28.08.2013, 09:59 Uhr | 0 |

Open Daylight Neue Netzwerkprotokolle sind noch in der Erprobung

Mit dem Aufkommen des SDN-Paradigmas verstärken sich die Bemühungen aller Beteiligten, die Technologie konsequent offen zu halten. Dieser Politik soll auch das Netzwerkprotokoll für Software-defined Networking namens Open Daylight folgen.

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Hauptsitz des weltgrößten Netzwerk-Ausrüsters Cisco Systems in San Jose, Kalifornien. 

Foto: dpa/Monica M. Davey

Für Netzgigant Cisco bedeutet die Idee Software-definierter Netze (SDN) eigentlich nicht unbedingt eine Freudenbotschaft. Steckt doch in den Routern des Marktführers mit ihren komplexen Protokollarchitekturen das Wissen von Jahrzehnten.

Wenn nun diese Netzelemente grundsätzlich von einer übergeordneten Kontrollebene logisch gesteuert werden, wie das OpenFlow, das derzeit bekannteste SDN-Protokoll, vorsieht, werden die Protokolle auf den Routern teilweise oder ganz obsolet, und man könnte jedes beliebige Netzequipment nutzen.

Allerdings sieht die OpenFlow-Praxis längst nicht so rosig aus. Denn die derzeit aktuelle Version 1.3 ist noch kaum implementiert und die genutzten früheren Versionen können vieles noch nicht. Applikationen wie Firewalling, Lastverteilung, Mandantenfähigkeit und mehr, was in leistungsfähigen Netzen von heute üblich ist, gibt es in OpenFlow nicht.

Im September sollen erst Codes zur öffentlichen EPL-Nutzung freigegeben werden

Wer heute komplexere Funktionen in OpenFlow-Netzwerken implementieren will, ist nach wie vor auf Router-Know-how angewiesen. OpenFlow kümmert sich zudem hauptsächlich um die Süd-Schnittstellen.

Es darf also nicht verwundern, dass im Frühjahr ein weiteres Gremium aus der Taufe gehoben wurde: Open Daylight ist prinzipiell offen für alle Projekte, die offene SDN-Technologien vorantreiben. Es kümmert sich aber derzeit vor allem um die Schnittstellen nach Norden, zu den Anwendungen, und will Automatisierungs- und Overlay-Funktionen ermöglichen. Unter Overlay wird hier die Verwaltung von Kommunikation und Zugriffsrechten unterschiedlicher virtueller Maschinen über eine einheitliche logische Schicht verstanden.

Die ersten Projekte sind quelloffene Software für einen SDN-Controller und Software, die diesen mandantenfähig macht. Schon im September sollen die ersten Codes zur öffentlichen Nutzung unter der sogenannten EPL (Eclipse Public License) freigegeben werden. Geplant, aber noch nicht projektiert ist auch Code für das Finden von OpenFlow-Elementen im Netz, für die einfache Definition von SDN-Datenströmen aus Anwendungen heraus, das übergreifende Switch-Management und den Zugriff auf den Controller, der die Netzwerkorchestrierungswerkzeuge verwaltet.

Frei verfügbare Protokolle

Es gibt auch eine weniger altruistische Betrachtungsweise der Open-Daylight-Gründung: Es handele sich um eine Maßnahme von Cisco, um die bedrohte Marktdominanz angesichts von OpenFlow mittels des Umwegs über das Gremium irgendwie aufrechtzuerhalten, behaupten Brancheninsider. Immerhin ist Cisco One ein umfassendes Konzept dafür, wie man OpenFlow in hochskalierbaren Netzwerken implementieren kann, so dass Durchgängigkeit von oben nach unten gewährleistet ist. Es wird in den Produkten des Herstellers implementiert.

Anfangs wurde Open Daylight von Cisco und IBM initiiert. Inzwischen hat sich das Gremium geöffnet. Ob Teile von Open Daylight irgendwann einmal standardisiert werden, steht in den Sternen. Immerhin stützt sich das Konsortium inzwischen durchgängig auf offene, also frei verfügbare Protokolle. ARIANE RÜDIGER

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Von Ariane Rüdiger | Präsentiert von VDI Logo
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