23.07.2014, 11:25 Uhr | 0 |

In 3000 Metern Höhe Bergsteiger übernachten am Matterhorn vorübergehend in Zelten

Die Hörnlihütte am Matterhorn, einer der meistbegangenen Berge Europas, wird generalsaniert. Deshalb hat ein Schraubspezialist ein Zeltlager für Bergsteiger in 3000 Metern Höhe aufgebaut. Aus Umweltschutzgründen musste er dabei Schraubfundamente ohne Beton und schwere Maschinen eindrehen. 

Das provisorische Base Camp besteht aus 25 Zelten
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Das provisorische Base Camp besteht aus 25 Zelten, in denen jeweils zwei Personen Platz finden. Noch bis Mitte September kann man eine Übernachtung für 123 Euro buchen. 

Foto: Stiftung Hörnlihütte

Die Schweizer Hörnlihütte am Fuß des Matterhorn bleibt in dieser Klettersaison wegen Umbaus geschlossen. Ersatz bietet ein provisorisches Zeltlager auf knapp 3000 Metern Höhe. Das Base Camp Matterhorn wurde am Wochenende eröffnet. Es liegt 400 Meter unterhalb der Hörnlihütte.

Die provisorische Unterkunft soll verhindern, dass Bergsteiger wild campen und der Natur schaden. In den gut drei Meter langen und knapp zwei Meter hohen Zelten ist jeweils Platz für zwei Personen. Das Design der 25 Übernachtungsmöglichkeiten erinnert an die markante Pyramidenform des Matterhorns. Außerdem wurden vier größere Bauten für Küche, Wasch- und Essräume errichtet.

Untergrund des Zeltlagers besteht aus Schiefergestein

Der Aufbau dieses alpinen Pop-Up-Hotels war alles andere als eine 08/15-Nummer. Für den Untergrund mit Schiefergestein war eine besondere Konstruktion nötig. Oberstes Gebot dabei: Es gibt strenge Umweltschutzvorschriften, die Natur darf keinen Schaden nehmen. Deshalb kam ein umweltschädliches Einbetonieren nicht in Frage.

Das Unternehmen Krinner hat ein schonendes Fundament geplant und umgesetzt. Die Firma aus Niederbayern entwickelt Spezialmaschinen selbst und hat bereits über 150 Patente angemeldet. Fundamente werden hundertprozentig nachhaltig entwickelt – egal, ob es sich um kilometerlange Photovoltaikanlagen in der Wüste handelt oder um Baumhäuser mitten im Wald.

Feuerverzinkte Schrauben halten zwei Tonnen Zuglast stand

Am Matterhorn mussten daher keine schweren Maschinen auf 2880 Meter Höhe transportiert werden. Mit einer hauseigenen elektrischen Handeindrehmaschine wurden feuerverzinkte Schrauben für die Zelte aus Holz und Aluminium montiert. Und das ging schneller als gedacht: „Ursprünglich hatten wir zehn Arbeitstage für die Installation veranschlagt, doch bereits nach dreieinhalb Tagen waren wir fertig“, sagt Dominik Züger, Geschäftsführer von Krinner Schweiz. Bei Belastungsproben wurden hervorragende Werte erzielt: zwei Tonnen Zuglast bei nur drei Millimeter Bewegung wurden festgestellt.

Mitte September wird das Provisorium abgebaut

Das Base Camp Matterhorn bleibt noch knapp zwei Monate stehen. Mitte September wird es abgebaut und die Shelters werden verkauft. Eine Übernachtung in dem Provisorium kostet pro Person rund 123 Euro mit Frühstück und Abendessen. Das ist nichts im Vergleich zu den empfindlichen Strafen, die beim wilden Campen drohen. Bis zu 4115 Euro werden dann nämlich fällig. In der Umgebung wird strikt kontrolliert.

Nächstes Jahr im Juli soll dann sie umgebaute Hörnlihütte neu eröffnet werden. Die Bauarbeiten an dem 1880 und bereits mehrmals erneuerten Berghaus haben im Frühling begonnen. Für die Generalsanierung hatte sich die Burgergemeinde Zermatt im Hinblick auf ein besonderes Jubiläum entschieden: Im Jahr 2015 wird es 150 Jahre her sein, dass der Matterhorn zum ersten Mal bestiegen wurde. Er ist mit 4478 Metern Höhe einer der höchsten Berge der Alpen.

Nachhaltiger Umbau der Berghäuser

Auch das in unmittelbarer Nachbarschaft stehende Berghaus Matterhorn (Belvédère), errichtet 1911, wird saniert. Danach werden die beiden Gebäude unter dem Namen Hörnlihütte geführt. Leitlinie für den sieben bis acht Millionen Franken teuren Umbau ist die Nachhaltigkeit. So soll sich der Gebäudekomplex danach weitgehend selbst mit Energie und Wasser versorgen.

Außerdem werden Brandschutzanforderungen den heutigen Standards angepasst, was die Sicherheit für die Besucher erhöht. Mindestens genauso wichtig ist aber ein kundiger Bergführer. Denn das faszinierende Matterhorn gilt als gefährlicher Berg. Rund 450 Bergsteiger sind dort bereits ums Leben gekommen. 

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Von Lisa von Prondzinski
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