion und histologischem Gutachten geht in eine neue Runde. Das macht die Therapie für den ohnehin schon geschwächten Patienten nicht unbedingt einfacher.

Für alle Beteiligten wäre es von Vorteil, wenn man die Krebszellen schon während des Eingriffs eindeutig vom gesunden Gewebe unterscheiden könnte. Hier haben die Forscher der Washington University angesetzt.

Blaues Leuchten durch molekularen Marker

Sie entwickelten eine spezielle Hightech-Brille, die dem Operateur den Krebs schon während des Eingriffs deutlich in blau anzeigt. Das blaue Leuchten erzeugt ein molekularer Marker (Indocyanine Green), der nur an die Krebszellen andockt. Die Beleuchtung des Gewebes mit Licht einer geeigneten Farbe (Wellenlänge) regt den Farbstoff des Markers zum hellen Leuchten an, das durch die Brille Krebsgewebe sehr eindeutig von gesundem Gewebe unterscheiden lässt.

Erste Praxistests am Menschen

Ob das in Zukunft die Methode der Wahl für Krebsoperationen ist, muss nun die Praxis klären. Die Chirurgin Julie Margenthaler von der Washington University sagt, dass ungefähr 20 bis 25 Prozent der Brustkrebspatientinnen, denen Knoten aus der Brust entfernt wurden, eine zweite OP brauchen, weil der Operateur mit der aktuellen Technologie das Krebsgewebe nicht deutlich genug vom gesunden Gewebe unterscheiden kann. Sie hat schon eine erste Brustoperation an einer Patientin durchgeführt, bei der sie diese neu entwickelte Krebsbrille trug.

Weitere Operationen unter Nutzung der Hightech-Brille sind auch schon geplant: Ryan Fields, ein weiterer Chirurg der Washington University, wird noch im Laufe dieses Monats eine Krebsoperation mit Blick durch die Brille durchführen. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob der Erfolg den geweckten hohen Erwartungen entspricht.

Die Forscher selbst geben sich recht zuversichtlich, obwohl die neue Technologie ja noch in den Kinderschuhen steckt. "Wir befinden uns noch in einer frühen Phase dieser Technologie", erklärt Julie Margenthaler, "und weitere Entwicklungen und Versuche werden notwendig sein. Doch stellen Sie sich vor, was es bedeuten würde, wenn die Brille Folgeoperationen mitsamt der verbundenen Unannehmlichkeiten, Ängste und Schmerzen eliminieren würde."

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Von Klaus Ahrens
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kommentare
07.12.2014, 20:45 Uhr Progetti
Das beschriebene Kontrastmittel könnte intraoperativ mit Hilfe von kurzen Starklichtblitzen der geeigneten Frequenz die Krebszellen selektiv schädigen, man muss allerdings dabei als Operateur die Augen schließen, danach kann man dann die Operation mit verminderter Rezidiv- Gefahr fortsetzen.

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