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27.08.2013, 12:39 Uhr | 0 |

Funktechnik EU-Studie: WLAN-Engpässe bremsen mobile Surfer aus

Ob per Smartphone oder Tablet - immer mehr Europäer, surfen im Internet, laden Filme, Musik oder Software herunter. All dies vollzieht sich bei zwei von drei Internetnutzern tagtäglich drahtlos über WLAN. Um die rasant steigende Nachfrage in Zukunft zu befriedigen, bedarf es zusätzlicher Funkfrequenzen, lautet das Ergebnis einer jüngsten Studie der EU-Kommission.

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Angesichts geringer Kosten der WLAN-Hotspots in Beruf und Freizeit verlagert sich die Nutzung moderner Mobilfunkdienste nicht nur im Freien, sondern auch am Arbeitsplatz immer stärker in die drahtlosen lokalen Netze.

Foto: Toshiba

Um die Versorgung mit leistungsfähigem LTE ist es in der EU im Vergleich zu den USA schlecht bestellt. Drei von vier Bürgern zwischen Lettland und Spanien haben auf dem Land oder im Umland zu Hause überhaupt keinen Zugang zur vierten Generation der Mobilfunktechnik. Urlauber, die am Strand von Sardinien oder in Kroatien Fotos von ihren Urlaubserlebnissen den Daheimgebliebenen simsen oder auf ihre Facebook-Seite stellen wollen, erleben oft ihr blaues Wunder. Der Frust vieler Jugendlicher ist groß: mit teurem Equipment ausgestattet, aber kaum moderne Netztechnik weit und breit in Europa.

Studie belegt Trend zu immer mehr WLAN

Auch die für die Digitale Agenda in der EU zuständige Kommissarin Neelie Kroes ist sauer: "Es ist frustrierend, wenn mein Telefon mitten in Brüssel den Dienst verweigert, weil wir hier nur UMTS haben. Und Millionen andere nervt das jeden Tag genauso wie mich."

Eine jüngste Studie der EU-Kommission belegt den Trend zu immer mehr WLAN, das in Ballungsgebieten gut zu Low-Budget-Konditionen zugänglich sein könnte. Im Jahr 2012 machten WLAN-Verbindungen von Smartphones und Tablets in der EU 71 % des gesamten drahtlosen Datenverkehrs aus. Bis 2016 wird erwartet, dass der Nutzungsgrad auf 78 % ansteigt.

Angesichts geringer Kosten der WLAN-Hotspots in Beruf und Freizeit verlagert sich die Nutzung moderner Mobilfunkdienste nicht nur im Freien, sondern auch am Arbeitsplatz immer stärker in die drahtlosen lokalen Netze. Die Autoren der EU-Studie raten daher, möglichst rasch EU-weit zusätzliche Funkfrequenzen verfügbar zu machen.

"Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Europäische Kommission mit zusätzlichen Frequenzen und weniger Regulierung an einer Ausweitung der WLAN-Nutzung offensiv mitwirkt", sagt die Kommissionsvizepräsidentin. Mobilfunknetze der dritten und vierten Generation seien für eine wirklich mobile Nutzung zwar unverzichtbar, aber die zum Betrieb dieser Netze notwendigen Frequenznutzungsrechte sehr teuer. Derzeit müssen die Nutzer in UMTS und LTE-Netzen noch hohe Preise bezahlen – z. B. beim Roaming im Ausland.

Mangelnde Frequenzzuteilungen in der EU

Überdies sind derzeit in weiten Teilen der EU die Netze wegen mangelnder Frequenzzuteilungen deutlich überlastet. "Alle Menschen in Europa sollten die Möglichkeit haben, ins Internet zu gelangen, auch wenn sie gerade nicht zu Hause oder am Arbeitsplatz sind", betont die Smartphone- und Tablet-Vielnutzerin Kroes.

Eine kombinierte Nutzung von WLAN-Zugangspunkten und anderen kleinzelligen Funkinfrastrukturen, die die herkömmlichen großzelligen Mobilfunk-Basisstationen ergänzen, könnten die bestehenden Netze entlasten, indem sie Rückführungskapazitäten außerhalb dieser Netze bereitstellen. Das sei sowohl für die Betreiber als auch für die Nutzer billiger.

Die Betreiber könnten so viele Millionen Euro einsparen, wenn sie ihre Netze ausbauen, um die Nachfrage ihrer Kunden zu decken. Die Verbraucher würden Geld sparen, wenn sie zu WLAN wechseln, sobald sie sich in der Nähe eines Hotspots aufhalten, anstatt für Mobilfunk-Datenverkehr zu bezahlen. Kleine WLAN-Funkzellen können auch die Reichweite der Netze erhöhen, beispielsweise an Orten mit schlechtem Empfang oder innerhalb großer Gebäude.

Drei von vier EU-Bürgern haben keinen LTE-Netzzugang an ihrem Wohnort

Die Studie empfiehlt weiter, den Frequenzbereich 5150 MHz bis 5925 MHz allgemein für WLAN bereitzustellen, das 2,6-GHz-Band und das 3,5-GHz-Band weiterhin vollständig für den Mobilfunkeinsatz vorzusehen.

Drei von vier EU-Bürgern haben keinen LTE-Netzzugang an ihrem Wohnort, und auf dem Land gibt es praktisch überhaupt keinen Zugang zur Mobilfunktechnik der vierten Generation. Dagegen können in den USA über 90 % der Bevölkerung moderne LTE-Netze nutzen. In den drei EU-Mitgliedstaaten Zypern, Irland, Malta gibt es überhaupt kein LTE-Netz. Beim Netzausbau liegen bisher Deutschland, Estland und Schweden an der Spitze.

Geld für raschen Netzausbau fehlt

Insgesamt wartet Europa mit kaum 5 % der weltweiten LTE-Verbindungen auf. "Das ist volkswirtschaftlich nicht vertretbar", sagt die Niederländerin Kroes. Angesichts der explodierenden Nachfrage nach Datendiensten hat die EU große Frequenzbereiche verfügbar gemacht, um den Bedarf der drahtlosen breitbandigen Hochgeschwindigkeitsnetze zu decken. Die eigentliche Zuteilung der Frequenzen erfolgt jedoch auf nationaler Ebene.

Vielen Mobilfunkbetreibern, die zum Teil für gigantische Summen Nutzungsrechte in Frequenzversteigerungen ersteigert haben, fehlt das Geld für einen raschen Netzausbau.

Auch angesichts der Fragmentierung in 28 nationale Märkte führt dies letztlich dazu, dass die Mobilfunkbetreiber sich außerstande sehen, eine EU-weite Mobilfunkstrategie zu verfolgen. Die erforderlichen Investitionen für den EU-weiten Ausbau von modernen Mobilfunknetzen werden auf 27 Mrd. € geschätzt. 

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Von Thomas A. Friedrich | Präsentiert von VDI Logo
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