09.04.2013, 16:00 Uhr | 0 |

Pannen in Fukushima Bis zu 120.000 Liter radioaktives Wasser ausgelaufen

Die Pannenserie in der schwer beschädigten Atomanlage in Fukushima reißt nicht ab: Bis zu 120 000 Liter radioaktives Kühlwasser sind am Wochenende aus einem Tank ausgelaufen und zum Teil in den Boden eingedrungen. Heute gibt es weitere Berichte von einem Leck in einem unterirdischen Wasserreservoir.

Wassertanks Fukushima
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In den riesigen Tanks wird radioaktiv verseuchtes Wasser gelagert.

Foto: dpa

Erst am vergangenen Samstag hatte die Tokyo Electric Power Company (Tepco), der Betreiber des im März 2011 schwer havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, ein Leck in einem unterirdischen Sammelbehälter gemeldet. Am Sonntag gab es Hinweise auf ein weiteres mögliches Leck, bei Wasserproben wurden radioaktive Werte gemessen.

In den Abklingbecken lagern verbrauchte Brennstäbe

Wenige Tage zuvor war eines der Kühlsysteme des Abklingbeckens für verbrauchte Brennstäbe für drei Stunden ausgefallen. Nach einer Überprüfung wurde die Anlage nach Angaben von Tepco wieder in Betrieb genommen. Die Abklingbecken sollen ein Überhitzen der verbrauchten Brennstäbe und damit eine Kernschmelze verhindern. Laut Tepco dauert es etwa zwei Wochen, bis die Brennstäbe ohne funktionierende Kühlung überhitzen.

Auf dem Gelände lagern inzwischen insgesamt 270 Millionen Liter hoch radioaktiv verseuchtes Wasser in Hunderten riesigen Tanks. Das Wasser wurde benutzt, um vor zwei Jahren die geschmolzenen Reaktorkerne zu kühlen, nachdem ein Erdbeben und ein Tsunami das Strom- und Kühlsystem des Kraftwerks zerstört hatten. Bereits im März waren schon einmal vier Kühlbecken für 30 Stunden ausgefallen, nachdem eine Ratte einen Kurzschluss in der Schaltanlage verursacht hatte. Insbesondere die sieben unterirdischen Tanks bereiten Tepco Probleme.

Es fehlen Lagerkapazitäten für das radioaktive Wasser

Der beschädigte Tank liegt 800 Meter von der Küste entfernt. Nach Angaben von Tepco sei es unwahrscheinlich, dass verseuchtes Wasser ins Meer gelangt. Nachdem man nach den Pannen am Wochenende damit begonnen hatte, das restliche Wasser aus dem beschädigten Tank Nummer 2 abzupumpen, wurde dies jetzt gestoppt. Auch der Tank Nummer 1, in den das Wasser umgefüllt werden sollte, scheint ein Leck zu haben.

Tepco erklärte, dass man das Vertrauen in die unterirdischen Wassertanks verloren habe, aber vorerst keine anderen Möglichkeiten sehe, das radioaktive Wasser zu lagern. „Wir können nicht das gesamte kontaminierte Wasser in überirdischen Tanks  lagern, weil wir einfach nicht genügend Kapazitäten haben“, sagte Tepco Manager Masayuki Ono.

Für nächste Woche ist in Fukushima der Besuch einer internationalen Abordnung von Vertretern der Atomenergie geplant. Die Abordnung mit zwölf Personen ist die dritte ihrer Art seit dem Unglück vor zwei Jahren. Ein vorläufiger Bericht wird für den 22. April 2013 erwartet.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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