12.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Hannover Messe 2013 Präzise Maschinen­daten stärken Automatisierungs­strategien

Soll lndustrie 4.0 Erfolg haben, wird eine zentrale Informationsdrehscheibe für das Datenmanagement in der Produktion gebraucht. Experten waren sich auf der weltgrößten Industriemesse einig: Manufacturing Execution Systems (MES), die aus dem Datenwust der Fertigung wichtige Informationen filtern, könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

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Experten sind sich einig: Manufacturing Execution Systems, kurz MES, werden in der Produktion eine maßgebliche Rolle spielen.

Foto: Ingenieur.de

Aussteller MPDV Mikrolab, Mosbach, gilt als Spezialist für das Vernetzen von Produktionssystemen: "Manufacturing Execution Systems sind mittlerweile Schlüsselkomponenten in einer modernen Produktion. Sie haben sich zu strategischen IT-Systemen entwickelt", so MPDV-Geschäftsführer Jürgen Kletti auf der weltgrößten Industriemesse. Mittlerweile werde MES in einem Satz mit ERP und Supply Chain Management genannt und wachse in die Rolle einer Informationsdrehscheibe hinein. Die Kommunikation – und zwar sowohl vertikal vom ERP zur Automatisierungsebene als auch horizontal zwischen den Bereichen Fertigung, Logistik, Personal und Qualität – werde bereits durch Integration vom MES übernommen.

"Wichtig dabei ist eine kompatible, durchgängige intelligente Kommunikation", ergänzte Olaf Sauer, stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe. Dies erfordert laut Sauer jedoch eine Standardisierung der Kommunikation zwischen den einzelnen Anlagenkomponenten, Maschinen, Materialflusssystemen, Werkstücken und sonstigen Systemen.

"Von der Kommunikation in Echtzeit ist es dann auch nicht mehr weit bis zu intelligenten Werkstücken. Erste Ansätze dafür kann man in der Automobilbranche schon erkennen", betonte MES-Spezialist Kletti. Zudem würden nicht mehr alle Produktionsschritte in der Arbeitsvorbereitung geplant, sondern an verschiedenen Stellen – und das anhand von Daten, die über die komplette Fertigung hinweg erfasst und verdichtet werden. Kletti: "Unser Ansatz geht bereits in die Richtung einer standardisierten Kommunikation. Ähnlich wie beim USB-Stick könnte damit eine einfache und unkomplizierte Anbindung von Maschinen an ein MES möglich sein – quasi "plug & work". Und durch den verstärkten Einsatz mobiler Endgeräte stünden zudem immer Informationen dort zur Verfügung, wo sie benötigt würden.

"Das wiederum stärkt auch die Rolle des MES als Informationsdrehscheibe", ergänzte Sauer. Denn hier liefen alle Daten zusammen und würden verdichtet. MDE und BDE, also Maschinendatenerfassung und Betriebsdatenerfassung, gehören für ihn mit zu den entscheidenden Faktoren in der Automatisierungsarchitektur, die in ehrgeizige Ziele wie Industrie 4.0 einfließen: "Das fing schon bei der CIM-Philosophie in den 80er-Jahren an." Denn die exakte Erfassung und schnelle Auswertung dieser Daten sei ein entscheidender Faktor für Energieeffizienz, die Minimierung von Ausschuss und damit den ressourcenschonenden Materialeinsatz.

"Der Name einer Strategie ist nicht entscheidend. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass große Datenmengen aus den Maschinen und Produktionslinien geschöpft werden, um zu einer Prozessoptimierung zu kommen", ergänzte Franz Gruber, Geschäftsführer von Forcam, Friedrichshafen. Diese Datenströme gehörten zu den Grundpfeilern von Optimierungsstrategien wie Industrie 4.0, unabhängig davon, wie diese Strategie letztlich realisiert werde: "Jedes Unternehmen hat da seine eigenen Vorstellungen." Zudem müssten auch die Mitarbeiter bis in die Produktionslinien eingebunden werden, damit ein Ansatz wie Industrie 4.0 Erfolg hat.

Schließlich komme es darauf an, dass auch das Know-how von der Arbeit an der Maschine unmittelbar genutzt wird. Gruber: "Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten als zu Zeiten von CIM. Damals war die Hardware noch in den Kinderschuhen und die Vernetzung eigentlich noch Zukunftsmusik, um die Datenmengen optimal nutzen zu können."

Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, dass Daten aus älteren Produktionsmaschinen problemlos ausgelesen werden könnten und eine "intelligente" Kommunikation zwischen heterogenen Maschinensteuerungen wie etwa Siemens, Mazak, Fanuc und Allen Bradley realisiert wird. Zudem gehe es in den ersten Schritten darum, den aktuellen Status der Maschinen und Anlagen zeitnah über eine browserbasierte Oberfläche zu kontrollieren.

"Natürlich müssen auch Schnittstellen für die nötigen cyberphysikalischen Systeme vorhanden sein und zwar vom Touchscreen des Mitarbeiters in der Produktion über den Leitstand des Abteilungsleiters bis zum Smartphone des Geschäftsführers, damit die Anstrengungen Richtung Industrie 4.0 nicht im Sand verlaufen", betonte Gruber in Hannover. Das seien grundlegende, praxisnahe Voraussetzungen, um 4.0 im Fabrikalltag zu installieren und das CIM-Schicksal zu vermeiden: "Unsere Technologie ist bereits bei Audi, BMW und Daimler im Einsatz. EDGAR LANGE/DIETMAR KIPPELS

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Von Edgar Lange/Dietmar Kippels | Präsentiert von VDI Logo
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