17.10.2014, 11:44 Uhr | 0 |

Zusatzeinnahme für Biogasanlagen Start-up aus Köln verwandelt Abwärme in Strom

Ein Kölner Start-up ermöglicht Biogaskraftwerken in Brandenburg eine neue Einnahmequelle: Sogenannte OCR-Module nutzen auch die Abwärme der Generatormotoren, um Strom zu erzeugen. Gleichzeitig beheizen sie den Fermenter und beschleunigen die Biogasproduktion. 

Zwei Biogaskraftwerke im brandenburgischen Städtchen Wiesenburg produzieren künftig jeweils 390.000 Kilowattstunden mehr Strom pro Jahr. Bisher ging die Abwärme der Generatormotoren weitgehend verloren, weil sie auf einem Temperaturniveau anfallen, das in einem normalen Wasser-Dampf-Kreislauf nicht genutzt werden kann – wohl aber in so genannten ORC-Anlagen. Die hat das Kölner Start-up Orcam jetzt installiert. Entwickelt wurden sie vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen.

Organische Flüssigkeit verdampft und treibt Spezialturbine an

ORC steht für Organic Rankine Cycle, eine Technik, die der eines Dampfkraftwerks ähnelt. Statt Wasser zirkuliert in einer solchen Anlage allerdings eine organische Flüssigkeit, die schon bei einer Temperatur von gut 100 Grad Celsius verdampft und so viel Kraft entwickelt, dass sie eine Spezialturbine rotieren lässt. Diese wiederum treibt einen Generator an. Das ORC-Kraftwerk erhöht die Stromerzeugung der Biogasanlage um etwa fünf Prozent. Die Restwärme lässt sich zudem nutzen, um den Fermenter zu beheizen und die Biogasproduktion zu beschleunigen.

Abwärmepotential in Deutschland liegt bei 100 Milliarden Kilowattstunden

Die OCR-Module funktionieren am besten bei einer Temperatur von 350 bis 500 Grad Celsius. Das schaffen Verbrennungsmotoren in Kraftwerken locker. In vielen Industrieunternehmen, etwa in der Aluminiumindustrie, fallen hingegen große Mengen an Abwärme auf relativ niedrigem Temperaturniveau an. Doch auch diese könnte von ORC-Modulen genutzt werden. Das Onlineportal Green Wiwo beziffert das Abwärmepotenzial allein in Deutschland auf rund 100 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr, das ist fast ein Fünftel des gesamten Strombedarfs.

Dass erste Orcam-OCR-Kraftwerk erhielt 2011 der kommunale Energieversorger DEW21 in Dortmund. Die ORC-Anlagen des Fraunhofer-Instituts konkurrieren in Deutschland vor allem mit denen des Münchner Jungunternehmens Orcan Energy, das aus der Technischen Universität München hervorgegangen ist. Es hat bisher sechs Anlagen in Deutschland und Österreich gebaut. Zuletzt reihte sich noch das Rostocker Unternehmen EN3 in die ORC-Anbieter ein.

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Von Wolfgang Kempkens
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