09.06.2015, 11:33 Uhr | 1 |

Projekt in Schweden Siemens testet Hybrid-Lkw auf Autobahn mit Oberleitung

Sie sehen sehr ungewohnt aus, die Scania-Laster, die auf einer schwedischen Autobahn in der Nähe von Stockholm unter einer Oberleitung fahren. Wie die früheren O-Busse werden die Laster mit Hybridantrieb mit Strom versorgt. Auf nicht elektrisierten Strecken fahren die Lkw beispielsweise mit Gas. Siemens hat die Technik der Teststrecke geliefert.

Hybrid-Lkw auf der Teststrecke in Groß Dölln
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Auf einem Autobahnabschnitt bei Stockholm wollen Siemens und Scania Laster mit Hybridantrieb im Praxiseinsatz testen. In zwei Jahren sollen die Ergebnisse vorliegen.

Foto: Scania

Es sind nur zwei Kilometer Autobahn bei Storvik nördlich von Stockholm in Schweden und diese sind auch noch einspurig. Doch auf diesen beiden Autobahnkilometern will Schweden testen, ob sich Hybrid-Lkw für den täglichen Warentransport eignen. Auf der E16 realisiert der Münchner Siemens-Konzern ein elektrisches Oberleitungssystem für Hybrid-Lkw und zeigt damit, wie es gelingen kann, den Schwerlastverkehr von fossilen Brennstoffen weitgehend zu entkoppeln.

Transportwesen bis 2030 unabhängig von fossilen Brennstoffen

Partner ist der Lkw-Hersteller Scania, der zwei Elektrohybrid-Laster auf der E16 einsetzt. Auftraggeber ist die schwedische Transportbehörde Trafikverket und der Regierungsbezirk Gävleborg. Hintergrund ist das nationale Ziel Schwedens, bis 2030 einen von fossilen Brennstoffen unabhängigen Transportsektor aufzubauen.

„Der eHighway ist im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so effizient. Das bedeutet nicht nur eine Halbierung des Energieverbrauchs, sondern auch eine Verringerung der lokalen Luftverschmutzung“, sagt Roland Edel, Technologiechef der Mobilitätssparte von Siemens. „Der Hybrid ist der erste Schritt auf dem Weg zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, die eine immer wichtigere Rolle bei der Entwicklung des nachhaltigen Güterverkehrs spielen.“

Bis 90 km/h sind auch Überholmanöver möglich

Die E16 in Schweden ist eine optimale Teststrecke, um herauszufinden, ob sich die Hybridtechnik mit Oberleitung für den Praxiseinsatz eignet. Die Autobahn verbindet die Industrieregionen Dalama und Gävleborg, die vor allem durch Stahl-, Papier-, Zellstoff- und Bergbauindustrie geprägt sind, mit dem Hafen von Gävle. Es ist also viel los auf der E16.

Und dort soll daher ein intelligenter Stromabnehmer in Kombination mit einem Hybridantrieb die Lösung sein. Sensoren auf dem Dach der Lastwagen erkennen, ob auf dem aktuell befahrenen Streckenabschnitt eine Oberleitung vorhanden ist und docken den Stromabnehmer des Fahrzeuges automatisch an. Ein Sensorsystem ermöglicht dem Stromabnehmer das automatische An- und Abbügeln bis zu einer Geschwindigkeit von 90 km/h. Deshalb können sich die Laster auch kurzzeitig abkoppeln, um zum Beispiel die Spur für ein Überholmanöver zu wechseln.

Während der Fahrt an der Oberleitung versorgen sich die Lkw mit Energie und fahren effizient und emissionsfrei. Alternativ lässt sich das System auch mit Batterie oder komprimiertem Erdgas betreiben. Der Wirkungsgrad der Energieübertragung via Oberleitung ist mit 99 % nahezu perfekt. Das System der Energieversorgung ist dazu offen in beiden Richtungen. So können die Lkw ihre elektrische Bremsenergie in das Versorgungsnetz zurückspeisen.

Bewährte Bahntechnologie übertragen auf die Straße

„Das von Siemens entwickelte eHighway-Konzept vereint bewährte und geprüfte Bahntechnologie mit der Flexibilität des Transports auf der Straße“, sagt Jan Nylander, Gesamtprojektleiter des Regierungsbezirks Gävleborg. „In Kombination mit der Hybridtechnologie von Scania werden Kraftstoffverbrauch und Emission verringert, während der intelligente Stromabnehmer sicherstellt, dass die eHyighway-Fahrzeuge die gleiche Flexibilität bieten wie herkömmliche Fahrzeuge“, so Nylander.

Die Autobahn mit Oberleitung ist nicht einmal Siemens erstes derartige Projekt: In den Häfen von Los Angeles und Long Beach werden derzeit verschiedene Lastwagen-Konfigurationen mit einer bestehenden eHighway-Infrastruktur getestet. 

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Von Detlef Stoller
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kommentare
19.06.2015, 12:23 Uhr Progetti
Elektrische Energie aus Oberleitungen ist immer noch viel besser als der nachhaltig CO2 produzierende Antrieb der Groß- LKW's. Dennoch sollte die induktive Energie- Übertragung in der Forschung und Entwicklung weiter verfolgt werden, damit alle Verkehrs-Teilnehmer auf der Autobahn emissionsfrei fahren können. Für Motorräder muss man sich aber eine Sonderlösung mit Faraday- Effekt für den Antrieb einfallen lassen. LKW's mit Anhänger könnten gleichzeitig mehrere Sekundärspulen für die Energie- Übertragung verwenden, damit genügend Energie zur Verfügung steht.

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