22.05.2015, 14:22 Uhr | 0 |

Montiert auf Langstreckenraketen Nordkorea besitzt angeblich fliegende Mini-Nuklearwaffen

Erschreckend, was die nordkoreanische Regierung behauptet: Angeblich hat sie Mini-Atombomben gebaut, die sich mit Langstreckenraketen befördern lassen. Alles nur Muskelwackeln?

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un beobachtet einen Raketentest
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Nordkoreas Diktator Kim Jong-un beobachtet einen Raketentest: Angeblich feuert ein U-Boot die Rakete ab. Viele Experten zweifeln aber an der Echtheit des Fotos und sprechen dem Land diese Technologie ab. Ebenso miniaturisierte Atombomben auf Langstreckenraketen.

Foto: dpa

Die nordkoreanische Regierung hat Mitte Mai die Meldung verbreitet, sie verfüge über die Fähigkeit, Nuklearwaffen derartig zu miniaturisieren, dass sie sich mit Langstreckenraketen ans Ziel befördern lassen. Diese Nachricht hat zahlreiche ostasiatische Länder und speziell die US-amerikanische Regierung alarmiert. Einige glauben, dass die Nordkoreaner lediglich angeben wollen. Es gibt aber eine Reihe von Fachleuten, die dem Land durchaus die Fähigkeit zu einer solchen technischen Entwicklung zusprechen. Nordkorea experimentiert schon seit vielen Jahren mit Raketen – teils, um die USA und seine Nachbarn, speziell Japan, zu beunruhigen. Teils, um die derzeit einzige exportfähige nordkoreanische Waffe potentiellen Abnehmern immer wieder in Erinnerung zu bringen.

US-amerikanischer Sicherheitsrat glaubt Nordkorea nicht

Das amerikanische Sicherheitsrat National Security Council hat überaus vorsichtig reagiert. Sein Sprecher, Patrick Ventrell, erklärte: „Wir glauben nicht, dass sie (die Nordkoreaner) diese Fähigkeit besitzen. Aber sie arbeiten an verschiedenen Langstreckenraketen, auch solchen mit interkontinentaler Reichweite, die sowohl unsere Alliierten als auch die USA bedrohen könnten.” Das nordkoreanische Militär hat daraufhin in einer Erklärung geantwortet: „Wir haben die Fähigkeit zur Miniaturisierung von nuklearen Sprengköpfen und entsprechenden Waffen schon seit geraumer Zeit. Wir können die Zielgenauigkeit nicht nur für Kurz- und Mittelstreckenraketen, sondern gerade auch für Langstreckenraketen ebenfalls seit längerem garantieren.”

Amerikanische Militärführung in Südkorea traut dem Norden viel zu

Ganz im Gegensatz dazu ist die amerikanische Militärführung in Südkorea durchaus von den technischen Fähigkeiten des Nordens überzeugt. Das gilt gleichermaßen für General Curti Scaparotti, den Befehlshaber aller amerikanischen Truppen in Südkorea, wie auch für Admiral Bill Gortney, den Chef des North American Aerospace Defense Command. Gortney hatte erst im April dieses Jahres erklärt, die Regierung in Pjöngjang könne durchaus eine Nuklearwaffe auf einem straßenmobilen Raketen-Startgerät befördern und dann die Rakete mit dem nuklearen Sprengkopf in die amerikanische Heimat abfeuern. Gortney erwartet allerdings, dass es der amerikanischen Raketenabwehr gelingen werde, die nordkoreanische Waffe abzuschießen.

Unsicher ist, welche Rakete die Nuklearwaffe zum Ziel befördert

Admiral Gortney geht davon aus, dass es sich um die KN-08 handeln dürfte, die schon mehrfach getestet worden ist. Andere Militärs halten die 80 Tonnen schwere Taepodong 2 Langstreckenrakete für wahrscheinlich.

David Albright, ein früherer Waffeninspektor der Vereinten Nationen, hat vor einigen Wochen gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender CNN erklärt, er gehe davon aus, dass Nordkorea schon zehn bis 15 Nuklearwaffen besitze und diese Zahl jedes Jahr zunehmen werde. Er geht außerdem davon aus, dass Pjöngjang durchaus schon jetzt Kurz- und Mittelstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen bestücken könne.

Miniaturisierung für Langstreckeneinsätze ist deutlich schwieriger

Bei Interkontinentalraketen dürfte das Land aber noch nicht ganz so weit sein. Dazu tragen viele Umstände bei. Zum einen muss die Nuklearwaffe die extreme Geschwindigkeit der Interkontinentalrakete aushalten. Dazu gehört auch, dass sie die scharfe Aufheizung beim Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre unbeschadet übersteht. Aber es herrscht bei den meisten amerikanischen Fachleuten kein Zweifel, dass die Nordkoreaner in absehbarer Zeit diese technischen Schwierigkeiten überkommen werden. Hier wird darauf verwiesen, dass das Land kürzlich sogar schon eine Rakete aus eigener Entwicklung von einem getauchten Unterseeboot aus abgefeuert habe. Andere Experten halten die Bilder dieser Tests hingegen für eine Fälschung.

Nordkorea arbeitet in der Raketenentwicklung mit sogenannten Trägheits-Navigationsgeräten, so wie das in den Vereinigten Staaten auch über sehr lange Zeit der Fall war. Jeffrey Lewis, Direktor des East Asia Nonproliferation Programs, geht davon aus, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis die Nordkoreaner ihre Interkontinentalraketen wirklich zuverlässig und präzise ins Ziel steuern könnten. Und ähnlich lange werde es auch dauern, bis von Unterseebooten gestartete Raketen die gleiche Präzision erreichen. Niemand aber äußert irgendwelche Zweifel, dass Nordkorea den eingeschlagenen Weg mit großer Zähigkeit und Entschlossenheit weiter gehen wird.

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Von Peter Odrich
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