08.06.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Hilfe beim Herzinfarkt High-Tech-Brustpflaster lotst Laien durch die Herzmassage

Bei einem schweren Herzinfarkt liegt das Leben des Opfers oft in den Händen eines Laien, der eine Herzmassage durchführen muss. Damit er dabei nicht versagt, gibt ihm ein neues Brustpflaster mit Leuchtdioden und Sprachausgabe genaue Anweisungen. Gleichzeitig alarmiert ein Armband den Notarzt.  

Das Pflaster signalisiert mit Licht- und Tonsignalen, wie die Herzmassage durchzuführen ist
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Eigentlich kann selbst ein Laie jetzt nichts mehr falsch machen: Das System signalisiert mit Licht- und Tonsignalen, wie die Herzmassage durchzuführen ist. Rotes Licht signalisiert beispielsweise zu viel Druck. 

Foto: Hochschule Coburg

Auf einer Parkbank sitzt ein älterer Herr und kippt langsam zur Seite – er hat einen Herzinfarkt erlitten und das Bewusstsein verloren. Damit in einer solchen Situation keine wertvollen Sekunden verloren gehen, haben zwei junge Produktdesigner der Fachhochschule Coburg ein Erste-Hilfe-System entwickelt: Ein High-Tech-Armband schickt eine Nachricht mit den GPS-Daten des Aufenthaltsorts an die Notrufzentrale. Gleichzeitig macht es Passanten mit einem Alarmsignal auf die Notsituation aufmerksam.

Brustpflaster unterstützt Erste Hilfe mit Leuchtdioden 

Ehe professionelle Hilfe anrückt, können Passanten direkt durch Herzmassage helfen. Und hier kommt die zweite Komponente des Systems ins Spiel: Ein großes Pflaster auf der Brust, das mit Sensoren und Leuchtdioden gespickt ist. Ersthelfer erhalten genaue Anweisungen, was zu tun ist. Ein Lautsprechersignal gibt den Rhythmus der Herzmassage vor, Leuchtdioden signalisieren, ob der Druck zu hoch, zu niedrig oder genau richtig ist. Die Sensoren im Pflaster sind so angeordnet, dass sie die Herztätigkeit überwachen – wie ein EKG-Gerät in der Arztpraxis. Per Bluetooth werden die Daten an das Armband übermittelt, das sie per Mobilfunk an die Zentrale schickt.

Pflaster und Armband haben Julia Brinkmann und Sebastian Markovic entwickelt, die an der Fachhochschule Coburg studieren. Zwei Elektronikstudenten und zwei Professoren leisteten Hilfestellung. Einen Prototypen hat das Team bereits erfolgreich getestet.

Gedacht ist das System, das von einer Batterie am Gürtel mit Strom versorgt wird, für Risikopatienten und Menschen, die sich nach einer Herzerkrankung erholen. Oft erleiden sie nach kurzer Zeit erneut einen Infarkt, obwohl sie als genesen gelten. „Viele Menschen haben Angst, sich wieder ganz normal zu bewegen. Sie trauen sich erst recht nicht, die Reha-Klinik zu verlassen“, erklärt Julia Brinkmann. „Wir wollen den Menschen helfen, mobil zu bleiben und gleichzeitig die eigenen Vitalwerte im Blick zu behalten.“

Forscher wollen System in T-Shirts einbauen

Interessenten in der Industrie gibt es noch nicht, sagt der Coburger Informatik-Professor Thomas Wieland, der an der Entwicklung beteiligt war. Er ist in Personalunion Leiter des Fraunhofer-Anwendungszentrums für drahtlose Sensorik in Coburg. Dort wird die Technik jetzt fit gemacht für die Integration in Textilien, etwa in T-Shirts, die Lebensfunktionen überwachen. Einen Industriepartner hat er auch schon gefunden, verrät aber nicht, wer es ist. „Man kann die Textilien inklusive Sensoren und Verkabelung sogar waschen“, sagt Wieland. Nur die abnehmbare Elektronik müsse entfernt werden. 

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Von Wolfgang Kempkens
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