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26.04.2013, 07:00 Uhr | 0 |

Kampf ums schnelle Internet Kabelunternehmen drängen immer stärker ins traditionelle Internet-Geschäft

Vectoring, so heißt das Zauberwort. Mit dieser Technik wollen DSL-Anbieter ihre Geschwindigkeiten kräftig nach oben schrauben. Doch noch sind sich Telekom und ihre Konkurrenten uneins darüber, wie die Regularien für die Technik, die am Kabelverzweiger spielt, aussehen sollen.

Schnelles Internet
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Kabelnetzbetreiber machen den Telekom-Unternehmen zunehmend Konkurrenz im schnellen Internet.

Foto: Unity Media

Die Zeit drängt. Immer stärker drängen die TV-Kabelanbieter in den Markt der schnellen Internetanbieter. Die Zahl der aktiven DSL-Anschlüsse bei Telekom, Vodafone & Co. nimmt seit dem 2. Quartal 2012 stetig ab. "Allein im 4. Quartal 2012 betrug die Zahl der effektiven DSL-Anschlussverluste 84 000", attestierte der Breitbandreport. "Zwar konnte der Marktführer, die Deutsche Telekom, die DSL-Kundenzahl stabil halten, allerdings erreiche sie im 4. Quartal nur noch ein vergleichsweise mageres Plus von 3000 neuen Verträgen." Kabel Deutschland und Unity Media trumpften dagegen im gleichen Zeitraum mit 84 000 bzw. 107 800 Neukunden auf.

Kabelnetzbetreiber machen den Telekom-Konzernen das Leben schwer

Neben dem Preis dürfte ein Verkaufsargument der Kabelnetzbetreiber die Bandbreite sein. Sie offerieren klassischerweise 100 Mbit/s im Downlink, während es DSL-Anbieter über das Kupferkabel auch mit ihrer besten Technologie, VDSL2+, nur auf die Hälfte der Geschwindigkeit bringen. Mit dem sogenannten Vectoring, hinter dem sich eine Art Störkompensation auf den verdrillten Kupferdoppeladern verbirgt, könnte die VDSL2-Technik noch einmal richtig Gas geben (siehe VDI nachrichten vom 30. 11. 12). Sie verspricht 100 Mbit/s im Downlink und satte 40 Mbit/s im Uplink – deutlich mehr als im Kabel.

Die Bundesnetzagentur will, so erklärte sie letzte Woche in einem ersten Entscheidungsentwurf, der Telekom und ihren Konkurrenten den neuen Ausbau an den grauen Kabelverzeigern (KVZ) erlauben. Die große Crux: An den aktuell rund 330 000 KVZ muss dann einer alleine die "Herrschaft" übernehmen – also entweder die Telekom oder ein Wettbewerber. Vectoring funktioniert nur bei Kontrolle sämtlicher Leitungen. Logisch, dass dort, wo zurzeit allen Zugang gewährt wird, Machtspiele drohen.

Kein Zugang mehr zur "letzten Meile"?

Dem Bundesverband Glasfaseranschluss, in dem sich mehrheitlich regionale Anbieter wie Netcologne organisiert haben, ist daher der Behördenentwurf ein Dorn im Auge. "Die Verpflichtung der Telekom, Zugang zur entbündelten letzten Meile am Kabelverzweiger zu gewähren, ist einer der zentralen regulatorischen Pfeiler für den Infrastrukturwettbewerb auf den Telekommunikationsmärkten", erklärt Geschäftsführer Wolfgang Heer. "Dieser Pfeiler wird mit dem vorliegenden Entwurf ... in seinen Grundfesten erschüttert." Für den Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) haben nun kleinere, regionale Anbieter "keinen echten Zugang mehr zur letzten Meile".

Vorsichtiger argumentiert dagegen der Branchenverband VATM, in dem sich die meisten Telekom-Konkurrenten formiert haben. Was allerdings, wenn der angekündigte Vectoring-Ausbau der Telekom an einem grauen Kasten dann doch nicht stattfinde? Das fragt sich Geschäftsführer Jürgen Grützner. "Am Schluss darf der Bürger nicht der Dumme sein. Wir brauchen klare Regeln."

Das fordert auch die Deutsche Telekom. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wäre die Telekom bereit, in den kommenden vier Jahren rund 24 Mio. Haushalte mit Vectoring zu versorgen", heißt es beim Bonner Riesen. 6 Mrd. € an Investitionen würde das dann bedeuten – vor allem in lukrative KVZ und weniger auf dem Land, wo es pro grauem Kasten weniger Anschlüsse gibt. Der Konkurrenz will man dann einen "Bitstream-Anschluss" zur Verfügung stellen. Noch bis zum 10. Mai wird der Regulierer das Für und Wider abwägen und dann eine Vectoring-Entscheidung fällen.

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Von Regine Bönsch | Präsentiert von VDI Logo
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