11.04.2013, 11:13 Uhr | 0 |

Neues Hörgeräte-Implantat Bessere Klangqualität und ambulante, risikoarme OP

Fraunhofer-Ingenieure arbeiten an einem neuen Hörgerät, das sich ambulant implantieren lässt und eine bessere Klangqualität bietet. Bisher mussten Patienten eine komplizierte Operation über sich ergehen lassen, wenn normale Hörhilfen hinter der Ohrmuschel nicht mehr ausreichten.

Schallwandler – noch mit quadratischer Außengeometrie.
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Das Labormuster des Schallwandlers weist eine quadratische Außengeometrie auf. Künftig wird er jedoch kreisförmig ausgelegt sein.

Foto: Fraunhofer IPA

„Unser Ziel ist es, die bessere Klangqualität implantierbarer Hörgeräte mit einer stark vereinfachten Operation zu kombinieren“, erklärt Dominik Kaltenbacher, Ingenieur am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Das neue Hörgerät besteht aus drei Teilen: einem externen Gehäuse mit Mikrofon und Batterie, einer drahtlosen optischen Signal- und Energieübertragung zwischen Außen- und Mittelohr sowie einem Schallwandler. 

Runder Schallwandler nur 1,2 Millimeter klein

Das Kernstück des neuen Hörgerätes bildet der „runde Schallwandler“. Er ist nur 1,2 Millimeter groß und fungiert als Lautsprecher des Implantats. Da er so winzig ist, lässt er sich ambulant implantieren. Dafür wird das Trommelfell des Patienten seitlich gelöst und aufgeklappt und der Schallwandler zwischen Mittelohr und Innenohr platziert. Dort verstärkt er mit mechanischen Schwingungen das Hörsignal und leitet es an das Innenohr weiter: Das Hörvermögen wird verbessert. „Der Schallwandler funktioniert nach dem Prinzip des Biegeaktors“, erläutert Kaltenbacher. „Die kuchenförmig angeordneten Biegeelemente bestehen aus einem Schichtverbund aus Piezokeramik und Silizium. Wird eine elektrische Spannung angelegt, biegen sich die Elemente nach oben und erzeugen eine mechanische Schwingung. Diese überträgt sich auf die Membran des runden Fensters sowie das Innenohr und regt so den Hörnerv an.“

120 Dezibel werden erreicht

Das kleine Rundfensterimplantat in der Größe eines Stecknadelkopfes schafft eine Leistung von 120 Dezibel. Verglichen mit Lärm aus dem Alltag entspricht dieser Wert der Lautstärke eines Presslufthammers. Die große Leistung ist insbesondere für hohe Töne wichtig, da schwerhörige Menschen vor allem diese nicht mehr wahrnehmen können.

Unterstützt vom Bundesforschungsministerium, der Universität Tübingen (HNO-Klinik und Naturwissenschaftliches Medizinisches Institut) und der Firma auric Hörsysteme arbeitet das IPA nach positiven Labortests nun an der Optimierung des Implantates. Dieses muss hohen Anforderungen gerecht werden. Neben einer positiven Körperverträglichkeit wird eine Haltbarkeit von durchschnittlich zehn Jahren erwartet. Bereits im Juni 2013 sollen die einzelnen Komponenten fertiggestellt sein. Schwerhörigen Menschen soll das komplette neue System ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen. In Deutschland leiden etwa 17 Millionen Menschen an Schwerhörigkeit.

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Von Petra Funk
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