23.03.2014, 07:00 Uhr | 0 |

ECMO rettet Leben Herz-Lungen-Maschine für unterwegs

Mobile Mini-Herz-Lungen-Maschinen, ECMO genannt, können bei akuten Herz- oder Lungenversagen die letzte rettende Option für schwerkranke Patienten sein. Die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum ist in der Region Vorreiter für diese intensivmedizinische Therapie.

Patiententransport mit ECMO
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Drei von vier Patienten überleben, wenn sie bei akutem Herz- oder Lungenversagen mit ECMO – einer mobilen Mini-Herz-Lungen-Maschinen – behandelt werden. 

Foto: Jan Pauls

Erleidet ein Mensch ein akutes Herz- oder Lungenversagen, so tickt die Uhr gnadenlos gegen ihn. Das menschliche Gehirn kann nicht lange ohne Versorgung mit Sauerstoff existieren, praktisch alle Organe sind auf Sauerstoff angewiesen. Sauerstoff ist das Lebenselixier der Zellen. In der Intensivmedizin wird normalerweise die künstliche Beatmung eingesetzt. Es gibt aber auch Fälle, wo es nicht möglich ist, den schwerverletzten Patienten rasch auf eine Intensivstation zu bringen, um die Beatmung einzuleiten. In diesen Fällen ist die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) so etwas wie der letzte Strohhalm.

ECMO übernimmt die vollständige Funktion von Herz und Lunge

Eine ECMO ist eine mobile Mini-Herz-Lungen-Maschine und übernimmt die vollständige Funktion der beiden lebenswichtigen Organe bei einem Notfall. Technisch gesehen ist eine ECMO im Prinzip die kleine Schwester der bekannten Herz-Lungen-Maschine. Ihr großer Vorteil ist die Mobilität. Eine ECMO wiegt heute weniger als 20 Kilogramm. Das ermöglicht es den Notfallmedizinern, diese Akutversorgung in Kombination mit einem speziellen Intensivmobil anzubieten. „Das ist im Grunde eine kleine Intensivstation auf Rädern“, erkäutert Dr. Justyna Swol, Oberärztin in der Chirurgischen Klinik und Poliklinik des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH in mit Sitz in Bochum.

ECMO kann auch im Rettungs-Hubschrauber laufen

„Am Bergmannsheil sind wir in der Lage, Patienten mit laufender ECMO sowohl im Intensivmobil wie im Hubschrauber zu transportieren“, so Swol. 15 Transporte führt das ECMO-Team am Bergmannsheil pro Jahr von Patienten unter Anschluss an eine solche Mini-Herz-Lungenmaschine durch.  Am Bergmannsheil hat man viel Erfahrung mit der komplizierten ECMO-Technik. Im Jahr behandelt das Klinikum rund 65 Patienten mit einem ECMO-System.

Die wesentlichen Bestandteile eines solchen ECMO-Systems sind eine künstliche Lunge, Oxygenator genannt, und eine Blutpumpe, die die Herzfunktion übernimmt. Angeschlossen wird das Gerät mit zwei Kanülen in den Leistengefäßen des Patienten. Allerdings ist das Anschließen eines Patienten unter Reanimationsbedingungen sehr anspruchsvoll: „Beim Einbringen der etwa fingerdicken Kanülen in den Leistengefäßen muss jeder Handgriff sitzen“, erklärt Dr. Dirk Buchwald, leitender Kardiotechniker der Klinik für Herz- und Thorachirurgie. „Dazu bedarf es eines routinierten Zusammenspiels innerhalb des ECMO-Teams.“

Oxygenator ersetzt den Gasaustausch der Lunge

Einmal an die Mini-Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, versorgt diese das Blut des Patienten mit Sauerstoff. Dafür wird das Blut mittels der Blutpumpe angesaugt und aus dem Körper herausgeleitet. Dann strömt es durch die künstliche Lunge, das ist ein Membran-Oxygenator, der den Gasaustausch in der Lunge ersetzt. Er entfernt das Kohlendioxid aus dem Blut und reichert es mit Sauerstoff an. Anschließend wird das Blut über die zweite Kanüle zurück in das Gefäßsystem gepumpt.

Auf diese Weise kann die Maschine wahlweise nur die Lungenfunktion oder die kombinierte Herz- und Lungenfunktion teilweise oder vollständig übernehmen. „Das geschädigte oder erkrankte Organ wird somit entlastet“, verdeutlicht Dr. Justyna Swol. „Je nach Erfolg der anschließenden Therapie kann es später wieder seine volle Funktion übernehmen.“

ECMO kann über Tage oder Wochen laufen

ECMO kann über Tage oder Wochen eine ausreichende Oxygenierung gewährleisten und gibt damit der Lunge Zeit, ohne aggressive Beatmung zu heilen. Der große Vorteil einer ECMO gegenüber einer normalen Reanimation ist, dass der Kreislauf nach dem Anschluss des Patienten an die Maschine sofort wieder intakt ist. So gewinnt das Behandlungsteam wettvolle Zeit und kann den Patienten unter dann kontrollierten Bedingungen weiter therapieren.

Bergmannsheil ist in der Region Vorreiter in Sachen ECMO

Im internen Notfallmanagement der Klinik ist die Reanimation mit ECMO bereits fest integriert. Bergmannsheil zählt in der Region zu den Vorreitern in der Anwendung von ECMO-Systemen für die intensivmedizinische Therapie. Die ECMO-Spezialisten am Bergmannsheil spielen mit dem Gedanken, ihre Kompetenz auch in der auswärtigen Notfallversorgung einzusetzen.

73 Prozent haben mit akutem Herz- oder Lungenversagen überlebt

Insgesamt scheint die ECMO-Behandlung positiv für Patienten mit akuten Herz- oder Lungenversagen. Die Ärzte- und Wissenschaftsorganisation Extracorporal Life Support Organization (ELSO) mit Sitz in Plymouth in Großbritannien berichtet in ihrem ELSO-Report 2013, das von insgesamt 53.190 bis Ende 2012 an sie gemeldeten ECMO-Fällen 38.723 der so behandelten Patienten überlebt haben. Das sind 73 Prozent.

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Von Detlef Stoller
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