21.10.2013, 11:43 Uhr | 0 |

Milliardenprojekt in Südengland Franzosen und Chinesen bauen gemeinsam Kernkraftwerke in Großbritannien

Ein französisch-chinesisches Konsortium wird das erste britische Kernkraftwerk seit 1995 in Hinkley Point bauen. Einen entsprechenden Vertrag hat der britische Schatzkanzler George Osborne mit dem französischen Energiekonzern EDF und der China General Nuclear Group geschlossen. Das Kraftwerk soll 17,5 Milliarden Euro kosten. China will mit dem Projekt den Einstieg in den europäischen Markt für Kernenergie schaffen.

Atomanlage in Hinkley Point
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Neben den beiden vorhandenen Reaktoren im südenglischen Hinkley Point will der französische Energiekonzern EDF gemeinsam mit der China General Nuclear Group einen dritten Reaktor für 17,5 Milliarden Euro bauen. Der Bau ist so unrentabel, dass die britische Regierung einen hohen Einspeisepreis garantiert.

Foto: Wikimedia/Richard Baker

Bislang sind in Hinkley Point an der Küste Südenglands bereits zwei Reaktoren in Betrieb. Der dritte Reaktor soll 14 Milliarden Pfund, umgerechnet 17,5 Milliarden Euro, kosten. Angesichts dieses finanziellen Volumens war ein Vertragsabschluss davon abhängig, dass die britische Regierung finanzielle Garantien gibt. Denn beim aktuellen Strompreis ist das Kraftwerk nicht rentabel. Deshalb hat sich die britische Regierung verpflichtet, dem Betreiber einen hohen Einspeisepreis zu garantieren. Er soll doppelt so hoch liegen wie der aktuelle Marktpreis.

Französische Technik, größtenteils von China finanziert

Gebaut wird in Hinkley Point ein so genannter Europäischer Druckwasserreaktor, kurz ERP. Entwickelt wurde diese Technik von der Electricité de France (EDF), die derzeit mehrere Anlagen des neuen Typs baut, so auch in Taishan in Südchina, dort gemeinsam mit dem neuen Partner für Großbritannien, der China General Nuclear Group.

In Finnland hat EDF allerdings mit dem ERP-Reaktor großen Ärger: Der Bau des Reaktors in Olkiluoto hat sich so stark verzögert, dass die EDF keinen Fertigstellungstermin mehr nennen will. Die Kosten sind von drei auf derzeit acht Milliarden Euro gestiegen.

 

Noch ist China der Juniorpartner

Ungeachtet der Tatsache, dass China gegenwärtig 17 Kernkraftwerke in Betrieb hat und gleichzeitig 29 neue Anlagen baut, ist die chinesische Nuklearwirtschaft bei dem britischen Vorhaben der Juniorpartner. Die Mehrheit für Hinkley Point liegt bei EDF, die bisher schon mehrheitlich an den seit langen Jahren bestehenden britischen Kernkraftwerken beteiligt ist. Neben Zulieferungen und der Beteiligung an Planung und Bau wird die chinesische Seite aber einen großen Teil von Hinkley Point finanzieren. Ziel der China General Nuclear Group (CGN) ist es, über Hinkley Point den Einstieg in die westlichen Kernenergiemärkte zu finden. Ausdrücklich erwartet wird, dass die Chinesen bei späteren britischen Anlagen auch die Mehrheit halten können. Vorgesehen ist in Großbritannien der Bau von voraussichtlich sieben neuen Kernkraftwerken.

Für die Chinesen geht es aber auch noch um anderes. CGN ist nur einer von zwei großen Kernkraftkonzernen in der Volksrepublik China. Der Rivale, die China National Nuclear Corporation, drängt ebenfalls mit Macht ins Ausland. Sie baut derzeit ein erstes ausländisches Kernkraftwerk in Pakistan. Aber Pakistan ist kein Vergleich zu Großbritannien und kann damit auch nicht den Weg in die westlichen Märkte eröffnen.

Unter dem innerchinesischen Konkurrenzdruck muss CGN alles daransetzen, Hinkley Point zum Erfolg zu führen. Deshalb haben die chinesischen Verhandlungspartner auch so viel Gewicht darauf gelegt, nicht nur in den Bau und die Finanzierung, sondern gerade auch in den späteren Betrieb von Hinkley Point eingeschaltet zu werden.

Aus der britischen Industrie ist unter anderem Rolls-Royce am Bau von Hinkley Point beteiligt. Rolls-Royce ist Spezialist für Kleinst-Kernkraftanlagen, wie sie vor allem für die britischen nukleargetriebenen Unterseeboote benötigt werden.

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Von Peter Odrich
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