26.07.2013, 14:51 Uhr | 0 |

Notfall-Medizin Ganzkörper-CT verbessert Überlebenschance von Schwerstverletzten

Die Überlebensrate von Schwerstverletzten ist deutlich höher, wenn sie noch im Schockraum mit einer Ganzkörper-Computertomographie (CT) untersucht werden. Eine neue Studie zeigt, dass die zusätzlichen Minuten für ein CT die Überlebenschance um mehr als 25 Prozent steigert.

Ganzkörper-CT
Á

Zwischen drei und sechs Minuten liegt ein Patient im Ganzkörper-CT. Diese Zeit ist auch bei Patienten mit instabilem Kreislauf gut investiert, weil die Diagnose akkurater ist.

Foto: Klinikum rechts der Isar, TU München

Im Schockraum, wenn Unfallpatienten mit schweren Mehrfachverletzungen eingeliefert werden, muss es extrem schnell gehen. Vor einer eventuell notwendigen Notfall-Operation darf keine Zeit verschwendet werden: Eine rasche und akkurate Diagnose ist überlebenswichtig. In dieser Situation hat sich der Einsatz der Ganzkörper-Computertomographie bisher bestens bewährt, denn hier sieht der Unfallchirurg das komplette Verletzungsmuster am deutlichsten.

Ärzte sehen den Einsatz von CT bei Patienten mit instabilem Kreislauf kritisch

Die meisten Ärzte gingen allerdings bisher davon aus, dass das frühe Ganzkörper-CT nur bei kreislaufstabilen Patienten sinnvoll ist. Die drei bis sechs Minuten, in denen der Patient in einem Computertomographen liegt, können dagegen, so befürchteten die Mediziner, für Patienten mit Kreislaufschock kritisch werden. Manche Mediziner warnten gar vor dem CT als einem „Tunnel des Todes“.

Die Forschungsgruppe „Polytrauma“ am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München hat nun für eine Studie das „Trauma Register“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie ausgewertet und ist dabei zu einem überraschenden Ergebnis gekommen. Der positive Effekt eines Ganzkörper-CT gilt auch für Schwerstverletzte mit Kreislaufschock. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin PLOS ONE.

Insgesamt werteten die Wissenschaftler die Daten von 16.719 schwerverletzten Patienten aus Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Slowenien aus. Die Autoren verglichen die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Patienten mit und ohne Ganzkörper-Computertomographie. Die Patienten wurden in drei Gruppen aufgeteilt: 1. Patienten mit schwerem Kreislaufschock, 2. Patienten mit moderatem Schock und 3. Patienten ohne Schock.

Der Trend geht zu leistungsstarken Computertomographen im Schockraum

Über 50 Prozent der Patienten wurden nach Klinikeinlieferung mittels Ganzkörper-CT untersucht, davon waren 11 Prozent der Patienten im schweren Schock und 26 Prozent im moderaten Schock. Patienten, die im Schock mittels Ganzkörper-CT diagnostiziert wurden, zeigten signifikant niedrigere Sterblichkeitsraten als zunächst erwartet. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich die Überlebenschancen um mehr als 25 Prozent erhöhen. Trotz der vermeintlichen Zeitverzögerung durch die Ganzkörper-CT ermöglicht die Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters des Patienten eine lebensrettende zielgerichtete Therapie. Stark blutende Verletzungen können exakt lokalisiert und präzise behandelt werden. Diejenige Verletzung, die zu der instabilen Kreislaufsituation am meisten beiträgt, kann durch diese Art der radiologischen Untersuchung am besten und schnellsten aufgedeckt werden.

Allerdings, das betonen die Forscher, gilt das nur, wenn das Ganzkörper-CT bei kreislaufinstabilen Unfallpatienten an adäquat ausgerüsteten Kliniken mit entsprechend spezialisierten Teams durchgeführt wird. Wenn der Patient in kritischem Zustand für das CT erst in einen anderen Teil des Krankenhauses gebracht werden muss, wird das die Überlebenschancen eher vermindern als verbessern.

„Bereits heute“, sagt Stefan Huber-Wagner von der Münchner Klinik für Unfallchirurgie, „wird im Rahmen der durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie initiierten Traumanetzwerkbildung für ein Traumazentrum die 24-Stunden-Verfügbarkeit einer Ganzkörper-Computertomographie in Schockraumnähe gefordert. Der Trend wird sicherlich dahin gehen, noch leistungsstärkere Computertomographen baulich in den Schockraum zu integrieren.“ 

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden