12.09.2016, 10:40 Uhr | 0 |

Im Fenster versteckt Diese Heizung im Raum können Sie nicht sehen, nur die Wärme fühlen

Heizkörper sehen nicht gerade schön aus. Auffallen sollen sie in der Wohnung schon mal gar nicht. Ein Berliner Start-up hat nun eine überraschende Alternative erfunden: die unsichtbare Heizung – versteckt im Fenster.

Vestaxx: Unsichtbare Heizung im Fenster
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Hier ist es aber schön warm – und das kommt nicht vom Sonnenschein: Das Startup Vestaxx integriert Heizsysteme in Fenster. Dazu wird die Fensterinnenseite mit einer hauchdünnen leitfähigen Metallschicht versehen und in den Rahmen ein Steuerungssystem integriert.

Foto: Vestaxx

Die Idee, Fensterscheiben als unsichtbare Heizung zu nutzen, hatten die Gründer der Firma Vestaxx. Mit nanotechnologisch aufgebrachtem Metalloxid bringen der Materialwissenschaftler Bradley Tinkham und der Elektroingenieur Andreas Häger die Fenster zum Heizen. Dazu wird die Innenseite mit einer hauchdünnen metallischen Schicht versehen, die 1000 Mal dünner ist als das menschliche Haar.

Im oberen Profil des Fensterrahmens sind entsprechende Sensoren eingebaut, über die die Steuerung läuft. Dazu ist Strom nötig. Schließt man das System ans Netz an, erwärmt sich diese Schicht – und zwar sofort. Schwerfällige Angänge wie bei Fußbodenheizungen sind damit Schnee von gestern. Regulieren kann man die Fensterheizung entweder über einen Drehknopf, per WLAN oder ferngesteuert über eine App. Und was geschieht beim Lüften? Die Erfinder haben bei ihrer Fensterlösung natürlich auch daran gedacht: Das Heizungssystem schaltet sich bei geöffnetem Fenster automatisch ab. „Smarte Komfortheizung 4.0“ nennt sich das.

Auf Dauer günstiger

Die Gründer sind – wie es sein sollte – ganz Feuer und Flamme für ihre Erfindung und betonen die Vorteile: Sie bieten nicht nur eine raumsparende Alternative, auch liegen nach ihren Angaben die Investitionskosten bis zu 85 % niedrigerer als bei anderen Heizungen. Allerdings: Die Betriebskosten sind höher, weil Strom teurer ist als Gas oder Öl. Aber auch das ist kein echtes Gegenargument: Denn über die gesamte Lebensdauer sei die Fensterheizung immer noch um die Hälfte günstiger als alternative Heizungen, sagen die Erfinder.

Denn Wärme gehe wegen der Isolation mit zwei Wärmefunktionsschichten kaum verloren. „Der Wirkungsgrad ist mit 92 Prozent recht hoch“, sagte Andreas Häger der Wirtschaftswoche. Und wenn es draußen heiß ist, kann das Fenster zusätzlich auch noch verschattet werden. Dazu dient das Anbringen eines elektrochromen Schichtverbundes.

Testlauf in Berlin

Noch ist das Fenstersystem nicht serienreif. Es wird aber schon in einem Berliner Bürogebäude erprobt. Dort wurde ein Konferenzraum mit den speziellen Fenstern ausgestattet. Jetzt soll getestet werden, wie viel Energie in der Praxis damit tatsächlich eingespart werden kann. Gerade für Bürohäuser mit großen Fensterflächen könnte sich dieses System rechnen – wenn es hält, was es verspricht. Die Erfinder hoffen ihre unsichtbare Heizung schon Anfang des nächsten Jahres auf den Markt zu bringen. Noch suchen sie aber nach Investoren.

Kluge Fensterscheiben wechseln ihre Tönung

Auch US-Forscher sind schon auf die Idee gekommen, Glasscheiben zu beschichten. Ihr Ziel: Der Hausbewohner kann selbst die Helligkeit, Farbtemperatur und Durchsichtigkeit der Fenster bestimmen.

Die Struktur der US-Forscher kann in die Scheibe integriert oder nachträglich aufgebracht werden. Mehr dazu finden Sie hier.

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Von Lisa von Prondzinski
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