31.10.2014, 12:52 Uhr | 0 |

Betreiber ist alarmiert Unbekannte Drohnen über französischen AKWs geben Rätsel auf

Äußerst mysteriös, was sich da in Frankreich zuträgt: Über Wochen hinweg sind Drohnen unerlaubt über sieben Atomkraftwerke des Landes geflogen. Und niemand weiß, was und wer dahintersteckt. AKW-Betreiber und Politik sind alarmiert. 

Das französische Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze
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Das französische Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze. Auch hier sichtete Sicherheitspersonal unbekannte Drohnen. Betreiber EDF ist alarmiert. 

Foto: dpa

Die undurchsichtige Geschichte fing bereits vor Wochen an: Am 5. Oktober überflog die erste Drohne ein französisches Atomkraftwerk. Das war im Südosten des Landes, über der Anlage Creys-Malville. Wachleute hatten das unbekannte Flugobjekt gesichtet. Bis zum 20. Oktober meldete das Personal dann weitere mysteriöse Drohnen-Flüge. Teilweise hunderte Kilometer entfernt über sechs anderen Atomkraftwerken: in Blayais im Südwesten, Cattenom and Chooz im Nordosten, Gravelines im Norden und Nogent-sur-Seine in der Nähe von Paris und in Bugey im Südosten. Meistens waren die Flugobjekte nachts oder in den frühen Morgenstunden unterwegs. Das teilte der Energieriese und AKW-Betreiber Electricité de France (EDF) am Donnerstag mit.  

AKW-Betreiber und Innenminister versuchen zu beruhigen

EDF hat bis diese Woche gewartet, um Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Der AKW-Betreiber wies ausdrücklich darauf hin, dass die Überflug-Serie ohne Folgen für die Sicherheit oder den Betrieb der Anlagen geblieben sei. Wer die Drohnen gesteuert haben könnte, wurde nicht gesagt. 

Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte im Rundfunksender France Info, es seien Abwehrmaßnahmen ergriffen worden, um die Flugkörper zu identifizieren und zu neutralisieren. Was er konkret unter neutralisieren versteht, ließ er im Dunkeln. Laut Berliner Zeitung erinnert die in Militärkreisen gebräuchliche Vokabel aber daran, dass Frankreichs Luftwaffe am Zuge ist. Denn sie ist für die Überwachung des Luftraums im Umfeld der AKWs zuständig. Dort ist jeder Luftverkehr im Umkreis von fünf Kilometern unter 1000 Meter Höhe untersagt.

Warnung vor Angriffen auf Atommeiler 

Die seltsamen Vorfälle geben viel Raum für Spekulationen. Etwa über mögliche Terroranschläge. Wie die Zeitung Die Zeit berichtet, hat ein Nuklearexperte in der Pariser Tageszeitung Le Parisien die Drohnen genauer eingeordnet. Demnach waren einige kleiner als ein Meter. Aber: „Andere, und das sei das Besorgniserregende, seien bis zu zwei Meter groß gewesen. Das heißt hinreichend groß, um explosive Last zu tragen“, sagte der Fachmann. 

Die Welt lässt Stéphane Lhomme zu Wort kommen. Er leitet das atomkritische Beobachtungsinstitut Observatoire nucléaire – und ist besorgt. Die Flugvorfälle würden zeigen, dass die  Atomkraftwerke einen wunden Punkt hätten, wenn mehrere Drohnen sie gleichzeitig attackieren würden. „Menschen mit bösen Absichten, beispielsweise terroristische Gruppen, könnten durchaus Angriffe auf Atomkraftwerke durchführen“, warnt Lhomme.

Greenpeace distanziert sich von Drohnen-Aktionen

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist beunruhigt. Zugleich stellte sie klar, nichts mit den mysteriösen Flügen zu tun zu haben. Was man annehmen könnte. Denn Greenpeace hat selbst einmal eine Drohne eingesetzt: Vor zwei Jahren filmten die Umweltschützer, wie einer ihrer Aktivisten mit einem motorisierten Paraglider über ein Atomkraftwerk flog und dort landete. Die Aktion sollte zeigen, wie leicht es ist, auf ein AKW-Gelände zu kommen und es theoretisch zu attackieren.

Frankreich hat insgesamt 19 Atomkraftwerke mit 58 Reaktoren. Alle werden von EDF betreiben. Das Land bezieht rund drei Viertel seines Stroms aus Atomkraft. Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil auf 50 Prozent gesenkt werden. 

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Von Lisa von Prondzinski
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