03.06.2014, 09:49 Uhr | 0 |

Statistiker errechnen Weltmeister Deutschlands Wahrscheinlichkeit auf den WM-Titel liegt bei 13,4 Prozent

Zehn Tage vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien bekommen es Fans schwarz auf weiß: Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland die WM gewinnt, liegt bei 13,4 Prozent. Das zumindest behauptet Prof. Achim Zeileis. Der Statistiker der Universität Innsbruck hat auch gleich noch den wahrscheinlichsten Sieger errechnet. 

Fanmeile in Berlin während der Europameisterschaft 2012
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Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin während der Europameisterschaft 2012: Jetzt haben Informatiker der Universität Innsbruck die Siegchancen aller Teams bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien errechnet. Danach wird Brasilien klar der nächste Weltmeister.

Foto: dpa

Obwohl eine Siegwahrscheinlichkeit von 13,4 Prozent Fußballfans nicht gerade die Füße wärmen dürfte, liegt Deutschland mit dieser Quote immerhin auf Platz drei in der Triumphtabelle. Vor Joachim Löw und der Nationalelf stehen nur noch Argentinien (15,8) und der wahrscheinlichste Sieger der WM: Gastgeber Brasilien mit deutlichen 22,5 Prozent.

Deutschland  hat mit seinen 13,4 Prozent Wahrscheinlichkeit auf den Titel die ärgsten Konkurrenten in Europa aber klar distanziert. So kommt Angstgegner Italien auf den überraschend niedrigen Wert von nur 3,5 Prozent. Auch Frankreich wird mit Bayerns angeschlagenem Superstar Franck Ribéry wird sich über magere 3,8 Prozent nicht freuen. Zumal das kleine Belgien als Insidertipp mit 4,8 Prozent gelten darf. Und doch liegt ein Team knapp hinter den Deutschen: Dem amtierenden Welt- und Europameister Spanien trauen die Innsbrucker Informatiker mit einer Wahrscheinlichkeit von 11,8 Prozent zu, ihren Titel auch in Brasilien zu verteidigen.

Statistiker nutzen Buchmacherquoten als Rechenbasis

Hinter den Berechnungen steht das sogenannte Buchmacher-Konsensus-Modell. Statistiker Achim Zeileis greift dabei auf die Quoten von 22 Online-Wettanbietern zurück und kombiniert diese mit komplexen statistischen Rechenmodellen. „Buchmacher setzen ihre Quoten basierend auf möglichst wahrscheinlichen Ergebnissen fest“, erklärt Zeileis. „Als Experten berücksichtigen sie nicht nur historische Daten, sondern auch kurzfristige Ereignisse wie zum Beispiel Verletzungen.“

Die Quoten müssen Zeileis und sein Team allerdings bereinigen. Denn die Buchmacher definieren sie so, dass sie den tatsächlichen Ergebnissen möglichst nahe kommen, gleichzeitig aber auch ihre Gewinne sichern. „Die Quoten müssen zunächst um die Aufschläge der Buchmacher bereinigt werden“, so Zeileis. „Dann können wir daraus Wahrscheinlichkeiten ableiten.“

Wahrscheinlichstes Finale ist Brasilien gegen Argentinien

Die Statistiker berechnen auch, wie wahrscheinlich es ist, dass ein beliebiges Team gegen ein anderes gewinnt. Wir modellieren nicht nur den Sieger, sondern können jede denkbare Spielkonstellation darstellen“, sagt Zeileis. Bei diesen Modellen gewinne Brasilien als einziges Team gegen deutlich mehr als die Hälfte aller anderen Teams mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent. „So können wir auch für jede der acht Gruppen jene Mannschaft ermitteln, für die ein Aufstieg am wahrscheinlichsten ist, und landen letztlich beim wahrscheinlichsten Finale.“ Und das lautet Brasilien gegen Argentinien.

Informatik-Prof. Zeileis hat letzten Europameister richtig berechnet

Das Buchmacher-Konsensus-Modell hat übrigens die Feuertaufe schon hinter sich. Die Statistiker haben 2010 den Weltmeister und 2012 den Europameister richtig vorhergesagt. „Unser Modell hat im Vergleich zu allen anderen den Vorteil, dass es sowohl Gewinn- als auch Überlebenschancen für jede einzelne Mannschaft liefert“, sagt Zeileis. „Von einer 100 Prozent sicheren Prognose sind wir aber weit entfernt.“ 

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Von Patrick Schroeder
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