12.02.2015, 11:11 Uhr | 0 |

Bier im Karneval Komplexe Prozess-Steuerung sichert den Gerstensaft-Nachschub

Der Straßenkarneval hat begonnen und mit ihm steigt der Bierabsatz in den närrischen Hochburgen auf Hochsommer-Niveau. Damit der goldene Gerstensaft immer in Strömen fließen kann, sorgt hinter den Kulissen der Brauereien häufig eine Technik von Siemens: der Braumat.

Der Braumat von Siemens im Einsatz bei Österreichs größter Privatbrauerei, der Stieglbrauerei in Salzburg.
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Der Braumat von Siemens im Einsatz bei Österreichs größter Privatbrauerei, der Stieglbrauerei in Salzburg. 

Foto: Siemens AG

Er ist seit 11 Uhr 11 heute morgen eröffnet: der Straßenkarneval. Nichts geht mehr in den kommenden fünf tollen Tagen. Nur eines ist gewiss: Der goldene Gerstensaft wird in diesen rauschhaften Tagen in Massen in durstige Kehlen geschüttet. „Der Februar ist in den Karnevalshochburgen vergleichbar mit dem Absatz in einem Hochsommer-Monat“, weiß Jürgen Witt, Geschäftsführer der Brauereiverbände NRW.

„Seit dem Jahr 1897 ist Siemens in der Brauindustrie aktiv“

Oft ist Siemens-Technik im Spiel, damit der goldene Gerstensaft zu Karneval und auch sonst nie ausgeht. „Wir halten in dieser Zeit ständig 1,2 Millionen Liter bereit. Nicht zuletzt dank Siemens-Technik können wir so jederzeit Millionen von Jecken bedienen“, sagt Frank Tickelkamp, Marketingchef der Krefelder Königshof-Brauerei.

Siemens blickt auf eine über 100-jährige Erfahrung im Brauwesen zurück. „Seit dem Jahr 1897 ist Siemens in der Brauindustrie aktiv“, erklärt Siemens-Vertriebsleiterin Ulrike Lehnhof. Es begann mit einfachsten Siemens-Komponenten, etwa Elektromotoren. Ab 1973 arbeitete Siemens an immer komplexeren Steuerungen zur Automatisierung der Produktionsprozesse. „1977 folgte dann unsere Patentanmeldung für das eigens nach Brauerei-Bedürfnissen entwickelte Prozessleitsystem Braumat“, so Lehnhof.

Sensor- und Ventilsteuerung unterstützen den automatisierten Prozess

Das Prozessleitsystem Braumat ist rezeptgesteuert. Der Brau-Ingenieur hat die Möglichkeit einer freien individuellen Rezeptgestaltung und kann somit die Dosierung der einzelnen Bier-Bestandteile frei kombinieren. Das Prozessleitsystem unterstützt ihn durch die Steuerung von Sensoren zur Temperatur- und Kesseldruckerfassung und durch Aktoren zur Ventilsteuerung im gesamten Brauprozess. Es stellt so sicher, dass die Prozesse im Sudhaus oder dem Gär- und Lagerkeller fehlerfrei und vor allem auch reproduzierbar ablaufen. Die Prozesssteuerung hat dabei die Füllzustände der Gärtanks genauso im Blick, wie den richtigen Zeitpunkt für die Bestellung neuer Rohstoffe.

Archivierung alle Produktionsaufträge erlaubt den Vergleich von Soll und Ist

Das softwarebasierte Prozessleitsystem hat eine umfangreiche Archivierungsfunktion. Jeder Produktionsauftrag wird mit den aktuellen Rezeptdaten und allen Prozessschritten und dem zugehörigen Soll- und Istwerten als Protokoll abgelegt. Die Archivierung erfolgt chargenbezogen. So kann der Brau-Ingenieur jederzeit Rückschlüsse vom Endprodukt auf die Produktionsparameter ziehen.

Flexibel für Saison-Biere

Bier ist heute oft ein Saisonprodukt, wie zum Beispiel das Sommerbier Sonnenhopfen von Gaffel. Dieses wird ab dem Frühjahr aus fruchtig-aromatischen Citra Hopfen aus dem Yakima Valley im Süden des US-Bundesstaates Washington eingebraut. Für solche Saison-Spezialitäten können Produktion und Abfüllung durch die intelligente Prozesssteuerung Braumat schnell und flexibel umgestellt werden.     

Energieverbrauch sank um bis zu 30 Prozent 

Hunderte Brauereien weltweit setzen auf die Siemens-Technik. „Die 2003 gegründete Brauerei Königshof ist spezialisiert auf Dienstleistungen für die Getränkeindustrie. Sie hat zudem zwei regionale Königshofer Biermarken. Durch die moderne Braumat-Technik können die sehr komplexen Steuerungen in den Brauprozessen von insgesamt 16 verschiedenen Bierproduktionen hoch effizient umgesetzt werden.

Gerade bei den mehrfachen Bierwechseln täglich ist diese technische Unterstützung seitens Siemens ein echter Brauer-Segen“, sagt Tickelkamp. Die moderne Technik ist auch gut für den ökologischen Bier-Fußabdruck . Denn gegenüber älteren Anlagen ist der Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent pro gebrauten Hektoliter gesunken.

Brauen ist kein technischer Prozess von der Stange

Viele Brauereien sind im Laufe ihrer Existenz in oft historischen verzweigten Gebäuden gewachsen. Es ist daher nicht trivial, den prozessualen Zugriff auf jeden Silo und Maisbottich so zu implementieren und zu vernetzen, dass jederzeit ein optimaler automatisierter Prozessablauf gewährleistet ist. „Was sich einfach anhört ist feinstes Handwerk. Dabei geht es um knallharte Wirtschaftlichkeit, Ressourcenschonung, nachhaltigen Umweltschutz, Energieeffizienz, Produktivität und Effektivität“, betont Tickelkamp. 

23. April ist der „Tag des Bieres“

Eines ist klar: Die rund 1.300 deutschen Brauereien liefern sich einen erbitterten Konkurrenzkampf um jede durstige Kehle. Nicht nur an den tollen Tagen. Denn über die Jahre gesehen kennt der Bierausstoß der deutschen Brauereien nur eine Richtung: abwärts. Lag der Bierabsatz 2005 bei 105,4 Millionen Hektoliter, so waren es im Jahr 2013 nur noch 94,6 Hektoliter. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank im gleichen Zeitraum von 115,3 auf 106,6 Liter.

Vielleicht dreht sich dieser Abwärtstrend im kommenden Jahr: Denn am 23. April begeht die deutsche Brauerzunft zum 500.  Mal den „Tag des Bieres“. Seit dem 23. April 1516 wird deutsches Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut. Salopp gesagt beinhaltet das Reinheitsgebot das alte Brauer-Motto: „Auch Wasser wird zum guten Tropfen, mischt man es mit Hefe, Malz und Hopfen!“ Zum Wohl!

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Von Detlef Stoller
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