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28.06.2013, 10:30 Uhr | 0 |

Flottenversuch "simTD" Vernetzte Autos sparen elf Milliarden Euro

Eines der größten Verbundprojekte der Automobilindustrie wurde letzte Woche erfolgreich abgeschlossen. Der Flottenversuch „simTD“ zeigte, dass jährlich volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe im Autoverkehr vermieden werden können. Und das Projekt bestätigte, dass die Technik für Fahrzeugkommunikation reif für die Serie ist.

Stau auf der Autobahn
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Stau auf der Autobahn: Rund 90 Prozent der Stadtbewohner in der EU sind einer Schadstoffkonzentration ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitsschädlich einstuft.

Foto: dpa

Sind Fahrzeuge flächendeckend miteinander und mit der Verkehrsinfrastruktur vernetzt, können in Deutschland volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von mehr als 11 Mrd. € jährlich vermieden werden. Dies zeigen die Ergebnisse des Flottenversuchs „simTD“, die am 20. Juni in Frankfurt am Main vorgestellt wurden.

Die einzusetzenden Investitionsmittel sind weitaus geringer. „Für jeden Euro, den wir für Vernetzung einsetzen, erzielen wir einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 8 €“, schätzt Ulrich Eichhorn, Technikgeschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie.

Allein die vermiedenen Unfälle schlagen in der Rechnung mit 6,5 Mrd. € pro Jahr zu Buche, geringere Umweltschäden fließen mit 5 Mrd. € in die Rechnung der Forscher ein.

Guido Zielke, Ministerialrat im Bundesverkehrsministerium, sieht den Nutzen der Vernetzung vor allem im flüssigeren Verkehr: „Die Infrastruktur hat nicht die notwendige Kapazität, um den wachsenden Verkehr aufzunehmen.“ Dem stimmt Florian Rentsch, Hessischer Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr, zu: „Wir brauchen innovative Systeme, um den kommenden Verkehr irgendwie zu bewältigen.“

Projekt "simTD" gehörte zu den größten Verbundvorhaben der Branche

Unter dem Kürzel „simTD“ oder auch „Sichere intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“ hat die Automobilindustrie seit 2008 die notwendige Technik entwickelt. Mit einem Volumen von 69 Mio. € gehörte das Projekt zu den größten Verbundvorhaben der Branche. Alle deutschen Automobilhersteller, einschließlich Ford und Opel, sowie die Zulieferer Bosch und Continental arbeiteten gemeinsam mit der Deutschen Telekom und sechs Forschungseinrichtungen.

Die breite Allianz war wichtig, weil sowohl die Kommunikationseinrichtungen in Fahrzeugen und Infrastruktur als auch Softwarearchitektur und Protokolle vereinheitlicht werden sollen.

Schon zu Beginn des Projekts hatte man sich darauf geeinigt, das Heil nicht allein in einem einzelnen Kommunikationsweg zu suchen. Vielmehr basiert simTD auf einer teilweise redundanten Struktur aus WLAN und Mobilfunk, um gleichzeitig kurze Reaktionszeiten in Gefahrensituationen und maximale Flächenabdeckung zu gewährleisten.

Schilderbrücken oder Ampeln nehmen Fahrzeugsignale auf

Da eine effektive Funktion nur gesichert ist, wenn eine Mindestzahl an Fahrzeugen mit der Technik ausgerüstet ist, um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen, setzt simTD darauf, die Straßeninfrastruktur ebenfalls mit Kommunikationstechnik auszurüsten. Schilderbrücken oder Ampeln sollen Fahrzeugsignale per WLAN oder Mobilfunk aufnehmen können. Die Anbindung der Infrastruktur an Verkehrsleitzentralen erfolgt über Glasfaserkabel oder, wo deren Verlegung zu hohe Kosten verursachen würde, über Mobilfunk.

Während des Versuchs, bei dem Fahrzeuge mehr als 1,7 Mio. km auf öffentlichen Straßen zurückgelegt haben, erwies sich die Technologie als robust. Beispielsweise erfolgte die Warnung vor einem Stauende in mehr als 97 % aller Fälle korrekt und rechtzeitig. Sicherheitskritische Funktionen wurden zudem auf einem Prüfgelände unter Laborbedingungen untersucht. „Die Funktionsfähigkeit wurde ausreichend nachgewiesen“, bestätigt Zielke, dessen Ministerium das Projekt mit 30 Mio. € gefördert hatte.

Warnung vor Stauende meistgewünscht

Insgesamt 19 verschiedene Funktionen haben die in das Projekt involvierten Ingenieure realisiert, sie reichen von der Warnung vor herannahenden Einsatzfahrzeugen bis hin zur Einblendung aktueller Tempolimits auf dem Fahrzeugdisplay. Für welche der Funktionen Kunden Geld auszugeben bereit wären, wurde innerhalb von simTD ebenfalls untersucht. Am besten schnitt dabei die Option „Warnung vor Stauende“ ab, die 78 % aller Versuchspersonen bezahlen würden. Auf Platz zwei landete der Ampelphasenassistent, wobei die Anzeige der Restrotzeit mit 75 % leicht besser abschnitt als die Anzeige der Geschwindigkeit, mit der eine „grüne Welle“ genutzt werden kann.

Bereits kurz vor der Präsentation hatte Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber angekündigt, die ersten Car-to-X-Funktionen bis 2015 in Serie zu bringen. „Mit der Car-to-X-Kommunikation haben wir eine Basistechnologie zur Marktreife entwickelt, die künftig eine neue Generation von Fahrerassistenzsystemen ermöglichen wird“, so Weber. „Das hilft uns auch bei der Weiterentwicklung unserer autonomen Fahrfunktionen.“

Um die Technik rasch in Serie zu bringen, setzt das Bundesverkehrsministerium auf eine Kooperation mit den Nachbarländern Niederlande und Österreich: Auf der 1100 km langen Strecke zwischen Rotterdam und Wien sollen bis 2015 alle Signalanhänger, die zur Warnung vor Tagesbaustellen eingesetzt werden, mit der simTD-Technik ausgerüstet werden. Damit würden die Informationen heutiger dynamischer Navigationssysteme deutlich aktueller.

Staatsminister Rentsch will mehr. Die Technik soll dazu dienen, die letzten starren Tempolimits des Bundeslandes zu eliminieren. Bei festen Schildern, so der Minister, handele es sich um „Technik aus der Steinzeit“. 

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Von Johannes Winterhagen | Präsentiert von VDI Logo
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