13.06.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Evacuator aus Holland Mechanische Seilwinde rettet Menschen aus brennenden Hochhäusern

Als sie die Bilder der Menschen sahen, die aus dem brennenden World Trade Center sprangen, kamen zwei niederländische Erfinder auf eine Idee: Sie entwickelten eine Seilwinde, mit der sich Menschen aus brennenden Gebäuden retten können. Der sogenannte Evacuator funktioniert rein mechanisch und somit auch bei Stromausfällen.

Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001
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Es waren schockierende Bilder vom 11. September wie diese, welche Eugene Verstegen und Joris Veeger zur Erfindung des Evacuators veranlassten. Mit der Seilwinde können sich Menschen im Notfall entlang der Gebäudefassade zum Boden herablassen.

Foto: dpa

Es waren die schrecklichen Bilder von sich aus dem brennenden World Trade Center stürzenden Menschen, die die beiden niederländischen Erfinder Eugene Verstegen und Joris Veeger auf ihre Idee eines ultimativen Rettungsmittels brachten. „Wenn man in großer Höhe lebt oder arbeitet, muss man jederzeit in der Lage sein, nach draußen zu gelangen. Wir können Menschen auf den Mond bringen. Warum aber gibt es keine einfache Lösung für die Evakuierung aus großen Höhen?“, fragten sie sich und erfanden kurzerhand den Evacuator.

Denn das hat dieser schreckliche Terroranschlag gezeigt: Im Ernstfall sind Aufzüge wegen der automatischen Stromabschaltung nicht mehr zu benutzen und die Nottreppen wegen Feuer und Rauch unpassierbar. Der einzige Ausweg ist entlang der Außenfassade. Genau das leistet der Evacuator. Im Brandfall können sich Menschen kontrolliert per Seilwinde zu Boden abseilen. Das Abseilen erfolgt automatisch mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde.

Feuerfeste Seilwinde funktioniert auch ohne Strom

Der Evacuator ist eine schlichte feuerfeste Stahlseilwinde, die jederzeit einsatzfähig bleibt, selbst bei einem Stromausfall – sie funktioniert rein mechanisch, ohne Motor. Mit dem Gerät können sich gleichzeitig vier Personen mit einem Gesamtgewicht von 254 Kilogramm aus bis zu 300 Metern nach unten abseilen. Die gebremste Abwärtsbewegung geschieht automatisch in einem Sicherheitsgeschirr. „Was der Airbag für Fahrzeuge ist, ist der Evacuator für Hochhäuser. Mit dieser Technologie können wir in 99 Prozent aller Hochhäuser dieser Welt Leben retten“, sagt Verstegen selbstbewusst.

Es gibt den Evacuator derzeit in drei Varianten zu kaufen: Typ eins hat eine Seillänge von 50 Metern und verfügt über vier Seiltrommeln. An jeder Seiltrommel können sich vier Menschen mit Karabinern einhaken. Es können sich also maximal 16 Personen retten. Beim Typ zwei reicht das Seil 140 Meter weit, besteht aus zwei Trommeln und kann für acht Menschen das ultimative Rettungsmittel sein. Typ drei besteht aus nur einer Trommel. Auf dieser ist ein 300 Meter langes Stahlseil aufgewickelt, welches im Ernstfall vier Menschen das Leben retten kann.

Evacuator erhält Zulassung in 33 europäischen Ländern

Die beiden Erfinder haben den Weg von der Idee bis zum Produkt in den Niederlanden zurückgelegt. Mit Hilfe der TSG-Group aus Eindhoven wurde ihr Evacuator bis ins kleinste Detail durchkalkuliert, modelliert und getestet. Jetzt hat das Rettungsmittel die uneingeschränkte Zulassung durch die deutsche Prüfstelle Dekra mit Sitz in Stuttgart und die Zertifizierung gemäß EN 341 in 33 europäischen Ländern erhalten. Der Evacuator ist in 70 Farben lieferbar, von beruhigendem Blau über deeskalierendes Grün hin zum grellen Signalrot. Als Zubehör sind verschiedene Haltesysteme lieferbar, vom schlichten Vierer-Karabiner-Gespann bis zum Anzug mit Signalweste.

Laut Herstellerfirma ist der Evacuator für jeden geeignet, für Jung und Alt und auch für Menschen mit Behinderung gleichermaßen. Selbst Haustiere können mit dem Seilwindensystem in Sicherheit gebracht werden.

Die Erfinder wollen den Evacuator auf der International Tall Building Fire Safety Conference der University of Greenwich vom 17. bis zum 20. Juni 2014 in London vorstellen. Dazu wurden sie vom gastgebenden Professor Ed Galea eingeladen, dem Gründer und Direktor der Fire Safety Engineering Group (FSEG) an der University of Greenwich. „Als wir ihm den Evacuator zeigten, war er so begeistert, dass er uns eingeladen hat, damit wir das Gerät demonstrieren können“, berichtet Verstegen begeistert.

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Von Detlef Stoller
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