07.05.2014, 13:20 Uhr | 0 |

Fußball-WM in Brasilien Gelähmter Jugendlicher soll mit Exoskelett die Fußball-WM anstoßen

Eine Weltsensation verspricht die Eröffnung der Fußball-WM 2014: Ein gelähmter Jugendlicher wird sich aus seinem Rollstuhl erheben. Er steuert ein Exoskelett mit der Kraft seiner Gedanken, geht auf den Rasen und macht den Anstoß zur Fußball-WM. Zu den Entwicklern des Skeletts gehört auch die Technische Universität München.  

Ein gelähmter Jugendlicher wird in einem Exoskelett den Anstoß zur Fußball-WM 2014 machen
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Ein gelähmter Jugendlicher wird in einem Exoskelett den Anstoß zur Fußball-WM 2014 machen. Multisensoren erfassen seine Gehirnströme, die in Bewegungsbefehle für die Mechanik übersetzt werden. Dank Sensoren soll er den Ball sogar spüren können. 

Foto: cotesys

Das Experiment mutete makaber an. Wissenschaftler zapfen in einem Labor in der Duke University in Durham in North Carolina das Bewegungszentrum im Gehirn eines Menschenaffens an. Die Signale übertrugen sie in ein Labor in Japan. Die elektrischen Impulse steuerten dort eine Art Roboter. Dieser bewegte sich synchron zu den Bewegungen des Tausende Kilometer entfernten Primaten.

Damit hatten die am Walk-again-Project beteiligten Forscher bewiesen, dass Gehirnströme genutzt werden können, um etwa ein Exoskelett zu steuern. Das ist eine Art stützender Raumanzug, der Funktionen übernimmt, die Behinderten – etwa Querschnittsgelähmten – versagt sind. Das Experiment fand 2008 statt.

Bei der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft im Juni in Brasilien soll die Welt nun einen gelähmten Jugendlichen sehen, der in einem Exoskelett steckt. Er wird langsam zum Mittelkreis des Stadions in Sao Paulo gehen und gegen den Ball treten. Er wird aus einer Gruppe von zehn Behinderten ausgesucht, die seit Februar 2014 in Brasilien für diesen Auftritt trainieren.

Multisensoren erfassen Gehirnströme des Gelähmten

Am Walk-again-Projekt sind fast 200 Wissenschaftler aus mehreren Institutionen auf der ganzen Welt beteiligt. Zu ihnen gehört Gordon Cheng, Professor am Institut für Cognitive Systeme an der Technischen Universität München. Er war bereits an dem spektakulären Experiment im Jahr 2008 beteiligt. „Das war der Durchbruch“, sagt Cheng.

Cheng und sein Team entwickelten Multisensoren, die Gehirnströme erfassen. Die Idee: Die Nutzer der Exoskelette sollen diese mit ihren Gedanken steuern. Ihr Vorsatz zu gehen wird in Impulse umgewandelt, die normalerweise für die Bewegung der natürlichen Beine sorgen. Mit diesen Impulsen soll die Mechanik im unteren Teil des Anzugs gesteuert werden.

Umgekehrt übermitteln Sensoren im Exoskelett Informationen ans Gehirn. „Vibrationen geben der Person sogar das Gefühl, den Boden zu berühren, den Fuß zu bewegen und den Ball zu treten", sagt Cheng.

Kritiker fürchten Soldaten mit überirdischen Kräften

Miguel Nicolelis, brasilianischer Neurowissenschaftler und Professor an der Duke University, ist begeistert über die bereits erzielten Fortschritte: „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das Gehirn die Maschine dank der Vernetzung so behandelt, als wäre sie ein natürliches Körperteil – so wie Tennisspieler den Schläger als Verlängerung ihres Arms betrachten mögen.“ Auch Nicolelis war bereits an dem amerikanisch-japanischen Experiment im Jahr 2008 beteiligt.

Völlig offen ist, wann das Exoskelett tatsächlich genutzt und kommerziell hergestellt werden kann. Kritiker bemängeln zudem, dass man diese Technik auch für militärische Zwecke nutzen kann. Ein von Gedanken gesteuertes Exoskelett könnte Soldaten schier überirdische Kräfte verleihen. 

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Von Wolfgang Kempkens
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