14.08.2014, 14:43 Uhr | 0 |

Revolution der Sprachassistenten Siri-Erfinder experimentieren mit Intelligenzmaschine Viv

Der neue Sprachassistent der Siri-Erfinder schlägt in der Künstlichen Intelligenz ein neues Kapitel auf: Viv soll komplexe Aufgabenstellungen lösen, indem sie Informationen mehrerer Internetdienste eigenständig verknüpft und ständig dazulernt. Zum Einsatz kommen soll sie auch in Autos und Fernsehern.

Als Apple 2011 mit dem iPhone 4S die Sprachassistentin Siri einführte, war die Aufmerksamkeit groß. Siri kann dazu aufgefordert werden, den Wecker für eine bestimmte Zeit zu stellen oder jemanden aus dem Adressbuch des Benutzers anzurufen. Sogar auf philosophische Fragen hat Siri mehr oder weniger witzige oder freche Antworten parat. „Das frage ich mich auch oft“, sagt die weibliche Stimme, wenn sie nach der Existenz Gottes gefragt wird. Schnell wurde aber auch deutlich, wo Siris Horizont endet. Denn etwas anderes als das, was ihr die Programmierer direkt vorgegeben haben, kann Siri nicht abrufen.

Viv empfiehlt auf dem Weg zum Abendessen einen Wein

Dag Kittlaus, Chris Brigham und Adam Cheyer, die Siri seinerzeit erfunden hatten und dann von Steve Jobs zu Apple geholt wurden, wollen nun ein gänzlich neues Kapitel aufschlagen und die Künstliche Intelligenz weiterentwickeln. Bei Apple sind sie längst nicht mehr, sondern haben im kalifornischen San Jose ihr eigenes Startup Viv Lab gegründet. Zwei Jahre lang arbeiteten sie in geheimer Mission an Viv. Dem amerikanischen Magazin Wired haben sie jetzt einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

Viv ist dazu in der Lage, die Informationen mehrerer Internetdienste abzurufen und intelligent miteinander zu verknüpfen. Spricht der Nutzer den Satz „Auf dem Weg zum Haus meines Bruders muss ich eine billige Flasche Wein kaufen, die gut zu Lasagne passt“ in sein Smartphone, erkennt Viv den Standort des Nutzers und kann über die Kontaktdaten auch auf die Adresse des Bruders zugreifen. Aus dem Netz holt sich die Assistentin die wichtigsten Zutaten für eine Lasagne – Käse, Fleisch, Tomatensauce – und findet Weinempfehlungen für das italienische Gericht, etwa einen Cabernet oder einen Pinot Noir aus dem Napa Valley oder von der Loire.

Anschließend wird Viv alle Läden ausfindig machen, die auf dem Weg zum Haus des Bruders liegen und Weine, gelistet nach Preisen, anbieten. Die gesamte Recherche dauert weniger als eine Sekunde und der Nutzer kann sich nun für eine bestimmte Flasche aus einem bestimmten Laden entscheiden.

Assistent könnte auch in Fernsehern oder Autos eingebaut werden

„Viv wird mehr wissen als das, was die Programmierer ihr beigebracht haben“, sagen die Viv Lab-Gründer. „Und sie wird jeden Tag dazu lernen.“ Als direkte Nachfolgerin oder Alternative zu Siri sehen sie Viv nicht. Die neue Sprachassistentin, so ihre Vision, könnte für viele Geräteklassen, vom Fernseher bis zum Auto, verfügbar gemacht werden. „Intelligenz wäre dann ein nützlicher Dienst wie Bluetooth oder Wi-Fi“, sagt Dag Kittlaus. „Wäre es nicht schön, wenn man mit den Dingen reden könnte und sie würden einen kennen und könnten alles tun?“

Bis es soweit ist, muss das Viv-Lab-Team den vorhandenen Prototypen auf seine Alltagstauglichkeit testen und den Algorithmus so entwickeln, dass die gestellte Frage oder Aufgabe sinnvoll aufgeschlüsselt und korrekt interpretiert wird. Denn je mehr Informationen von anderen Anbietern das System verarbeiten muss, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Viv am Ende keine smarten, sondern verwirrte Entscheidungen liefert.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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