22.10.2014, 12:56 Uhr | 0 |

Chinas Kampf gegen Ebola Diagnose-Schnelltest und Weiterentwicklung eines Medikaments

Das chinesische Pharmaunternehmen BGI aus Shenzhen hat gemeinsam mit der China Academy of Military Medical Services ein Testverfahren entwickelt, mit dem sich eine Ebola-Erkrankung in vier Stunden nachweisen lässt. Nach eigenen Angaben verfügt BGI über rund 10.000 Einheiten des Diagnose-Schnelltests für “Sobola”, wie Ebola in China genannt wird. 

Ebola in Liberia
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Auch China engagiert sich im Kampf gegen Ebola. Das Land pflegt intensive wirtschaftliche Kontakte mit Afrika. Ein Diagnose-Schnelltest und auch ein Medikament zur Bekämpfung der Krankheit nach Ausbruch wurden bereits entwickelt.  

Foto: dpa

Frei verkäuflich ist der Diagnose-Schnelltest bisher nicht, da die Zulassung durch die chinesische Food and Drug Administration noch nicht abgeschlossen ist. Eine rasche Ausweitung der Produktion von Schnelltest-Einheiten sei aber möglich, heißt es.

China hat bereits ein Hospital nach Sierra Leone geliefert

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat in China erhebliche Sorgen ausgelöst, weil das Land mit den hauptsächlich betroffenen westafrikanischen Staaten enge wirtschaftliche Beziehungen unterhält. Dazu gehört auch ein reger Reiseverkehr. Schon am 1. Oktober eröffnete China in Sierra Leone das so genannte Sierra Leone-China Friendship Hospital Centre für Ebola-Kranke. Desweiteren wurden 200 chinesische Fachleute und ein mobiles Laboratorium nach Westafrika geschickt.

Nach Angaben des chinesischen Finanzministerium werden weitere Hilfsaktionen folgen. Diese Ankündigung muss vor dem Hintergrund ganz erheblicher chinesischer Investitionen in Westafrika gesehen werden.

Sihuan Pharmaceuticals entwickelt Ebola-Medikament

Das chinesische Unternehmen Sihuan Pharmaceuticals, das zu den ganz großen der chinesischen Branche zählt, arbeitet seit einiger Zeit an einem Medikament zur Bekämpfung der Ebola-Erkrankung. Sihuan war ursprünglich – wie viele Pharmaunternehmen des Landes – von Militärpersonal gegründet worden und arbeitet bis heute sehr eng mit dem Militär zusammen.

epa04454706 Medical personnels of Medicins sans Frontieres (MSF) (doctors without boarders) attend an Ebola security training session, during a press visit, at the Ebola MSF World training center in Brussels , Belgium, 20 October 2014 prior to departing for affected African countries. MSF state that since April, hundreds of medical personnel have already passed through the Brussels training center. EPA/OLIVIER HOSLET +++(c) dpa - Bildfunk+++
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China fürchtet, dass durch den ständigen Personalaustausch mit Afrika auch der Ebola-Virus ins Land kommt. 

Foto: dpa

Unter der Bezeichnung jk-05 ist ein Medikament weiterentwickelt worden, das in der ersten Stufe direkt vom Militär erarbeitet wurde und derzeit ausdrücklich nur “als ein ganz spezielles Medikament für militärische Bedürfnisse” zur Verfügung steht.

Vorbereitungen für Militäreinsatz bei Ausbruch der Krankheit in China 

Hinter dieser merkwürdigen Umschreibung verbirgt sich das Ziel, falls erforderlich sofort einen Ausbruch von Ebola in China durch das Militär bekämpfen zu können. Mit dem Medikament sind auch alle chinesischen medizinischen Fachkräfte, die nach Westafrika entsandt wurden, ausgestattet worden. Eingenommen werden darf jk-05 aber nur dann, wenn tatsächlich eine Ebola-Erkrankung nachgewiesen worden ist. 

Bisher keine zivilen Tests mit dem Medikament jk-05

Die zivile Nutzung in Westafrika für jk-05 ist bisher nicht möglich. Eine Zulassung bei der China Food and Drug Administration wurde bislang noch nicht einmal beantragt. Genau dies hat in China selbst schon einige Verwunderung ausgelöst. Laut dem chinesischen Großunternehmen Tencent Technologies liegt dies daran, dass China bisher nicht über ein so genanntes P4-Laboratorium verfügt, in dem eingehende besonders gefährliche Tests auch mit Menschen möglich sind.

Franzosen bauen Versuchslabor für China auf

China selbst kann offenbar ein ziviles P4-Laboratorium nicht aufbauen. Sonst wäre ein entsprechender Auftrag wohl kaum an die französische Industrie vergeben worden, die in Wuhan nun ein solches Laboratorium aufbaut, das allerdings bisher keineswegs arbeitsbereit ist. Die chinesische Akademie der Wissenschaften drängt inzwischen auf eine möglichst schnelle Inbetriebnahme einer P4-Anlage. Dabei wird innerhalb der Akademie nicht ausgeschlossen, dass das Militär bereits über ein derartiges arbeitsfähiges Laboratorium verfügt. Dort könnte unter Umständen auch jk-05 getestet worden sein. Vom chinesischen Militär ist dazu aber keinerlei Auskunft zu erhalten.

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Von Peter Odrich
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