11.11.2014, 08:30 Uhr | 0 |

Medica und Compamed 130.000 Fachbesucher pilgern zu Medizinmessen nach Düsseldorf

Die Messehallen Düsseldorf öffnen am Mittwoch ihre Pforten für die größte Medizinmesse der Welt: die Medica. Parallel findet die Compamed 2014 statt. Zusammen kommen die beiden Veranstalter auf 5533 Aussteller aus 68 Ländern. Präsentiert werden Trends der Medizinbranche – darunter Herzklappen aus dem 3D-Drucker, neueste Wearables und eine Panoramasoftware für die Endoskopie. 

Messe Medica zeigt Neuheiten der Medizintechnik
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5533 Aussteller aus 68 Ländern präsentieren auf der weltgrößten Medizinfachmesse Medica in Düsseldorf neueste Trends der Branche. Das Foto zeigt den neuen Anästhesiearbeitsplatz Perseus A500 der Firma Drägerwerk.

Foto: dpa/Marius Becker

Rund 130.000 Fachbesucher werden von der Düsseldorfer Messeleitung erwartet. Sie können sich in 19 Hallen den Neuheiten widmen. Während sich die Medizinanwender auf der Medica tummeln, zieht es Ingenieure, Entwickler und Einkäufer der Medizintechnikindustrie zur Zulieferermesse Compamed.

Blutgefäße und Herzklappen aus dem 3D-Drucker

„Der 3D-Druck stellt in der Tat eine spannende Kombination aus Material- und Prozesstechnik dar“, sagt Compamed-Direktor Horst Giesen. „Auf die Fortschritte in diesem Gebiet, die zur Compamed 2014 präsentiert werden, darf man sehr gespannt sein.“ Besondere Aufmerksamkeit genießen Wissenschaftler der US-amerikanischen Elite-Universitäten Harvard, MIT, Sydney und Stanford. Sie haben angeblich den Durchbruch geschafft, 3D-Gewebe mit Blutgefäßen zu drucken.

Sie nutzen dafür einen 3D-Drucker, der kleinste miteinander verbundene Fasern ausdruckt. Die Druckform entspricht nahezu der Gefäßstruktur eines menschlichen Organs. Anschließend erhalten die Fasern eine Beschichtung aus menschlichen Zellen und einem Protein, das das Zellwachstum anregen soll.

An Organteilen aus dem 3D-Drucker tüfteln auch Forscher der Technischen Universität Berlin. Prof. Hartmut Schwandt, Leiter des 3D-Labors an der TU Berlin, will zukünftig echte Herzklappen aus menschlichen Zellen drucken. Basierend auf Bildern einer Computertomografie (CT) entsteht zunächst ein perfekt passendes Herzklappengerüst aus Kunststoff, das die Forscher dann mit körpereigenen Zellen besetzen.

Laut Schwandt züchtet ein Bioreaktor das Zellmaterial aus einer Gewebespende über mehrere Monate heran – der Prozess nennt sich Tissue Engineering. Das Kunststoffgerüst wird später vom Körper abgebaut. Fertig ist eine echte Herzklappe, die perfekt passt und keine Abstoßungsreaktionen verursacht.

Wearables Technologie Show widmet sich tragbarer Medizinelektronik

Besonderer Beliebtheit erfreut sich auch Medizinelektronik, die sich direkt am Körper tragen lässt. Dazu zählen beispielsweise T-Shirts mit integrierten Sensoren, die kontinuierlich Herzschlag und andere Körperfunktionen überwachen. Diese sogenannten Wearables stellen Hersteller vor große Herausforderungen: So müssen sie etwa winzige Sensorsysteme, miniaturisierte Verbindungselektronik und Trägertextilien entwickeln, die trotz Elektronikintegration noch robust und dehnbar sind.

Die Medica hat für diesen Zukunftsmarkt die Wearable Technologies Show auf die Beine gestellt, bei der Hersteller ihre Fortschritte präsentieren. Zu den Ausstellern zählt unter anderem Cosinuss. Das Unternehmen aus München entwickelt In-Ear-Kopfhörer, die kontinuierlich Herzfrequenz, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung überwachen. Die Daten kann der Träger mit einer Smartphone-App auswerten. Das US-amerikanische Unternehmen Prizm Medical hingegen zeigt Textilien, die mit Elektrostimulation den Heilungsprozess beschleunigen.

Fraunhofer-Software zeigt Panoramaansicht der Blase

Auch das Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen ISS aus Erlangen ist auf der Medica. Die Forscher stellen ihre neue Software Endorama vor. Die bringt Panoramaansichten in die Endoskopie, wie folgendes Beispiel verdeutlicht: Ein Arzt führt durch die Harnröhre ein Endoskop mit Kamera in die Blase der Patienten ein, um das Gewebe zu untersuchen. Er sieht allerdings nur den winzigen Ausschnitt des Organs, den die Kamera gerade einfängt.

Für einen Gesamteindruck muss der Arzt die Kamera schwenken und die Bilder gedanklich zusammensetzen. „Die Software Endorama, die wir entwickelt haben, setzt alle Aufnahmen zu einem Gesamtbild zusammen – und das fast in Echtzeit“, sagt ISS-Forscher Thomas Wittenberg. Es entsteht ein Panoramabild der Blase, ganz ohne Schatten und optische Verzerrungen, das den Arzt bei seiner Diagnose unterstützt. Die Software soll in spätestens drei Jahren auf den Markt kommen.

Heimgerät für Herz-Kreislauf-Patienten erspart mühevolle Arztbesuche

Das Fraunhofer FIT präsentiert auf der Medica auch ein kompaktes Heimgerät, das Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen Teil der anstrengenden Arztbesuche ersparen soll. Zum System gehören Einmal-Kartuschen, die mit einem Fingerpieks Blut aufnehmen. „Die Blutprobe in der Kartusche wird im Heimgerät analysiert“, sagt Prof. Harald Mathis vom Fraunhofer FIT. „Möglich machen es miniaturisierte Sensoren, die in der Lage sind, die Zusammensetzung der Blutprobe bis auf Nanoebene zu messen.“

Der Patient kann auch tragbare Sensoren anschließen, die Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung messen und per WLAN an das System übermitteln. Es schickt die Daten über das Internet weiter an den Arzt. Eine Smartphone-App zeigt dem Patienten die Messergebnisse und auch das Feedback des Arztes an.

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Von Patrick Schroeder
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