21.08.2013, 15:59 Uhr | 0 |

Kernkraft Fukushima: Japanische Regierung fährt Betreiber in die Parade

Fast zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi greift die japanische Regierung direkt in die Sanierungsarbeiten ein. Sie hält den Kraftwerksbetreiber offenbar für überfordert.

Luftaufnahme des havarierten japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiichi
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Luftaufnahme des havarierten japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiichi.

Foto: dpa/Kyodo

Radioaktiv kontaminiertes Wasser aus den havarierten Reaktoren im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi fließt seit der Katastrophe ständig ins Meer. Bereits seit zwei Jahren sickere offenbar Wasser aus dem Komplex in den Pazifik, sagte ein Vertreter des Industrieministeriums am Mittwoch letzter Woche in Tokio.

Derzeit seien es schätzungsweise 300 t Wasser pro Tag, so ein japanischer Regierungssprecher. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe schaltete sich ein und warf dem Betreiber Tokio Electric Power Company (Tepco) vor, mit der Lage überfordert zu sein.

"Statt uns auf Tepco zu verlassen, wird die Regierung selbst Maßnahmen ergreifen", sagte Abe. Die Sache sei dringend, man müsse sich mit der Angelegenheit auf Regierungsebene befassen. Zunächst soll das ausströmende verseuchte Wasser auf 60 t pro Tag eingedämmt werden.

Täglich vermischen sich 400 Tonnen Grundwasser mit verseuchtem Kühlwasser

Von den Bergen oberhalb der strahlenden Ruine läuft nach Angaben von Tepco Grundwasser in den Komplex, etwa 400 t täglich, vermischt sich mit dem verseuchten Kühlwasser und sucht sich dann den Weg ins Meer.

Tepco hat erst versucht, das Wasser aus den Bergen umzuleiten; dann härtete man vor dem Meer den Küstenboden durch das Einspritzen von Natriumsilicaten künstlich, um so eine Sperre zu errichten. Doch das aufgestaute Wasser fließt inzwischen offenbar über diese Barriere ins Meer.

Erdreich soll eingefroren werden

Die japanische Atomaufsichtsbehörde erwartet weitere Schritt von Tecpo. Dies würde die Errichtung weiterer Barrieren im Boden beinhalten. Nach Angaben der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) in Köln soll der Boden um die Reaktorblöcke eins bis vier eingefroren werden. Dazu wolle Tepco auf 1,4 km Länge und in einer Tiefe zwischen 3 m und 4 m Rohre verlegen. Durch diese wolle man ein Kühlmittel pumpen und so das umgebende Erdreich einfrieren.

Das würde wie eine Barriere für das Grundwasser wirken. Das Verfahren ist beim Bau von U-Bahnen gegen Grundwassereinbrüche üblich, doch für diesen Zweck im großen Stil noch nicht erprobt.

Hinzu käme das Abpumpen von 100 t Wasser täglich. Doch die Dutzenden von Tanks, die inzwischen auf dem Reaktorgelände stehen, um radioaktiv kontaminiertes Wasser aufzunehmen, sind schon gut gefüllt.

Tepco räumte jetzt Verseuchung des Meeres ein

Nachdem das Unternehmen lange bestritten hatte, dass Wasser ins Meer fließt, räumte es jetzt die Verseuchung des Meeres ein. Tepco fehle "das Bewusstsein für Gefahr", klagte Shinji Kinjo von der japanischen Atomaufsichtsbehörde.

Die Kontamination des Wassers beruht vor allem auf Tritium sowie Strontium- und Cäsiumisotopen. Im Hafen innerhalb der Absperrungen hat Tepco nach eigenen Angaben vom vergangenen Sonntag Werte von 23 000 Bq/l für Tritium und 290 Bq/l an Betastrahlern gemessen.

Außerhalb der Absperrung, im eigentlichen Hafengelände, lägen die Messwerte sowohl für Tritium wie auch für die Betastrahler zwischen "nicht nachweisbar" und einige 10 Bq/l, berichtet die GRS, in 3 km Entfernung lägen die bisher veröffentlichten Werte unterhalb der Nachweisgrenze.

Bislang wurde geschätzt, dass die Sanierungsarbeiten rund 40 Jahre dauern und über 8 Mrd. € kosten werden. Das Nationale Institut für Industrielle Wissenschaft schätzt schon heute, dass am Ende die Kosten bis zu 44 Mrd. € betragen könnten, andere Quellen rechnen mit 11 Mrd. €.  rtr/swe

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Von Rtr/Stephan W. Eder | Präsentiert von VDI Logo
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