05.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Gebäudetechnik Brennstoffzellenheizgeräte mit neuer Kraft

Die Markteinführung von stationären Brennstoffzellenheizgeräten für den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung in Einfamilienhäusern bekommt in Deutschland neue Unterstützung durch Bosch Thermotechnik und Viessmann. Die beiden Heiztechnik-Unternehmen setzen dabei auf Technik aus Japan (Aisin Seiki bzw. Panasonic). Viessmann ist zudem ein Joint Venture mit Hexis aus der Schweiz eingegangen.

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Viessmann und Bosch bringen neuen Wind in die Kraft-Wärme-Kopplung für Einfamilienhäuser.

Foto: Weberhaus

Sie gelten als Innovation für den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) im Einfamilienhaus-Segment: Brennstoffzellenheizgeräte mit bis zu 1 kW elektrischer und rund 2 kW thermischer Leistung.

Neue Unterstützung erfährt die Technologie nun durch die beiden Heiztechnikunternehmen Bosch Thermotechnik GmbH (mit den Marken Buderus, Junkers, Nefit, e.l.m. leblanc sowie Worcester) und Viessmann. Beide hatten sich schon in der Vergangenheit mit der Entwicklung von Brennstoffzellenheizgeräten beschäftigt – Buderus bis Ende 2005 gemeinsam mit RWE Fuel Cells und IdaTech, Viessmann mit einer eigenen Entwicklung bis 2008. War es zuletzt ruhig geworden, so melden sich beide Hersteller nun wieder zurück.

So präsentiert Bosch Thermotechnik derzeit ein neues Brennstoffzellenheizgerät mit je 0,7 kW elektrischer und thermischer Leistung, das auf einem in Japan bereits verfügbaren Modul von Aisin Seiki in Festoxidtechnik beruht.

Ab Mitte kommenden Jahres werden rund 70 Anlagen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden installiert, berichtet Uwe Glock, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Thermotechnik. Derzeit rechnet er mit einer Markteinführung in 2016.

Angesichts eines zu Beginn noch relativ hohen Preisniveaus werde es sich noch um eine Art Nischendasein handeln. "Ich erwarte erst nach 2020 wirklich deutliche Stückzahlenzunahmen – wenn mit der nächsten Generation die Kosten systematisch nach unten gehen", so Bosch-Thermotechnikchef Glock.

Viessmann fährt technologisch gesehen zweigleisig – sowohl mit Festoxidbrennstoffzellen (SOFC) als auch mit Polymer-Elektrolyt-Membran-Brennstoffzellen (PEM). Hatte man im Bereich der Mikro-KWK zunächst die Entwicklung mit einem Stirlingmotor verfolgt, erweitert man mit einer Beteiligung an Hexis und einer Kooperation mit Panasonic das Produktportfolio gleich um zwei Brennstoffzellentechnologien.

"Die SOFC eignet sich insbesondere für den Einsatz im Gebäudebestand mit höherem Wärmebedarf, die PEM für Gebäude mit geringerem Energiebedarf, also im Neubau", erläutert Walter Bornscheuer, Leiter Technologie bei Viessmann.

Viessmann und Panasonic haben die gemeinsame Entwicklung eines auf europäische Marktbedingungen angepassten Systems auf PEM-Basis mit 0,75 kW elektrischer und 1 kW thermischer Leistung vereinbart. Panasonic habe in Japan schon über 20 000 Anlagen verkauft, betont Bornscheuer. Hierzulande sei nun geplant, noch in diesem Jahr mit etwa 50 Geräten in den Feldtest zu gehen. "Wir werden dann 2014 eine begrenzte Markteinführung vornehmen."

Viessmann-Cheftechnologe Bornscheuer beklagt noch fehlende Randbedingungen für die erfolgreiche Vermarktung. "Die Entwicklungsziele in Hinblick auf Robustheit, Wirkungsgrad und Dauerhaltbarkeit sind zwar erreicht, doch die Kosten sind noch nicht so weit, dass es sich für einen Endkunden rechnet."

Mit dem SOFC-System von Hexis (1 kW elektrische und 1,8 kW thermische Leistung) werde man frühestens 2016 in den Markt gehen, erklärt Bornscheuer.

Hexis, 1997 von Sulzer in der Schweiz gegründet, war seit 2006 im Besitz der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte. Hier hat Viessmann nun jüngst in einem Joint Venture 50 % der Unternehmensanteile an Hexis erworben, erläutert Joachim Janssen, Mitglied des Viessmann-Verwaltungsrats. Gemeinsam mit der Schweizer Stiftung wolle man das Brennstoffzellenheizgerät "nach vorne bringen und marktreif machen". Wobei sich Viessmann in diesem Joint Venture vor allem als Vertriebspartner sehe.

Hexis habe bereits rund 150 Brennstoffzellenheizgeräte im Feldtest, bestätigt Vertriebs- und Marketingleiter Volker Nerlich. Das Konzept des Systems werde zunächst so bleiben. Für künftige Entwicklungen arbeite man zusammen.

"Die Vermarktungsstrategie von Hexis wird modifiziert, aber nicht grundsätzlich geändert", erläutert Nerlich. So halte Hexis auch an der für dieses Jahr angekündigten "Pilot-Markteinführung" fest. Diese werde regional begrenzt stattfinden und sich parallel mit dem Aufbau der Produktions- und Servicekapazität von Hexis entwickeln. Schwerpunkt werden die deutschsprachige Schweiz und gegebenenfalls einige Standorte in Deutschland sein.  ROBERT DONNERBAUER

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Von Robert Donnerbauer | Präsentiert von VDI Logo
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