Mobilfunk Neue EU-Verordnung zu Handy-Kosten im Ausland
Ob Meeresrauschen an der Algarve, Wellness-Wochenende auf Lanzarote oder Geschäftsreise nach Shanghai – ohne Smartphone, Tablet oder Notebook geht in diesem Sommer niemand auf Tour. Doch vor allem das Surfen im Ausland kann teuer werden.
Die Arbeit der EU-Kommission stößt häufig auf Kritik. Die viel beschäftigten Beamten aus Brüssel können es niemandem recht machen. Aber diesmal ist alles anders: Die Begrenzung der Gebühren für die Nutzung von Handys, Smartphones oder mobilen PCs im Ausland wurde bisher höchstens von den betroffenen Mobilfunkanbietern kritisiert – kein schlechtes Signal für die Konsumenten zwischen Stockholm und Sevilla.
Handy-Anrufe aus dem Ausland kosten maximal 35 Cent/min
So greift ab 1. Juli in allen 27 EU-Ländern die vierte Stufe einer Verordnung, die das sogenannte Handy- und Daten-Roaming deutlich billiger macht als bisher. Ein Anruf in ein anderes EU-Land kostet dann nur noch maximal 35 Cent/min und ein ankommendes Telefonat höchstens 10 Cent/min. Wer gerne und oft SMS verschickt, darf ab Juli innerhalb der EU nur noch mit 11 Cent pro Kurznachricht zur Kasse gebeten werden. Selbst innerhalb Deutschlands ist der SMS-Versand für viele Vertragskunden deutlich teurer, was interessante Rückschlüsse auf die Kalkulation von Telekom, Vodafone & Co. zulässt.
Kosten-Airbag: Ganz neu ist in diesem Jahr die Kostenbremse für die Datennutzung: Teurer als 83 Cent pro MByte darf der Daten-Download für Kunden von Netzbetreibern, die ihren Sitz in der Europäischen Union haben, nicht werden. Auch die Preise für das Daten-Roaming sinken jetzt drastisch: „Die Betreiber streichen hier im Moment unverschämte Gewinne ein“, kritisiert die für die Digitalpolitik zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes.
Deshalb müssen Reisende ab 1. Juli außerhalb der EU eine automatische Warnung per SMS, E-Mail oder Pop-up-Meldung erhalten, sobald sie für Datendienste einen Rechnungsbetrag von 50 € erreicht haben. Um das mobile Internet weiter nutzen zu können, muss man dann ausdrücklich bestätigen, dass man diesen Betrag überschreiten will.
Handy-Kosten im EU-Ausland: Geschäftsreisende sparen bis zu 1000 Euro pro Jahr
Die EU-Experten haben errechnet, dass ihre neue Richtlinie einem durchschnittlichen Geschäftsreisenden innerhalb der EU eine Ersparnis von über 1000 € pro Jahr beschert. Und eine Familie, die ihren Jahresurlaub in einem anderen EU-Land verbringt, soll immerhin 200 € mehr in der Ferienkasse behalten.
Freies Roaming: Ab 1. Juli 2014 können sich die Kunden dann selbst nach einem besonders günstigen Roaming-Partner umsehen. Dadurch sollen die Mobilfunk-Netzbetreiber im besuchten Land einen Anreiz haben, Dienste nahe dem inländischen Preisniveau anzubieten.
Mit zunehmender mobiler Datennutzung sollen diese WLAN-ähnlichen Angebote nach den Plänen aus Brüssel zu dauerhaft niedrigeren Preisen und besserer Netzabdeckung führen. „Mit den Preisobergrenzen beim Datenverkehr haben wir einen Roaming-Markt für die Smartphone-Generation geschaffen“, freut sich Kroes. „Wir machen Schluss mit den überzogenen Rechnungen, die jeder kennt, der sein Mobiltelefon auf Auslandsreisen benutzt hat.“
Handy im Urlaub auslassen spart Kosten und bringt mehr Erholung
Öfter offline gehen: Noch mehr sparen können freilich Zeitgenossen, die im Urlaub öfter mal offline gehen. „Wer Mobiltelefon und Laptop im Urlaub anlässt, findet nicht den nötigen Abstand zum Alltag“, weiß Ulrike Roth von TÜV Rheinland. Die Folge sei, dass die erhoffte Erholung ausbleibe. Roth rät, Geschäftshandy und Laptop gar nicht erst in die Ferien mitzunehmen oder mit dem Arbeitgeber vorab eine klare Vereinbarung über die Erreichbarkeit zu treffen. In einigen Hotels und Ferienanlagen ist es außerdem möglich, Handy und Notebook für die Dauer des Aufenthalts an der Rezeption abzugeben. „Digital Detox“ – digitale Entgiftung – nennt sich dieser erholungsdienliche Trend, der sich in vielen Unternehmen aber erst seinen Weg bahnen muss.






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