27.04.2015, 13:46 Uhr | 0 |

Schutz für Kinder Erster Impfstoff gegen Malaria kurz vor der Zulassung

Der Kampf gegen die Tropenkrankheit Malaria steht vor einem Durchbruch: In einer Langzeitstudie hat die Wirkstoff RTS,S bei vielen Testpersonen einen über Jahre anhalten Impfschutz gezeigt. Besonders gut wirkt RTS,S bei Kindern. Die Zulassung des neuen Impfstoffes ist noch für 2015 geplant.

Impfung eines Kleinkindes gegen Malaria
Á

Impfung eines Kleinkindes gegen Malaria: Der neue Wirkstoff RTS,S kann Kinder zu einem hohen Prozentsatz gegen Malaria schützen.

Foto: PATH Malaria Vaccine Initiative

Prophylaxe durch Moskitonetze, Insektizide und Medikamente reichen im Kampf gegen Malaria schon lange nicht mehr aus. Jährlich sterben 600.000 Menschen an der tropischen Infektionskrankheit, vor allem in Afrika südlich der Sahara. Zwar ist Malaria inzwischen heilbar, aber gerade in Afrika ist die Gesundheitsversorgung so unzureichend, dass viele Menschen an der Krankheit sterben.

Wirkstoff RTS,S kann vor Malaria schützen

Doch jetzt gibt es Hoffnung, die Menschen vor Malaria schützen zu können: Forschern ist es erstmals gelungen, einen wirksamen Impfstoff durch alle drei Phasen klinischer Studien zu bringen. Zuletzt wurde das Mittel RTS,S drei Jahre lang an 15.000 Kindern aus sieben afrikanischen Ländern erfolgreich getestet. Demnach gelingt es RTS,S, die Vermehrung des Malariaerregers Plasmodium falciparum in den Leberzellen zu verhindern.

Teilgenommen haben an der Studie Kinder aus zwei verschiedenen Altersklassen. Säuglinge im Alter von 6 bis 12 Wochen und Kleinkinder im Alter von 5 bis 17 Monate wurden mit RTS,S geimpft. Sie erhielten drei Injektionen des Mittels innerhalb eines Monats. Eine weitere Gruppe beider Altersklassen erhielt das Mittel erneut zur Auffrischung nach 18 Monaten.

Bis 36 Prozent Impfschutz

Das Ergebnis: Der Wirkstoff kann tatsächlich Säuglinge und Kleinkinder vor Malaria schützen. Insgesamt lag der Impfschutz je nach Alter zwischen 26 und 36 Prozent über den Beobachtungszeitraum von vier Jahren. Mit einer Auffrischungsimpfung stieg die Wirksamkeit sogar an.

Die Wirksamkeit sowie die Verträglichkeit des Mittels wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt. Die Nebenwirkungen des Impfstoffes seien überschaubar, erklärte die PATH Malaria Vaccine Initiative in einer Pressemitteillung. Einige Kinder hatten Fieber, andere litten unter Krämpfen. Nach einer Woche waren die Nebenwirkungen jedoch wieder abgeklungen.

ARCHIV - Die dreijährige Siama Marjan spielt am 23.04.2008 in Nairobi hinter einem Moskitonetz gegen Malaria-Mücken. Ebola hat Malaria zuletzt aus dem Rampenlicht verdrängt. Doch der Biss der Anopheles-Mücke kommt vor allem in Afrika weiterhin oft einem Todesurteil gleich. Foto: Stephen Morrison/EPA/dpa (zu dpa «Massenmörder Malaria-Mücke: Jährlich hunderttausende Tote» 24.04.2015 - Wiederholung vom 19.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Die dreijährige Siama Marjan spielt in Nairobi hinter einem Moskitonetz gegen Malaria-Mücken. Jedes Jahr sterben rund 600.000 Menschen an Malaria. Jetzt gibt es Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff, der vor allem bei Kindern besonders gut wirkt.

Foto: Stephen Morrison/dpa

„Auch wenn die Wirksamkeit mit der Zeit nachgelassen hat, gibt es einen klaren Nutzen", erklärt Brian Greenwood, Studienautoren und Professor an der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Bei Todeszahlen von 600.000 pro Jahr wäre schon eine Reduzierung um ein Drittel ein enormer Fortschritt.

Noch in diesem Jahr soll der Impfstoff zugelassen werden. An der Entwicklung des Wirkstoffes war neben der Initiative PATH der Pharmakonzern Glaxo Smith Kline beteiligt. Glaxo hat die Zulassung schon im vergangenen Jahr beantragt.

Anzeige
Von Petra Funk
Zur StartseiteZur Startseite
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden