08.11.2015, 09:12 Uhr | 4 |

EmDrive Nasa soll neue Antriebstechnik für Raumkapseln erfolgreich getestet haben

Er wäre ein Wunderantrieb: EmDrive kommt ohne Treibstoff aus, nutzt elektrische Energie etwa aus Solarzellen, um Raumkapseln zu beschleunigen. Nasa-Ingenieure wollen die Technik erfolgreich getestet haben. Kritiker befürchten, dass die erfolgreich scheinenden Versuche auf Messfehlern beruhen.

Em-Drive-Antrieb des Briten Roger Shawyer
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Das ist ein Prototyp des Em-Drive-Antriebs des Briten Roger Shawyer aus dem Jahr 2007.

Foto: Nasa Spaceflight Forum/Eagleworks

Amerikanische und chinesische Wissenschaftler glauben, dass ein unter Ingenieuren umstrittenes neues Antriebssystem für Raketen tatsächlich funktioniert. Chinesische Forscher haben nach eigenen Angaben einen elektromagnetischen Antrieb (EmDrive) getestet, der angeblich einen Schub von 720 Millinewton entwickelt. Die Wissenschaftler der US-Raumfahrtorganisation Nasa, die ebenfalls mit EmDrive experimentieren, wollen 85 Millinewton erreicht haben.

Das ist fast nichts: Die erste Stufe der Saturn-V-Rakete, die in den 1960-er Jahren die Mondlandemodule der Amerikaner ins All katapultierte, hatte einen Schub von 35 Millionen Newton. Selbst wenn EmDrive tatsächlich funktionieren sollte, so ist es noch ein weiter Weg zum einsatzfähigen Raketentriebwerk.

Mikrowellen oder Lorentz-Kraft

Erfinder des EmDrive ist der Brite Roger Shawyer, ehemaliger Mitarbeiter des deutschen Raumfahrtunternehmens EADS-Atrium, das heute zu Airbus gehört. Worauf der Effekt beruht, ist unter Wissenschaftlern umstritten, wenn sie ihn überhaupt ernsthaft in Betracht ziehen.

Mikrowellen sollen eine Rolle spielen, oder geheimnisvolle Kräfte, die auf Einsteins Relativitätstheorie zurückzuführen sind. Möglicherweise spielt auch die Lorentz-Kraft mit, das ist die Kraft, die auf eine elektrische Ladung wirkt, die durch ein Magnetfeld bewegt wird. Das britische Unternehmen Satellite Propulsion Research, das ebenfalls mit EmDrive experimentiert, erklärt das Phänomen so: Die Maschine nutze „Mikrowellen-Technologie, um elektrische Energie direkt in Schub umzuwandeln“.

US-Forscher bestreitet Messfehler

Die neuesten Informationen über die Experimente mit der neuartigen Antriebstechnik stammen von Paul March, einem der Hauptforscher des EmDrives am Eagleworks Laboratory des Johnson Space Center der Nasa. Er beteuert in einem Blog, dass das Triebwerk gegen alle Fremdeinflüsse abgeschirmt war, etwa gegen Kabel, die magnetische Felder aufbauen, wenn Strom hindurchfließt. Deshalb beruhe der gemessene Schub nicht auf Fehlern am Versuchsaufbau oder beim Messen.

Dresdner Professor ist unentschieden

Martin Tajmar, Professor für Raumfahrtsysteme an der Technischen Universität Dresden, hat die Messungen an seinem Institut wiederholt. Er könne „die Wirkung des EmDrive mit meinen Messungen weder bestätigen oder widerlegen“, sagt er in einem Interview mit dem Online-Portal Grenzwissenschaft. Sein Team habe tatsächlich Schübe gemessen, sagt er, „ähnlich den Vorhersagen vom EmDrive, aber auch in Richtungen, die eigentlich Null ergeben sollten“. Die Ergebnisse könnten von den Magnetfeldern stromführender Kabel herrühren. Deshalb empfiehlt er weitere Messungen.

Der Antrieb könnte, wenn er sich denn realisieren lässt, Raumkapseln beschleunigen, die von keiner Gravitationskraft beeinflusst werden, sich also fernab von jedem Planeten und anderen Himmelskörpern bewegen. Dann reicht schon ein geringer Schub für eine stetig steigende Geschwindigkeit. Anders etwa als Ionentriebwerke, die bereits erprobt und im Einsatz sind, braucht EmDrive keinen Treibstoff, sondern nur elektrische Energie. Die könnten Solarzellen liefern. Derzeit sind bei Raumkapseln noch traditionelle Raketenantriebe üblich.

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Von Wolfgang Kempkens
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kommentare
06.11.2015, 12:06 Uhr mk65
Achtung: Das Foto stellt keinen Prototyp der Nasa , sondern von Roger Shawyer dar. Auch hat Paul March zwar den Selbst-Bauern im angegebenen Forum Hinweise zur Ausschaltung von bestimmten Fremdeinflüssen gegeben und zwar nur im Rahmen des ihm (genau wegen der Gefahr von überenthusiastischen Medienmeldungen) auferlegten Schweigegebots, jedoch keinesfalls behauptet, alle möglichen Störeinflüsse ausgeschlossen zu haben. Auch nur annähernd interessante Ergebnisse wird es erst mit Veröffentlichung eines peer-reviewten Reports der EW (2016) geben, oder wenn es wider Erwarten den Selbst-Bauern gelingen sollte, Messergebnisse zu erzielen, die zweifelsfrei über dem Grundrauschen der thermischen und sonstigen Nebeneffekte liegen.

12.11.2015, 10:26 Uhr a.moerer-funk
Vielen Dank für die Erläuterungen, auch wir sind gespannt, wie sich diese Technik entwickelt.

12.11.2015, 10:29 Uhr a.moerer-funk
Den Hinweis zum Foto haben wir geändert.

21.10.2016, 23:27 Uhr Progetti
Für einen gut funktionierenden EmDrive braucht man einen an der Vakuum-Wandung mechanisch abgestützten Supraleiter- Ring in einer Vakuum- Kammer, der mit dem magnetischen Vektor einer linear polarisierten stehenden Welle in Wechselwirkung gebracht wird.
Der senkrecht durch die Öffnung des Supraleiter- Ringes schwingende Magnetfeld- Vektor erzeugt durch Gegeninduktion und Phasenverschiebung um 180 Grad einen genau entgegengesetzt schwingenden Magnetfeld- Vektor.
Die beiden Vektoren kommen zur Interferenz und löschen sich gegenseitig komplett aus. Dabei wird aber eine Schubkraft auf den Supraleiter- Ring erzeugt, der die Schubkraft an das anzutreibende Objekt weiterleitet.
Möglicherweise könnte der Ring im Vakuum auch aus Graphen bestehen, da die ballistischen Elektronen im Ring entsprechend der Mikrowellen- Hochfrequenz nur kurze freie Wegstrecken zurücklegen müssen.
Das Graphen wäre hier, bezogen auf die erforderliche Funktion, ein Teil- Aspekt- Supraleiter, der nur wenig Kühlung benötigt.
Man könnte auch mehrere im Kreis ausgerichtete Mikrowellen- Antennen- Paare verwenden, deren erzeugte stehende Magnetfeld- Vektoren sich in der Öffnung des Supraleiter- Ringes zu einem kohärenten Summen- Vektor überlagern und dadurch die Schubkraft vergrößern.
Der EmDrive ist im Prinzip ein treibgasfreier Raketen- Antrieb, ohne den man weit entfernte Bruder- Planeten nicht erreichen kann!

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