Erneuerbare trotzdem im Aufwind IRENA-Chef Amin: Subventionen für fossile Energieträger müssen runter
Adnan Z. Amin, Generaldirektor der International Renewable Energy Agency (Irena), sieht regenerative Energien weiter weltweit auf dem Vormarsch. Allerdings würden fossile Rohstoffe derzeit noch viel zu stark subventioniert.
IRENA-Chef Adnan Amin kritisiert in den VDI nachrichten die zu hohen Subventionen für fossile Energieträger.
Bildquelle: IRENADer Ausbau der erneuerbaren Energieträger wird weltweit durch hohe Subventionen fossiler Energieträger behindert. Der Generaldirektor der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena), Adnan Amin, hat deshalb in den VDI nachrichten eine Kürzung der Subventionen für Öl und Gas gefordert. „Die Wahrheit ist, dass die massiven Subventionen der fossilen Energieträger die Einspeisevergütungen zugunsten der erneuerbaren Energien bei Weitem übersteigen und den nachhaltigen Ausbau alternativer Energieformen behindern“, kritisiert Amin. „Die weltweiten staatlichen Subventionen für fossile Energieträger beliefen sich 2012 auf 523 Milliarden US-Dollar, wogegen die Erneuerbaren eben mal 88 Milliarden US-Dollar Unterstützung erhielten.“
Das bedeute, dass die Staaten den hohen CO2-Ausstoß fossiler Energieträger auch noch hoch subventionieren. „Das heißt im Klartext: Die weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Energien werden mit 100 Dollar pro Tonne CO2 vom Steuerzahler auch noch bezuschusst. Das System von Energietechnologiesubventionen muss global auf den Prüfstand.“
Die Irena, der aktuell 160 Länder angehören, glaubt dennoch, dass die erneuerbaren Energien weltweit rasant zulegen werden. „Die meisten Staaten auf der Erde sind importabhängig von fossilen Energieträgern. Diese Importabhängigkeit zieht für viele Volkswirtschaften ein enormes Versorgungs- und Preisrisiko nach sich“, so Amin. „Viele aufstrebende Regionen in der Welt stellen jetzt die Weichen für nachhaltige Energiestrukturen in der Zukunft. Der Anteil der Erneuerbaren wird sich an der Stromerzeugung daher weltweit bis 2035 verdoppeln.“ Dabei sei die Windenergie in vielen Teilen der Welt heute schon konkurrenzfähig. „Windenergie ist gegenüber fossilen Energieträgern in vielen Ländern ohne Subventionen bereits wettbewerbsfähig.“
Die größten Wachstumspotentiale habe die Windkraft auf See. „Auch wenn seit 2009 die Wachstumsraten in der Branche von ehemals 28 % auf 10 % im Jahr 2012 zurückgegangen sind, zeigen sich dennoch enorme Potenziale für Windkraft vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika.“
Hier das Interview im Wortlaut.
VDI nachrichten: Droht die Finanzkrise der zurückliegenden Jahre die globale Entwicklung der erneuerbaren Energien auszubremsen?
Amin: Nein, das sehe ich nicht. Der globale Energiebedarf steigt nach Einschätzung des World Economic Outlook (WEO) bis 2035 um ein Drittel an. Ich denke, wir werden hierbei weltweit eine rasche Entwicklung der Erneuerbaren erleben.
Die Erneuerbaren weisen mit Abstand die stärksten Wachstumsraten bis 2035 auf. Wir stellen fest, dass die Gestehungskosten für Erneuerbare kontinuierlich sinken. Die meisten Staaten auf der Erde sind importabhängig von fossilen Energieträgern. Diese Importabhängigkeit zieht für viele Volkswirtschaften ein enormes Versorgungs- und Preisrisiko nach sich. Viele aufstrebende Regionen in der Welt stellen jetzt die Weichen für nachhaltige Energiestrukturen in der Zukunft. Der Anteil der Erneuerbaren wird sich an der Stromerzeugung daher weltweit bis 2035 verdoppeln.
Steuern wir nach dem Atom-Ausstiegsbeschluss in Deutschland auf eine Revolution der Erneuerbaren zu?
Die Revolution der Erneuerbaren findet bereits statt. 120 Länder weltweit haben sich klare Zielmarken für die Entwicklung der Erneuerbaren gesetzt. 5 Mio. Beschäftigte arbeiten bereits in diesem Sektor. Die jährlichen Investitionsvolumina bis 2020 in Erneuerbare werden mit 300 Mrd. $ bis zu 1 Billion $ veranschlagt. Die vor zwei Jahren gegründete Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) will helfen, diese Entwicklung zu beschleunigen.
Welchen Stellenwert wird die Windenergie dabei einnehmen?
Die Zuwachsraten von Windkraft haben in den letzten 15 Jahren die Geschäftsumsätze der Telekommunikation und der Informationstechnologien erreicht. Der Ausbau Wind ist die Erfolgsgeschichte unter den Erneuerbaren. Wir werden noch in den vor uns liegenden Jahren einen gewissen Ausbau von Onshore-Windkraftanlagen an Land erleben. Derzeit sind 75 % des jährlichen Onshore-Zubaus auf vier Regionen konzentriert: China, Indien, USA und Europa.
Aber die Zukunft der Windenergie liegt eindeutig offshore. Auch wenn Offshore-Anlagen derzeit noch aufwändig und kostenintensiv daherkommen, so sehen wir doch, dass in Dänemark oder vor den Britischen Inseln große Offshore-Projekte bald Wirklichkeit werden. Auch wenn seit 2009 die Wachstumsraten in der Branche von ehemals 28 % auf 10 % im Jahr 2012 zurückgegangen sind, zeigen sich dennoch enorme Potenziale für Windkraft vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika.
In 68 Ländern dieser Regionen sind derweil Projekte von 10 MW Leistung projektiert. Kenia und Äthiopien beispielsweise weisen Weltklasse Windressourcen auf. In der kenianischen Region Turkana wird eine 300-MW-Windfarm installiert und Äthiopien will 2030 rund 7000 MW-Windkraftanlagen ausbauen. Windenergie ist gegenüber fossilen Energieträgern in vielen Ländern ohne Subventionen bereits wettbewerbsfähig.
Der Ausbau der Erneuerbaren steht im Ruf, nur mithilfe massiver Subventions- und Einspeisevergütungen gelingen zu können ...
Die Wahrheit ist, dass die massiven Subventionen der fossilen Energieträger die Einspeisevergütungen zugunsten der erneuerbaren Energien bei Weitem übersteigen und den nachhaltigen Ausbau alternativer Energieformen behindern. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat beim Jahreskongress der European Wind Association (EWEA) in Wien klare Belege geliefert: Die weltweiten staatlichen Subventionen für fossile Energieträger beliefen sich 2012 auf 523 Mrd. $, wogegen die Erneuerbaren eben mal 88 Mrd. $ Unterstützung erhielten, wovon lediglich 21 Mrd. $ für Wind zu Buche schlagen. Das heißt im Klartext: Die weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Energien werden mit 100 $/t CO2 vom Steuerzahler auch noch bezuschusst. Das System von Energietechnologiesubventionen muss global auf den Prüfstand. Der politische Druck hierfür ist da.
Welche Auswirkungen erwarten Sie durch den jüngsten Schiefergasboom in den Vereinigten Staaten auf die Entwicklung der Erneuerbaren?
Die großtechnische Förderung von nichtkonventionellen Öl- und Gasressourcen wie das Schiefergas verändert die Energielandschaft in den USA beträchtlich. Es gibt aber noch keine Anzeichen dafür, dass dies auch in Europa über kurz oder lang der Fall sein wird. In China erschließt sich hierfür auch ein gewisses Potenzial. Aber die ökologischen Auswirkungen sind noch nicht hinreichend untersucht und jüngste Ergebnisse zeigen, dass im US-Staat Dakota die CO2-Emissionen durch die Shalegasförderung gar um 20 % angestiegen sind. Wir sind weit von Klarheit über die Umweltauswirkungen dieser Energiegewinnung entfernt.
Läuft die in der EU umstrittene Reform des EU-Emissionshandelssystems (ETS) in die richtige Richtung?
Die EU war sehr mutig, mit der Idee eines Emissionshandels im Sinne des globalen Klimaschutzes voranzugehen. Aber solange es kein weltweites Abkommen gibt, ist es schwer zu glauben, dass ein regionaler Markt wie Europa beim Emissionshandel wirklich funktionieren kann. In der Zukunft wird sich das globale Energiesystem insgesamt verändern und dies wird sich kaum über den Emissionshandel nachhaltig steuern lassen.
Was behindert den Ausbau der Erneuerbaren im globalen Maßstab?
Hier ist zuerst das Fehlen an Wissen und Know-how zu nennen. Viele Energieminister aus Entwicklungsländern in der Welt sagen, uns fehlt es an Informationen über die technische und finanzielle Machbarkeit für die Umgestaltung der Energiesysteme auf erneuerbare Energien.
Neben diesen Voraussetzungen fehlt es an einer Netzstruktur zur Verteilung dezentral erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Einer der am meisten begrenzenden Faktoren für den Ausbau von erneuerbaren Energien in solchen Ländern ist aber das völlige Fehlen von Smart Grids.






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