26.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Informationstechnik Server: Erfolg durch Flexibilität

Im Servermarkt deutet sich der Trend an, dass Hersteller immer stärker auf anwendungsspezifische Designs setzen, um den wachsenden Anforderungen zu begegnen. Oracle baut auf Verzahnung von Anwendungssoftware und Hardware, HP arbeitet mit verschiedenen Chipanbietern an maßgeschneiderter Hardware.

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Aus solchen Cartridges bauen sich die Moonshot-Systeme von HP auf. Der Prozessor steckt unter der Kühlfläche.

Foto: HP

Aus solchen Cartridges bauen sich die Moonshot-Systeme von HP auf. Der Prozessor steckt unter der Kühlfläche. Foto: HP

Derzeit stehen die Serverhersteller unter Druck: Virtualisierung und Cloud-Computing als wichtigste Trends lassen allenthalben die Absatzzahlen einbrechen, den Rest besorgt der Margendruck. Die Serverspezialisten versuchen, mit Neuentwicklungen gegenzuhalten. Ein wichtiger Trend ist dabei die Optimierung der Serverhardware auf die Ansprüche spezieller Applikationen. Außerdem werden immer mehr Funktionen auf den Prozessorchips integriert. Dabei können diese Entwicklungen zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen führen, wie aktuell die Beispiele Oracle und Hewlett-Packard (HP) zeigen.

Oracle stellte die nächste Generation seiner T-Serie-Prozessoren, T5, vor. Die noch vom vor einigen Jahren übernommenen Hardwarehersteller Sun stammende Technik steckt aktuell in drei Serverserien und einigen anderen Systemen von Oracle sowie in den M10-Systemen von Fujitsu. Der japanische Hersteller kooperiert bei der Prozessorentwicklung seit vielen Jahren mit Sun, die Systeme sind hardwaretechnisch baugleich mit den entsprechenden Oracle-Produkten.

Beim T5 bleibt die Oracle-Hardwaredivision den noch von Sun stammenden Prinzipien treu: Jede neue Hardwaregeneration soll mindestens doppelt so viel leisten wie der Vorgänger, in diesem Fall T4. "Wir halten mit dem System 17 Weltrekorde für unterschiedliche Benchmarks, unter anderem beim Spec-Benchmark für die reine Prozessorleistung", betonte Armin Müller, verantwortlich für den Hardwarevertrieb in Nordeuropa. Management, Virtualisierungstechnologien und vieles mehr sind bei Systemen mit T4 und T5 gleich, so dass sich sogar Echtzeitmigrationen zwischen beiden Systemtypen durchführen lassen.

Der T5 arbeitet mit 3,6 GHz Taktfrequenz, hat 16 Prozessorkerne (Cores) und bewältigt bis zu 128 Verarbeitungsprozesse (Threads) gleichzeitig, wobei es möglich ist, bestimmte Threads, die wegen ihres Ablaufs sonst andere blockieren würden, herauszufinden und gezielt auf verschiedene Cores zu legen, so dass sie den weiteren Betrieb nicht stören. Auf dem Chip sind auch Speichercontroller und Bus-Schnittstellen sowie alle wichtigen Kryptoalgorithmen in der Hardware untergebracht. "Damit bedeutet Verschlüsselung keine Verzögerung mehr", betont Rick Hetherington, Vice President Hardware Development bei Oracle, der die T-Serie von Anfang an entwickelte. Der Energieverbrauch des T5 liegt in etwa bei dem des T4.

Oracle setzt auf intensive Verzahnung von Hardware und Anwendungen und möchte seinen Kunden aus dem gehobenen Mittelstand, bei Banken, Telekommunikationsunternehmen etc. am liebsten eine geschlossene Umgebung mit Speicher, Vernetzung und Applikationen verkaufen.

HPs neues Serverkonzept namens Moonshot geht einen anderen Weg: Der Hersteller setzt nicht mehr auf Standard-Intel-Prozessoren, sondern kooperiert mit mehreren Anbietern innovativer Prozessordesigns, u. a. mit Intel (Atom), ARM, TI, Calxeda und Applied Microsystems. Langfristziel ist es, anwendungsspezifische Systeme zu bauen, deren Hardwareausstattung auf Basis eines gleichbleibenden Infrastrukturgerüsts genau auf den Bedarf einer bestimmten Anwendung zugeschnitten ist – auch auf Kundenwunsch. HP spricht hier von "Software Defined Servern".

"Wir gehen allerdings davon aus, dass sich ein solches neuartiges Konzept nur schrittweise im Markt durchsetzen kann, und wir stehen jetzt ganz am Anfang", betont Johannes Horneck, Business Development Manager Datacenter Solutions bei HP.

Technologisch sind die Moonshot-Systeme in mehrfacher Hinsicht innovativ. Sie bestehen aus dem Moonshot-1500-Chassis samt Lüftern, Stromversorgungen und Außenverbindungen als Standardkomponenten. Dazu kommen sogenannte Cartridges, von denen in das jetzt vorgestellte System insgesamt 45 Stück passen. Auf diesen Cartridges befindet sich ein zentraler Systemchip (SoC, System on a Chip) mit Prozessor, Netz- und Speicherschnittstellen sowie spezifischer Software (bei TI-Prozessoren z. B. für die digitale Signalverarbeitung). Dazu kommen der Arbeitsspeicher, derzeit 8 GByte pro Prozessor, der nicht erweiterbar ist, und eine Festplatte, aktuell mit einem Volumen von 500 GByte. Geplante Cartridges sollen beispielsweise Speicher für den PCIe-Bus oder mehrere Prozessoren enthalten.

Jedes Chassis enthält drei separate, fest verdrahtete, blockierungsfreie Kommunikationsinfrastrukturen: eine für die Daten-, eine für die Speicher- und eine für die Managementkommunikation. Zentrales Element der internen Datenkommunikation sind zwei redundante Switch-Cartridges, an die jede andere Cartridge redundant angebunden ist. Die Cartridges kommunizieren derzeit über Gigabit-Ethernet, eine Migration auf 10-Gbit/s-Ethernet ist aber geplant.

Als erstes, in Deutschland ab dem späten Frühjahr verfügbares System stellte HP einen Proliant Moonshot auf Basis von Intels Atom-Chips vor, der speziell auf die Bedürfnisse von Rechenzentrumsdienstleistern zugeschnitten ist. Das System hat ausschließlich Prozessor-Cartridges und wird um die 50 000 € kosten. Vertrieben wird es über die zertifizierten Serverpartner, wobei HP Partner sucht, die auf diese Art Kunden spezialisiert sind.

"Wir können mit Moonshot bis zu 1800 Server in einem Rack unterbringen. Dafür brauchen wir 89 % weniger Energie, 80 % weniger Platz und kosten 77 % weniger als die gleichen Systeme auf Basis z. B. eines DL360-Servers", sagt Mattias Malm von HP in Deutschland. 
  ARIANE RÜDIGER

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Von Ariane Rüdiger | Präsentiert von VDI Logo
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